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Wir haben den Kumpel von Christian Lindners Schul-Firma gefunden

14.09.2017, 14:26 · Aktualisiert: 14.09.2017, 16:30

Was Christopher heute über Christian sagt.

Das Jahr 1997, zwei Typen stehen mit Anzug vor ihrer Schule. Einer hält einen Aktenkoffer und trägt eine extrabreite Krawatte, dazu hochgegelte Haare. Es ist Christian Lindner, damals 18-jähriger Schüler, heute Spitzenkandidat der FDP.

Neben ihm steht sein Kumpel Christopher, breiter Hemdkragen, dazu Sakko. Beide haben gerade ihre erste Firma gegründet, sie wollen Unternehmern das Internet erklären. Stern TV hat ein altes Video über die jungen Unternehmer ausgegraben. Es wird gerade im Netz geteilt. (Hier kannst du es dir anschauen)

Wir haben Christopher aufgespürt und nachgefragt: War Christian Lindner tatsächlich so ein Durchstarter?

Die direkte Antwort:

Christian wusste mit 16 Jahren, dass er Generalsekretär der FDP werden wollte. Ich denke, das spricht für sich.
Christopher Peterka

Christopher Peterka war zum Zeitpunkt des Videos 18 Jahre alt und Klassenkamerad von Lindner auf dem Städtischen Gymnasium in Wermelskirchen. Heute ist er 38 Jahre alt, "Chief Inspiration Officer" bei einem Beratungsunternehmen mit Sitz in Köln und Kapstadt - und noch immer mit Christian Lindner befreundet.

Wie sich die beiden verändert haben:

Im Video von 1997 macht sich der Moderator über die beiden lustig. Die Zielstrebigkeit findet er albern: "Sie gehen noch zur Schule, sehen aber schon so aus wie die Titelblatt-Models vom Manager Magazin." Und dass sie die Schule nur noch fürs Abi absitzen, sowieso.

Christopher hält den Beitrag im Rückblick für ziemlich übertrieben, sein Kumpel Christian sei gerne in die Schule gegangen: "Vor allem der Philosophieunterricht hat ihm viel Spaß gemacht. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er sich stattdessen lieber ins Büro gewünscht hätte."

Auch die angedeutete Steuerhinterziehung sei Quatsch: "Wir waren beim Gewerbeamt ordentlich gemeldet, alle Steuern wurden abgeführt."

Die Idee zum eigenen Unternehmen kam beiden durch einen Aushang am Schwarzen Brett der Schule. Dort wurden Freiwillige gesucht, die in den Ferien eine Wanderausstellung zum Thema "Internet" betreuen sollten. Beide machten mit – und wurden enttäuscht.

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"Wir mussten lernen, dass das Thema Internet 1997 nur wenig Aufmerksamkeit bekam", sagt Christopher heute, "sprich: die Ausstellung blieb leer."

Dieses Erlebnis hat die beiden aber nicht entmutigt – sondern angestachelt. Mit einem neuen Kommunikationskonzept haben sie die Ausstellung bekannt gemacht. Aus dem ersten Erfolg gründeten sie ihre Firma , die "Lindner + Peterka Werbeagentur GbR", um Unternehmen künftig in Sachen Internet zu beraten.

Unsere Mitschüler konnten damit nur wenig anfangen, die meisten haben sich – nachvollziehbar – eher für Feiern und Freizeit interessiert.​
Christopher Peterka

Aber einige hätten sich doch inspiriert gefühlt, sagt Christopher heute. "Es ging darum, eigene Ideen zu vertreten – trotz unseres jugendlichen Alters. Heute würde man das wohl 'Out-of-the-Box'-Denken nennen."

Christian Linder als Jungunternehmer.

In den kommenden zwei Jahren hätten beide mehrere mittelständische Unternehmen im Bergischen Land und rund um Köln beraten. "Oft war ein anfängliches Befremden durch die großen Altersunterschiede spürbar", sagt Christopher. Aber dann hätten sie doch immer jeden begeistert.

Die nächste Unternehmensgründung ging allerdings schief.

Lindner und Peterka gründeten 2000 das Start-up "Moomax", es ging um Internet-Avatare. Nach vier Jahren musste das Unternehmen jedoch Insolvenz anmelden, die "New Economy"-Blase ließ damals viele junge Internet-Firmen scheitern. Der Businessplan für "Moomax" war noch nicht gut genug ausgereift. Lindner verkauft sein Scheitern heute als Lehrstunde (FAZ).

Wozu Lindner allerdings laut Christopher steht: zu seinem Porsche.

Im Video fährt er zwar mit einer geliehenen Mercedes-Limousine durch die Gegend, in Wirklichkeit träumte er bereits vom ersten Porsche. "Christian ist großer Automobil-Fan und hat sich den Traum so früh wie möglich erfüllt", sagt Christopher über seinen Kumpel. Er habe das damals schon bewundernswert gefunden. Heute sagt er:

Da hat Christian alles richtig gemacht.
Christopher Peterka

Hier kannst du das Video von 1997 sehen:

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