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  3. Flüchtling soll am Lageso Berlin einen Kältetod gestorben sein

Bild: dpa/Gregor Fischer

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Kältetod eines Flüchtlings? Was wir wissen, was wir nicht wissen

27.01.2016, 11:14 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Die Berliner Polizei sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass ein 24 Jahre alter Flüchtling aus Syrien in der Nacht zu Mittwoch erfroren ist. Ein Flüchtlingshelfer der Organisation "Moabit hilft" hatte dies behauptet und über die sozialen Netzwerke verbreitet. Der Syrer habe angeblich tagelang vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) warten müssen.

Der Fall wirkte von Beginn an mysteriös: Die Polizei konnte den angeblichen Tod gegenüber bento am Mittwochnachmittag weder bestätigen noch dementieren. Auch eine Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales sagte, dass Krankenhäuser abgefragt worden seien, es aber keine Bestätigung für den Fall gäbe.


Am Abend suchte dann die Berliner Polizei den Helfer in seiner Wohnung auf und befragte ihn zu den Ereignissen, wie der rbb berichtet. Die Polizei gab daraufhin bekannt: "Wir haben keinen toten Flüchtling." Zu den genaueren Erkenntnissen wolle man sich aber erst am Donnerstagmorgen äußern.

Über den angeblichen Tod hatte die Bekannte des Helfers bei Facebook berichtet. Er soll den Flüchtling bei sich beherbergt haben. Sie veröffentlichte das Chat-Protokoll, in dem der Helfer praktisch live von der Situation des Syrers am Dienstagabend berichtet.

Darin heißt es: "ich weiß es nicht, er hat 39,4 Fieber, Schüttelfrost und kann nicht mehr sprechen. Ich denke, ich rufe einen Krankenwagen jetzt" und dann: "sitze im krankenwagen Herzstillstand" und "Er ist gerade verstorben Ich melde mich hiermit offiziell ab."

So. Jetzt ist es geschehen. Soeben ist ein 24-jähriger Syrer, der tagelang am Lageso bei Minusgraden im Schneematsch...

Posted by Reyna Bruns on Dienstag, 26. Januar 2016

Der Verein "Moabit hilft" stand zunächst hinter den Aussagen des Helfers. "Wir glauben, was er erzählt", sagte Sprecherin Diana Henniges zu bento. Dennoch hätten auch sie den Helfer am Mittwochnachmittag zunächst nicht noch einmal zu dem Fall befragen können. Er habe sich in seiner Wohnung eingeschlossen.

Lageso in der Kritik

Beim Lageso müssen sich Flüchtlinge in Berlin registrieren. Politiker und Medien kritisieren seit langem, die Organisation des Landesamtes sei chaotisch und inhuman. Flüchtlinge müssen stunden- und tagelang in der Kälte ausharren, um einen Termin zu bekommen. (SPIEGEL ONLINE)