Bild: dpa / Ryan M. Kelly

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Neonazis randalieren in US-Kleinstadt, eine Gegendemonstrantin getötet

12.08.2017, 21:33 · Aktualisiert: 14.08.2017, 13:54

Was ist los in Charlottesville?

Bei einem Aufmarsch von Neonazis in Charlottesville ist am Samstag eine Frau getötet worden. Ein Mann steuerte ein Auto in Gegendemonstranten. Bei den Ausschreitungen wurden außerdem 35 Menschen verletzt. Präsident Donald Trump beklagte daraufhin Gewalt "von beiden Seiten".

Was war am Samstag in Charlottesville los?

Am Samstag kam es während eines Neonazi-Aufmarschs zu Gewalt. Rechtsextreme gingen auf Gegendemonstranten los. Mehrere Menschen wurden verletzt. Drei Personen wurden im Zusammenhang mit den Ausschreitungen festgenommen.

Am frühen Nachmittag raste dann ein Auto in eine große Gruppe Gegendemonstranten. Dabei ist nach Angaben der Polizei eine 32-jährige Frau ums Leben gekommen, mehrere weitere Menschen seien verletzt worden, einige von ihnen schwer.

Augenzeugen berichten, der Fahrer sei absichtlich in die Menschenmenge gesteuert. Anschließend fuhr der Fahrer den dunkelgrauen Dodge Challenger im Rückwärtsgang zurück.


Die Polizei konnte den Fahrer wenig später festnehmen: James F., ein 20-jähriger Mann aus Ohio.

In einer ersten Reaktion im Fernsehen wandte sich Präsident Donald Trump gegen Gewalt "von vielen Seiten".

Trump wird nun dafür kritisiert, die Gewalt der Neonazis nicht konkret zu benennen und sich von ihnen nicht ausreichend zu distanzieren. Einige Teilnehmer des Neonazi-Aufmarschs trugen Trump-T-Shirts und die "Make America Great Again"-Basecaps.

Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton schrieb auf Twitter: "Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nicht-Handeln hinnehmen, ist eine Schande." Nun sei die Zeit gekommen, in der die politische Führung klare Worte finden und danach handeln müsse, so Clinton.

Zwei Toten bei Hubschrauber-Absturz

Wenige Stunden nach dem Auto-Vorfall stürzte in der Nähe ein Polizeihubschrauber ab. Beide Insassen starben. Der Grund für den Absturz ist aber noch völlig unklar. Ob es einen Zusammenhang zu den Ausschreitungen gibt, soll nun geklärt werden.

Was machen die Neonazis in Charlottesville?

Bis zu 6000 Rechtsextreme wurden in der 50.000-Einwohner-Stadt erwartet. Sie liegt im Osten der USA im Bundesstaat Virgina, etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Washington entfernt.

Die Stadt hatte beschlossen, ein Denkmal des Generals Robert E. Lee zu entfernen. Der General hatte im amerikanischen Bürgerkrieg für die Südstaaten und den Fortbestand der Sklaverei gekämpft. Die Neonazis wollten für den Erhalt der Statue protestieren. Aufgerufen hatten zu der Demonstration mehrere rechtsextreme Gruppierungen, unter anderem der Ku Klux Klan.

(Bild: dpa / Steve Helber)

Die Rechtsextremen hatten sich seit Freitag in der Stadt gesammelt und bereits mehrfach Gegendemonstranten angegriffen. Zum Teil trugen die Neonazis Helme, Schlagstöcke und Schilde. Am Freitagabend zogen sie mit Fackeln durch die Stadt, dabei zeigten sie den Hitlergruß und beschworen "Blut und Boden".

Der demokratische Bürgermeister Mike Signer nannte die Neonazi-Kundgebung eine "feige Parade von Hass, Fanatismus, Rassismus und Intoleranz".

Was die Lage nicht einfacher machte: Dutzende schwer bewaffnete Anhänger von Bürgermilizen sind außerdem vor Ort. Sie patrouillieren mit Gewehren und Pistolen, die in dem Bundesstaat offen getragen werden dürfen, um das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen.

Mehr über den Neonazi-Aufmarsch bei Vox: Unite the Right, the violent white supremacist rally in Charlottesville, explained


Fühlen

Wie ich herausfand, dass mein Vater ein Doppelleben führt

12.08.2017, 17:43 · Aktualisiert: 13.08.2017, 10:57

Den Tag, an dem sie ihrem Vater sagte, dass sie ihn nie wieder sehen will, hat Ramona vergessen.

Es war Sommer, so viel weiß sie noch. Und, dass Sonnenstrahlen durch das Fenster im Vorraum des Hauses fielen, in dem sie aufgewachsen war. Vor der Tür blühten Sträucher.