Bild: dpa / Jens Kalaene

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Immer weniger Deutsche spenden Organe – aber warum?

10.11.2017, 12:33

Mehr als 10.000 Menschen benötigen eine Transplantation.

In Deutschland werden immer weniger Organe gespendet. Waren es vor fünf Jahren noch 1046 Organspenden, so ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 857 gesunken. Damit sind die Organspenden in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

Was ist der Grund für den Rückgang?

Veröffentlicht hat die Zahlen die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Ihr zufolge ist wahrscheinlich der Organspende-Skandal für den Rückgang verantwortlich. Ärzte hatten ihre Patienten kränker erscheinen lassen als sie tatsächlich waren, damit sie in der Liste der potenziellen Empfänger weiter oben standen. Dieser Skandal ließ die Bereitschaft der Menschen zur Spende sinken (hier kannst du noch einmal alles dazu lesen).

Und die Aussichten werden laut DSO kaum besser: Bestätigt sich die Prognose, wird es in Deutschland in diesem Jahr erstmals weniger als zehn Organspender pro eine Million Einwohner geben. Zum Vergleich: In Ländern wie Spanien, Portugal oder Kroatien sind es laut Stiftung über 30.

Die Zahl der Organspender nimmt drastisch ab

Die Zahl der Organspender nimmt drastisch ab (Bild: Deutsche Stiftung Organspende)

Warum spenden Menschen keine Organe?

Was die DSO im Zusammenhang mit der Zahl der Organspender auch veröffentlicht hat, sind die Gründe der Menschen, warum sie keine Organe spenden. Die Antworten im Überblick:

  • Ablehnende Haltung des Verstorbenen
  • Einstellung des Verstorbenen unbekannt
  • Angehörige sind sich nicht einig
  • Religiöse Gründe
  • Verletzung der Körperintegrität
  • Keine Akzeptanz des Todes
  • Unzufriedenheit mit Behandlung im Krankenhaus
  • Missbrauchsbefürchtung (Organhandel)
  • Kein Vertrauen in Todesfeststellung

Warum ist das ein Problem?

In Deutschland warten mehr als 10.000 schwerkranke Menschen auf ein Spenderorgan. Die meisten auf Niere, Leber oder Lunge. Nimmt die Zahl der Organspender weiter ab, müssen viele Menschen noch länger auf das benötigte Organ warten. Zeit, die viele dieser Menschen eigentlich nicht haben. Laut DSO sterben täglich drei Menschen in Deutschland, weil sie ein Organ nicht rechtzeitig bekommen haben.

Was will die Stiftung jetzt ändern?

Um den schwerkranken Menschen zu helfen, die auf ein Organ warten, will die DSO vor allem die Entnahmekliniken für das Thema sensibilisieren. „Die Frage nach der Spende muss zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Versorgung am Lebensende werden“, sagt Alex Rahmel von der DSO. Deshalb wolle man mehr auf Schulungen setzen und Transplantationsbeauftragte stärken (Frankfurter Rundschau).

Hier kannst du dich über das Thema Organspende informieren.


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