Bild: dpa

Today

Schüsse auf Deniz Naki – das sagt der Fußballer zum Angriff

08.01.2018, 05:44 · Aktualisiert: 09.01.2018, 10:34

Der 28-Jährige ist ein Kritiker der türkischen Regierung. Er geht von einem gezielten Angriff aus.

Ein Unbekannter hat am Sonntagabend auf das Auto des deutsch-kurdischen Fußballers Deniz Naki geschossen. Mindestens zwei Projektile hätten die linke Seite seines Wagens durchschlagen, sagte Naki zu bento. Er sei unverletzt geblieben, habe bremsen und die Polizei verständigen können.

Die Polizei bestätigte gegenüber bento, dass auf der A4 ein Schuss auf ein fahrendes Auto abgegeben wurde, wollte aber zunächst nicht bestätigen, dass es sich um das Auto von Deniz Naki handelte. Bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden. Es sei mindestens ein Schuss abgegeben worden. Weitere Einzelheiten – auch zum Täter – wollte die Polizei nicht bekannt geben. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Das berichtet die Deutsche Presseagentur.

Naki hat den Schützen nach eigenen Angaben nicht erkennen können. "Ich habe lediglich einen schwarzen Kombi neben mir gesehen", sagte er. Ein Schuss sei knapp über dem linken Hinterreifen eingeschlagen, ein weiterer zwischen zwei Fenstern des Autos auf der linken Seite.

"Ich glaube, dass es hier um eine politische Sache geht", sagte Naki zu bento. "Ich bin in der Türkei eine laufende Zielscheibe, weil ich mich pro-kurdisch äußere." Er wisse nicht, ob die Schüsse ein Mordanschlag oder eine Warnung gewesen seien.

"Die Schüsse zeigen mir aber, dass ich nirgendwo wirklich sicher bin. Ich vermute, dass der Schütze entweder ein Agent der türkischen Regierung oder ein rechtsradikaler Türke gewesen ist."

Deniz Naki ist ein ehemaliger Spieler des FC St. Pauli, er spielte auch für die deutsche U21-Nationalmannschaft. Der 28-Jährige gilt als Kritiker der türkischen Regierung und ihres Einsatzes in den kurdischen Gebieten des Landes. Dort geht das türkische Militär seit dem Scheitern eines Waffenstillstands im Sommer 2015 gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor. Die PKK wiederum verübt immer wieder Anschläge. (SPIEGEL ONLINE)

Naki im Trikot des FC St. Pauli

Naki im Trikot des FC St. Pauli (Bild: Getty Images/Alex Grimm)

Derzeit spielt Naki für den kurdischen Fußballverein Amed SK aus Diyarbakir, der in der türkischen dritten Liga antritt. Im April 2017 hatte ein türkisches Gericht Naki wegen vermeintlicher "Terrorpropaganda" zu einer 18-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Unter anderem ging es in dem Verfahren um einen Facebook-Eintrag des 28-Jährigen: Naki hatte einen Sieg seines Vereins denen gewidmet, "die bei den Grausamkeiten, die seit über 50 Tagen auf unserem Boden stattfinden, getötet oder verletzt wurden". Naki bestritt die Vorwürfe, er habe nur eine "Friedensbotschaft" weitergegeben. (Tagesschau)

Deniz Naki in der Türkei nach einem Termin vor Gericht

Deniz Naki in der Türkei nach einem Termin vor Gericht (Bild: dpa)

Prozessbeobachter kritisierten das Urteil scharf. Mit dem Vorwurf der Terrorpropaganda geht die türkische Regierung gegen Mitglieder der Gülen-Bewegung, echte und vermeintliche PKK-Unterstützer und kritische Journalisten vor, darunter auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel. Er sitzt seit mehr als zehn Monaten ohne Anklage in türkischer Haft.

Ich bin immer noch der gleiche Deniz. Ich lasse mich nicht einschüchtern.
Deniz Naki

Entmutigen lassen will sich Naki durch die Schüsse auf ihn nicht. "Ich bin immer davon ausgegangen, dass irgendwas passieren kann – ob ich nun ins Gefängnis muss oder irgendwann sterbe", sagte er bento. "Ich habe mich für diesen Weg entschieden und stehe auch dazu. Ich bin immer noch der gleiche Deniz. Ich lasse mich nicht einschüchtern."

Zuerst hatte die Hamburgische Bürgerschaftsabgeordnete Cansu Özdemir (Die Linke) auf Twitter über die Schüsse auf Naki berichtet. Auch sie hat kurdische Wurzeln und Nakis Prozess in der Türkei als Beobachterin verfolgt. Naki rief sie direkt nach dem Angriff an. Özdemir vermutet ebenso wie Naki einen gezielten Anschlag.

Cansu Özdemir (Die Linke) am Rande des Naki-Prozesses in der Türkei

Cansu Özdemir (Die Linke) am Rande des Naki-Prozesses in der Türkei

Sie sagte bento:

"Der Mordanschlag auf Deniz Naki macht deutlich, dass türkische Oppositionelle in Deutschland nicht sicher sind. Spätestens seit dem Bekanntwerden einer aktuellen Todesliste hätten die Sicherheitsbehörden Schutzmaßnahmen ergreifen müssen. Ich befürchte, die Mordkommandos Erdoğans werden so lange Jagd auf Oppositionelle machen, bis jemand stirbt."

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte über angebliche Todeslisten, auf denen Gegner der türkischen Regierung stehen sollen. Zuletzt berichtete ein Abgeordneter der kurdischen Oppositionspartei HDP, Garo Paylan, über eine solche Liste.

Lass uns Freunde werden!

Paylan sagte in Interviews, ein dreiköpfiges Killerkommando sei aus der Türkei nach Europa geschickt worden. Auf den Listen stünden Namen von Personen und Institutionen, die als Ziele von Anschlägen ausgewählt worden seien. Ein Schwerpunkt sei angeblich Deutschland.

Deutsche Sicherheitskreise bekommen immer wieder Hinweise auf eine Gefährdung von Erdogan-Gegnern. Bisher habe es allerdings keine konkreten Hinweise gegeben, berichtete unter anderem der Tagesspiegel. Dass ein Killerkommando aus der Türkei nach Deutschland komme, so zitiert die Zeitung einen anonymen Mitarbeiter der Sicherheitsdienste, klinge aber "abenteuerlich". (Tagesspiegel)


Tech

Das sind die lustigsten Reaktionen von Alexa

07.01.2018, 19:46 · Aktualisiert: 08.01.2018, 07:35

Was schenkt man Menschen, die eigentlich alles haben, was sie brauchen? Zum Beispiel Geräte, die man sich selbst niemals kaufen würde. In diesem Jahr lag offenbar das Amazon Echo unter vielen Weihnachtsbäumen. Ein Gerät, das aussieht, wie eine portable Lautsprecherbox und per Sprachassistentin "Alexa" gesteuert wird. 

"Alexa, wie wird das Wetter?" Eine Frauenstimme antwortet dann, dass es in Köln-Hürth an Silvester bis zu 16 Grad werden. Ähnlich funktioniert auch Google Home oder die Apple-Variante Siri

Laut einer Umfrage kann sich jeder dritte Mann und jede fünfte Frau in Deutschland vorstellen, mit so einem Gerät zusammenzuleben. Wer einen digitalen Assistenten bereits benutzt, weiß allerdings auch, dass die Technik noch nicht ganz so funktioniert, wie sie sollte: 15 Prozent der Befragten finden die Sprachsteuerung noch nicht ausgefeilt genug und 24 Prozent kritisieren, dass die Befehle nicht präzise erkannt werden. (FAZ