Bild: dpa / Markku Ulander

13.05.2018, 10:54 · Aktualisiert: 14.05.2018, 09:06

Lesen auf eigene Gefahr.

Im Mai dreht für eine Woche ganz Europa komplett durch. Naja, zumindest drehen viele Menschen komplett durch. Der Grund: der Eurovision Song Contest. Die ganze Welt blickt auf unseren Kontinent – sogar die Vereinigten Staaten. Vielleicht auch nur, um uns auszulachen. Ist schon okay, wir haben trotzdem unseren Spaß.

Nach einigen persönlichen Enttäuschungen der vergangenen Jahre – mein Herkunftsland Bosnien flog 2016 im Halbfinale raus und nahm seitdem nicht mehr teil, Deutschland landete regelmäßig auf dem vorletzten, bzw. letzten Platz – ging ich die 63. Ausgabe des Musikwettbewerbs tiefenentspannt und ohne Erwartungen an. Schlimmer konnte es ja nicht mehr werden.

Sicherlich fragt ihr euch jetzt, was einer tiefenentspannten Person während des ESC so durch den Kopf geht.

Say no more, ich habe für euch einige wertvolle Gedanken festgehalten.

Zur Einstimmung fange ich mit einer Melodie an, die jedem ESC-Fan sofort Gänsehaut beschert:

1

DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜÜÜ DÜ DÜ, DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ, DÜ DÜ DÜ DÜ DÜÜ DÜ DÜÜÜÜÜ DÜ DÜ – DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜ DÜÜÜÜÜ. Es geht loooooooos.


2

Sollte mein Leben eines Tages zum Film werden, geht mein ganzes Budget für Peter Urban als Erzähler drauf.

3

Die erste Viertelstunde vergeht ja wirklich wie im Flug. Es handelt sich übrigens um einen Flug durch die Hölle, auf dem Tomatensaft serviert wird – für die Bordunterhaltung sorgt Karl Lagerfeld auf Helium.

4

Die Ukraine wird vorgestellt: Melovin? Ist der extra dafür aus dem Gefängnis ausgebrochen? Das nenne ich Leidenschaft. Moment mal, Melovin, nicht Menowin.

5

Nach dem harten Hör- und Absturz im vergangenen Jahr singt Spanien zum Glück wieder in der Landessprache – und trifft einen Nerv. Ich zerlaufe, muss aufgewischt werden und brauche etwas Zeit, um mich zu erholen.

6

Slowenien holt das Publikum mit einem gewollten Stromausfall aus dem Wachkoma – war das etwa auch schon das HighLIGHT des Auftritts? Licht, Stromausfall, verstanden?

7

Mein Essen ist da, ich falle in einen Trancezustand und verpasse die nächsten Auftritte. Sogar Österreich, meinen Favoriten. Zu meiner Verteidigung: Das Essen war wirklich gut.

8

"Selma, dein Schwarm ist da, verhalte dich unauffällig!" Ich:

9

Nur so ’ne Idee am Rande: Vielleicht erklärt Alexander Rybak beim nächsten Mal jemand, wie man einen Song schreibt.

10

Das Vereinigte Königreich hat endlich seinen großen Auftritt – plötzlich stürmt ein Flitzer auf die Bühne und klaut das Mikrofon. Ist DAS etwa die späte Rache für den Brexit?

11

Der Kirchenchor aus Serbien hat sich prominente Unterstützung aus Hogwarts geholt:

12

Michael Schulte oder die Schwarzmarkt-Version von Ed Sheeran?

13

Albanien erreicht völlig neue Tonhöhen, die Glasflasche vor mir zerspringt. Jemand sollte den Notarzt rufen.

14

Der französische Beitrag ist eigentlich das perfekte Lied für eine "Always Discreet"-Werbung.

15

Für Dänemark geht ein alter Bekannter an den Start:

(Ich hielt Wickie übrigens immer für ein Mädchen. War mein ganzes Leben eine Lüge? Existenzkrise.)

16

Australien, das Herz Europas. Jessica Mauboy singt sich übrigens direkt in mein Herz.

17

Moldawien oder doch eher "Mein RTL"?

18

Unser Beitrag ist nett, aber Israels Beitrag ist Netta.

19

Die Niederlande wecken in mir die Lust, an einer Kneipenschlägerei in Texas teilzunehmen.

20

Irland. Wer schneidet hier wieder Zwiebeln? Wo kommen diese Tränen her und warum sind die Jungs, die über die Brücke spazieren, so süß zusammen?

21

Zypern macht ordentlich Fuego unterm Hintern. Zwei Sprachen in einem Satz, nennt mich "Mrs. Worldwide".

22

Sorry Italien, aber hätte ich um diese Uhrzeit noch so viel lesen wollen, wäre ich jetzt in der Uni.

23

Das war auch schon der letzte Teilnehmer. In der nächsten Stunde folgen 50 Schnelldurchläufe, 40 Kleiderwechsel und 30 angeblich lustige Videos zur Geschichte des ESC.

24

Ein gesunder und fröhlicher Salvador Sobral singt und tanzt auf der Bühne, das freut mich wirklich sehr für ihn. Der Tanz kommt mir außerdem sehr bekannt vor:

25

ENDLICH PUNKTEVERGABE. Jetzt dürfen die Jurys zeigen, wie sie abgestimmt haben. Deutschland scheint dieses Jahr tatsächlich nicht auf dem letzten Platz zu landen: 12 Punkte aus den Niederlanden, 12 Punkte aus Dänemark, 12 Punkte aus Norwegen.

26

Es ist so spannend, ich kann nicht mal die Toilette aufsuchen.

27

40 von 43 Ländern haben abgestimmt und ich sitze konzentriert auf dem Sofa. Der Druck steigt. Sowohl in Lissabon als auch in meiner Blase.

28

Jetzt bloß nicht an Wasserfälle denken.

29

Die Ergebnisse des Publikums sind da: Es bleibt bis zum letzten Moment spannend. Rutscht Deutschland doch noch irgendwie vom dritten auf den letzten Platz?

30

Israel holt den Pokal, Deutschland belegt den vierten Platz. Die wahre Gewinnerin bin aber ich – ICH KANN ENDLICH AUF’S KLO.


Gerechtigkeit

Deutsche / Geflüchtete widersetzen sich der Polizei. Wie reagierst du?

13.05.2018, 10:05 · Aktualisiert: 13.05.2018, 10:31

Zwei sehr ähnliche Vorfälle – mit sehr unterschiedlichen Reaktionen.

Eine große Gruppe Menschen – vorwiegend Männer – widersetzt sich der Polizei. Die Arbeit der Einsatzkräfte wird enorm erschwert, teilweise kommt es zu Gewalt.

Innerhalb weniger Tage sind gleich zwei Vorfälle geschehen, die auf diese Beschreibung passen. 

  1. Der erste fand in Ellwangen statt. Dort sollte ein Asylbewerber abgeschoben werden, doch rund 150 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft verhinderten dies, indem sie sich der Polizei entgegenstellten (bento).
  2. Der zweite Fall geschah an Christi Himmelfahrt in Ganderkesee. Dort randalierte eine Gruppe betrunkener Deutscher. Es gab eine Massenschlägerei. Außerdem bewarfen die Betrunkenen die Polizei mit Flaschen und zerschlugen die Scheibe eines Einsatzwagens (SPIEGEL ONLINE). 

Die Reaktionen auf beide Fälle hätte kaum unterschiedlicher sein können. Man könnte es so zusammenfassen: