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"Ich wäre gern Taylor Swift" – Die Foo Fighters über Versagensängste und Karma

15.09.2017, 11:24 · Aktualisiert: 22.09.2017, 10:53

Waldorf Astoria Berlin, 15. Stock. Dunkler Teppich, halbheruntergelassene Rollos, vor der Tür zwei Bodyguards, einer lässt sich gerade Burger servieren. Einen Tag nach einem umjubelten Auftritt beim Lollapalooza geben sich die Foo Fighters die Ehre – sie promoten ihr neuntes Studioalbum "Concrete and Gold“.

Die Jungs, und es ist natürlich Quatsch, das so verbrüdernd zu schreiben, aber kein anderes Wort klingt richtiger, also, die Jungs lümmeln auf roten Ledersesseln und Sofas.

Im Raum:

  • Dave Grohl (Frontmann, Publikumsverführer und, kann man immer noch nicht weglassen, Ex-Nirvana-Schlagzeuger)
  • Taylor Hawkins (Schlagzeuger, Interview-Buddy und Sänger des neuen Songs, für den Paul McCartney im wörtlichsten aller Sinne trommelt)
  • Rami Jaffee (Keyboarder, der Mann fürs Elektronische )

Die Foo Fighters haben den Ruf, die "nicest Dudes of Rock" zu sein: kollegial, mit korrekten Antworten auf unkorrekte Fragen.

Ein bisschen Warmreden über die Band The XX, die Dave sich am Vorabend angeschaut hat, über die Sängerin ("She is cool, Dude!") und die visuellen Effekte ("Die hatten einen Regenbogen aus Licht und Rauch, das hab ich so noch nicht gesehen!"). Rami und Taylor verstecken sich hinter Sonnenbrillen, allein Dave guckt einem direkt in die Augen, hellwach, kumpelig, freundlich – Medienprofi. 

Man will jetzt die fröhliche "Quatschen wir miteinander"-Stimmung nicht sofort versauen, aber trotzdem sanft überleiten in das Interview, denn eines steht fest: Diese drei könnten problemlos die kommenden 20 Minuten mit Fachsimpelei über Lichtshows verbringen, also:

 

bento: Wenn ihr ein anderer Star sein könntet, ob The XX oder Lady Gaga, wer wärt ihr gern?

Rami: Das Mädel von The XX.

Dave:

Ich wäre gerne Taylor Swift.
Dave

Sie hat einfach Beef mit jedem, das ist so ein sie-gegen-die-Welt-Ding. Aber wenn diese Leute in den Medien über sie lästern, hört man von ihr nichts. Und dann (er macht die Geste für den Mike-Drop), dann wirft sie ihr Album auf den Markt. 

Und lässt alle anderen aussehen wie die totalen Anfänger!

Taylor: Die kann dich fertig machen.

Dave: Genau. Alles, was sie machen muss, ist einen Track auf Spotify veröffentlichen an dem Tag an dem du dein Album rausbringst.

bento: Also erste Regel im Bizz – nie einen Kleinkrieg mit Taylor anfangen?

Dave: Das würden wir nie wagen. (Er lacht, beugt sich über das Aufnahmegerät ruft "WE LOVE YOU, TAYLOR!")

Taylor: Ich wäre gerne Mark Ronson. Der ist einfach cool, macht sein DJ-Ding, der Typ hat Style.

Die Stimmung bis jetzt: entspannt, neugierig, höflich. Dave übernimmt die Gesprächsführung, federt im Sessel, beugt sich vor. Taylor hat sich auf einem Sofa ausgestreckt, Rami lehnt sich zurück – wer hier welche Rolle hat, ist klar. Wäre dieses ein Interview für Musiknerds, würde man Taylor und Rami allein das Wort erteilen und Dave dazu zwingen, nur mit Mimik zu kommentieren. Aber das hier ist ein Interview für Menschen, die selbst ungefähr so alt sind wie das erste Album der Foo Fighters (22 Jahre). Zeit für Generationentalk.

bento: In eurem neuen Video zu "Run" seid ihr Senioren in einem Altenheim, die ausbrechen und junge Hipster verprügeln. Wollt ihr uns was sagen?


Dave: Das war Taylors Idee. Wir machen im Moment die härtesten und düstersten Songs unserer Bandgeschichte. 

Man denkt ja immer, wenn man älter wird, würde man sanfter. Aber das Gegenteil ist der Fall.
Dave

Und klar, das Video ist auch der Gegenentwurf zu "Smells like Teen Spirit“ – damals waren es Teenager, die gegen die Erwachsenen rebellieren. Heute sind wir die Alten. Ich habe auch viele Anspielungen im Video versteckt, bei den Namen der Patienten und des Krankenhauses zum Beispiel.

bento: Der Chorus beinhaltet die Zeile "Wake up!" Habt ihr das Gefühl, Menschen wach rütteln zu müssen?

