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Flüchtlinge können der europäischen Wirtschaft guttun

20.01.2016, 17:44 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:25

Das zeigt eine Studie des Internationalen Währungsfonds

Die Aufnahme von Flüchtlingen könnte das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union ankurbeln. Das geht aus einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervor, die IWF-Chefin Christine Lagarde am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt hat. (Volltext der IWF-Studie)

Der 50-seitige Bericht untersucht die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingsbewegungen in die EU. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit einer Frage, die immer wieder gestellt wird: Kann die EU die vielen ankommenden Flüchtlinge überhaupt integrieren, wirtschaftlich und gesellschaftlich?

Die IWF-Studie erkennt an, dass die aktuellen Flüchtlingsbewegungen durchaus eine Herausforderung für die Aufnahmeländer darstellen. Im Großen und Ganzen ist sie aber optimistisch.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Zunächst müssten die EU-Länder Geld für die ankommenden Flüchtlinge und Asylbewerber ausgeben, zum Beispiel für Wohnungen, Essen, medizinische Versorgung und Bildung. Diese "kurzfristigen Ausgaben" könnten in einigen Ländern "beträchtlich" sein, so die Autoren der Studie.
  • Den höchsten Kostenanstieg erwarten sie für Österreich, Finnland, Schweden und Deutschland, die sogenannten Hauptzielländer. Deutschland zum Beispiel werde 2016 0,35 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Asylbewerber ausgeben, Schweden sogar 1,0 Prozent. Auch Dänemark (0,57 Prozent) und Finnland (0,37 Prozent) werden prozentual mehr bezahlen müssen als Deutschland.
  • Langfristig werde sich das Wirtschaftswachstum in Europa durch den Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern aber positiv entwickeln: Für die gesamte EU errechneten die IWF-Experten eine Steigerung des BIP um zusätzlich 0,25 Prozent bis 2020. Den stärksten Anstieg erwarten sie wiederum für die Hauptzielländer: In Deutschland, Österreich und Schweden könne das BIP demnach bis 2020 um 0,5 bis 1,1 Prozent zusätzlich steigen.
  • Ob und wie stark das BIP tatsächlich wächst, hänge aber maßgeblich davon, wie gut die Ankommenden in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Damit die Integration gelingt, geben die Autoren der IWF-Studie einige Empfehlungen an die Politik ab:

  • Hürden bei der Jobsuche und rechtliche Beschränkungen sollten abgebaut werden; Flüchtlinge sollten schneller arbeiten dürfen.
  • Unter bestimmten Umständen sollten Mindestlöhne reduziert oder Lohnkostenzuschüsse an Arbeitgeber gezahlt werden, damit Flüchtlinge und Asylbewerber leichter einen Job finden.
  • Abschlüsse und Fähigkeiten sollten schneller anerkannt werden.
  • Außerdem sollte der Zugang zu Selbstständigkeit erleichtert werden, zum Beispiel durch Kredite.
  • Schließlich könne es hilfreich sein, die geographische Mobilität von Asylbewerbern nicht weiter zu beschränken.

Die Studie bezieht sich auf Erfahrungen von früheren Migrationsbewegungen, berücksichtigt aber auch Unterschiede, insbesondere hinsichtlich der Zahl der ankommenden Flüchtlinge und Asylbewerber. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen einschätzen zu können, verwendet sie ein Simulationsmodell.

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