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"Ich frage, was ich Sie fragen will": So genial hebelt ein Journalist Frauke Petry aus

25.03.2016, 14:52 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Wir haben die denkwürdigsten Momente aus dem Deutsche-Welle-Interview herausgesucht.

Einmal die Woche strahlt die Deutsche Welle die Sendung "Conflict Zone" aus, ein politisches Interview, geführt von dem englischen Journalisten Tim Sebastian. Diese Woche zu Gast in der Conflict Zone: AfD-Chefin Frauke Petry (hier geht's zum Video).

Sebastian war für das Interview extra nach Leipzig gekommen, eine knappe halbe Stunde lang sprach er mit Petry über die AfD, Flüchtlinge und Pegida – auf Englisch. Als Zuschauer fürchtet man anfangs noch, das Interview könnte Frauke Petry so die Möglichkeit geben, die Ansichten ihrer Partei über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus zu verbreiten.

Doch zum Glück ist da Tim Sebastian, der Petrys Aussagen immer wieder ad absurdum führt. Manchmal hat man das Gefühl, er spreche mit einem schwer erziehbaren Kind, dem man alles genau erklären muss.

Wir haben die Momente herausgesucht, in denen Tim Sebastian das Duell mit der AfD-Chefin gewonnen hat – und zwar mit Worten:

  • In seiner Einstiegsfrage geht Tim Sebastian auf die Forderung Petrys ein, im Zweifel Schusswaffen einzusetzen, um die deutschen Grenzen zu sichern und Flüchtlinge an der Einreise zu hindern (bento):
"You have the distinction of being the one German leader who has raised the possibility of actually shooting refugees on the border – as a last resort. Are you proud of that?"

(auf Deutsch: "Sie haben den Ruf, diejenige deutsche Vorsitzende zu sein, die die Möglichkeit aufgebracht hat, tatsächlich an der Grenze auf Flüchtlinge zu schießen – als letzte Instanz. Sind Sie stolz darauf?")

Frauke Petry behauptet daraufhin, sie habe das nie gesagt – und erklärt, dass es einen Unterschied gebe zwischen dem Einsatz von Waffen und dem Einsatz von Waffen gegen Menschen. Sebastians Antwort: "You didn't say: 'Fire in the air', did you?" ("Sie haben nicht gesagt: 'Schießen Sie in die Luft', oder?").

(Bild: dpa/ Arne Dedert)

  • Immer wieder drückt sich Petry um eine konkrete Antwort. Tim Sebastian spricht sie darauf an: "You don't want to give straight answers." ("Sie wollen keine direkten Antworten geben.")

    Und am Ende der Diskussion über die Schusswaffen-Thematik zieht er das amüsiert-resignierte Fazit: "I tried to get a straight answer out of you but I didn't manage." ("Ich habe versucht, eine direkte Antwort aus Ihnen herauszubekommen, aber ich habe es nicht geschafft.")
  • Als Petry anmerkt, dass Sebastian sie besser dazu befragen solle, wie die AfD deutsche und europäische Politik verändern will, antwortet der mit einem der bezeichnendsten Sätze des ganzen Interviews: "I'm going to ask the questions that I'd like to ask because that’s what a free press does." ("Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte, denn das ist, was eine freie Presse tut.")
  • Später im Interview kommt die Sprache auf Pegida. Tim Sebastian zitiert den Innenminister Nordrhein-Westfalens, der die Initiatoren der Bewegung einmal als "Neonazis in Nadelstreifen" bezeichnete (Zeit Online) – und fragt: "Are you happy with that? Happy to be associated with that?" ("Sind Sie glücklich damit, glücklich, dem zugehörig zu sein?") Wieder einmal weiß Petry keine Antwort.
  • Der AfD-Parteivize Alexander Gauland sagte in einem Interview, der Islam sei nicht Teil von Deutschland. Davon ausgehend fragt Sebastian:
"Is your culture so vulnerable and so delicate that it's going to be destroyed by people coming in who have a different religion or dress differently or worship in a different way?"

("Ist Ihre Kultur so verletzlich und so empfindlich, dass sie durch ankommende Menschen zerstört werden wird, die eine andere Religion haben oder sich anders kleiden oder eine andere Religion ausüben?")

In ihrer Antwort macht Petry eine etwas seltsame Feststellung:

"When I go to France, I don't see the border but I know it's there and I accept it – be it in terms of speeding limits or be it in terms of laws."

("Wenn ich nach Frankreich fahre, sehe ich die Grenze nicht, aber ich weiß, dass sie da ist und ich akzeptiere sie – sei es in Form von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder in Form von Gesetzen.")

Sebastians Reaktion darauf:

"We are not talking about speeding limits, we are talking about repressing one culture in order to strengthen the other."

("Wir sprechen nicht über Geschwindigkeitsbegrenzungen, wir sprechen darüber, eine Kultur zu unterdrücken, um die andere zu stärken.")

(Bild: dpa/Swen Pförtner)

  • Aus dem vorab geleakten Entwurf des Parteiprogramms zitiert Sebastian die Forderung der AfD, Beschneidung zu verbieten. Seine Frage: "Why is a political party interested in the male penis?" ("Warum interessiert sich eine politische Partei für den männlichen Penis?").

    Petry beteuert zwar, dass diese Forderung nicht im endgültigen Entwurf stehen werde, gesessen hat die Frage trotzdem.
  • Außerdem fragt Sebastian, ob die AfD Kranke, Alkoholiker und Drogenabhängige wirklich ins Gefängnis sperren will – ebenfalls ein Punkt aus dem geleakten Entwurf. Petry weicht aus: "Shall we talk about the euro?" ("Sollen wir über den Euro sprechen?")
  • Am Ende des Interviews beschwert sich Petry, dass in fast jedem Interview nur Kleinigkeiten herausgegriffen würden. Sebastian stellt daraufhin fest, dass sie sich wohl ungerecht behandelt fühle: "You feel hard done by, do you Frauke Petry?" ("Sie fühlen sich hart angegangen, oder?")

    Und er stichelt weiter: "You've given a very good account of what your party is." ("Sie haben eine sehr gute Beschreibung abgegeben, was ihre Partei ist.")

Damit ist das Interview zu Ende, nach genau 26 Minuten. Im Video sieht man noch, dass neben Petrys Stuhl eine Stoppuhr auf dem Boden steht, die die Zeit heruntergezählt hat. Sie verlässt den Raum, ohne Sebastian die Hand zu geben. Als Zuschauer fragt man sich, was er wohl noch gefragt hätte, wenn er mehr Zeit gehabt hätte. Und was er jetzt von der AfD-Chefin denkt.