Dave: Nicht wirklich. Wir machen ehrlich, was uns Spaß macht. Aber es ist schon lustig: Wenn ich mir das Line-Up von den Festivals anschaue, auf denen wir spielen, sind alle anderen so sanft, im Vergleich sind wir, verdammt, Slayer oder Motörhead.

Aber das Schreien, die Gitarren, das sind wir, da haben wir Bock drauf. Und als Musiker muss man einfach machen, was sich natürlich anfühlt. (Er grinst rüber zu Taylor, der auf dem Sofa einschläft. Rockstarstyle.)

bento: Ok, sprechen wir mal über den Elefanten im Zimmer: Ihr seid nett. Ihr wirkt, als könntet ihr genauso gut auf der Surfer-Tanz-Musik auf den Festivals machen. Woher kommt diese Wut und Hoffnungslosigkeit in eurer Musik? 

Manche Sachen kann man eher vor 80.000 Menschen in die Menge brüllen, als sie zu sagen.
Dave

Dave: Es ist ein therapeutischer Luxus, sowas die ganze Zeit tun zu dürfen. Ich fühle mich nicht immer so, aber es ist leicht, das in der Musik rauszulassen. Und das ist mir tausend Mal lieber, als darüber zu sprechen und mich zu beschweren.

bento: Klar, das würde sich ja auch keiner anhören.

 Dave: Genau!

bento: Ihr habt jetzt 22 Jahre Erfahrung mit dem Leben als Musiker. Als Selbstständige. Als Menschen, die etwas machen, was sie wirklich wollen. Trotz Zweifel, Rückschlägen und Unsicherheiten. Wenn ihr an euch zurückdenkt mit Anfang 20, was wisst ihr jetzt, was ihr damals gern gewusst hättet?

Dave: Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas sagen könnte, dann wahrscheinlich, dass ich nicht so viel Angst zu haben brauche. Als Jugendlicher habe ich von Bomben geträumt, die in unserem Garten explodieren. Ich dachte ständig, ich würde nie 16 Jahre alt, 18 Jahre alt, 21 Jahre alt.

Ich bin das zum Glück losgeworden.

Es ist furchtbar, so zu leben. Besonders heute, wo jeder immer nur auf die nächste Katastrophe wartet. Warum warten wir eigentlich nie auf Glück oder Liebe?

bento: Vielleicht, weil wir nicht glauben, dass wir sie verdienen? In eurem neuen Song "T-Shirt" singst du, Dave, "Du kriegst was du verdienst". Glaubst du das?

Dave: Ja!

Man würde jetzt natürlich am liebsten kurz abschweifen zum Thema Politik und Lage der Welt, der Frage, wer Trump verdient hat. Aber, das hat die Band vor dem Gespräch ausrichten lassen, dazu möchten sie sich nicht äußern, es soll hier um Musik gehen. Die Pressebeauftragte, die das Gespräch am Rand verfolgt, streckt ihre Hand in die Luft – noch fünf Minuten. Also anders gefragt: 

bento: Menschen, deren Leben gerade scheiße ist, kriegen was sie verdienen?

Dave: Ich glaube fest an positive Energie. Bei den kleinsten Sachen. Wenn ich morgens versuche, meine Kinder durch den Verkehr in LA zu bringen und jeder nur genervt ist, gebe ich echt mein Bestes um zu Lächeln, zu winken, Menschen vor zu lassen. 

Ich hoffe, dass das ansteckend ist. Und dass es eine kollektive Energie in einer Stadt, einem Land, einer Band gibt, bei der man etwas zurückbekommt.

Da ist er wieder, dieser netteste Typ im Rock, dem man in diesem Moment die Rolle als Daddy im Berufsverkehr total glaubt. Dave Grohl ist entweder verdammt gut in seiner Rolle, der professionellste Profi ever oder wirklich nett – und wahrscheinlich ist er eine Mischung aus all dem. Aber wie schafft es der Berufsverkehr-Daddy, sich das richtige Ego zuzulegen, auf eine Bühne vor 80.000 Leute zu steigen? 

bento: Gibt es immer noch Momente, in denen das für dich nicht zusammengeht: Das Brote schmieren für deine Kinder in einem Moment und dann im nächsten vor Tausenden auf Tour gehen?

Dave: Für das, was wir machen, brauchst du schon ein Mindset; als wärest du ein Dompteur in einer Arena, diese Figur, die größer ist, als dein Leben. 

Als wir mal pausiert haben und eineinhalb Jahre nicht gespielt hatten, musste ich danach wieder auf eine Bühne vor 05.000. 

Dabei hatte ich davor monatelang Windeln gewechselt und Brote geschmiert. Ich wusste nicht, ob ich das packe. Aber dann habe ist es mir wieder eingefallen: Die einzige Art, da durch zu kommen, ist, du selbst zu sein und es zu machen.



Haha

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