Bild: dpa/Bernd Thissen; Montage: bento

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Wie der mutmaßliche Attentäter mit BVB-Aktien Geld verdienen wollte

21.04.2017, 12:32 · Aktualisiert: 21.04.2017, 16:06

Kurz vor Ostern explodierten neben dem BVB-Mannschaftsbus mehrere Sprengsätze – nun haben Ermittler einen mutmaßlichen Täter festgenommen. Der 28-jährige Sergej W. soll den Anschlag aus Habgier begangen haben. Er habe versucht, einen Kurssturz der BVB-Aktie zu erzwingen, sagen die Ermittler (bento). 

Fällt die Aktie, so wollte der mutmaßliche Täter mit sogenannten Put-Optionen aus dem Verlust einen Gewinn machen. Was wie ein ziemlich guter Hollywood-Thriller klingt, ist tatsächlich möglich. Aber wie genau? Die wichtigsten Fragen zur BVB-Aktie und zum Handel mit Optionen. 

Was ist eine Put-Option?

Eine besondere Form des Aktienhandels. Und zwar eine sehr risikoreiche.

Zunächst ein Crashkurs in Sachen Aktien: Unternehmen – also auch Fußballvereine – können sich als Aktiengesellschaft eintragen lassen. Kauft man dann eine Aktie dieses Unternehmens, besitzt man einen (winzigen) Teil des Unternehmens und verdient am Erfolg mit. Die Unternehmen selbst nutzen das Geld, um damit zu wirtschaften.

Arbeitet das Unternehmen gut, steigt die Aktie – und der Aktieninhaber macht Gewinn. Ein Beispiel:

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Termingeschäfte funktionieren anders. Anstatt einer Aktie kauft man nur eine Option auf den Kursverlauf – es ist wie eine Wette, ob die Aktie steigt oder fällt. Eine Put-Option setzt auf einen fallenden Kurs, eine Call-Option auf einen steigenden.

Der Vorteil im Vergleich zum normalen Aktienkauf liegt in der Gewinnspanne. Bei Aktien dauert es lange, bis sie Gewinn abwerfen. Bei Optionen nutzt man einen sogenannten "Hebel". 

  • Ein Hebel multipliziert die Kursänderung. Hat er den Wert 50 wird der Prozent der Kursänderung auch mit 50 multipliziert.
  • Steigt eine Aktie also um 3 Prozent, wird durch den Hebel 150 Prozent daraus.
  • Das bedeutet: Schon nach kurzer Zeit sind so große Gewinne möglich – oder auch extreme Verluste.

Auch hier ein Beispiel:

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Wie wollte der Täter damit Geld machen?

Laut SPIEGEL-Informationen kaufte der Täter am Tag des Anschlags 15.000 Verkaufsoptionen für die BVB-Aktie. Die Scheine haben alle mehrere Cent gekostet – wahrscheinlich hat der Täter insgesamt also ein paar Tausend Euro gesetzt. Insgesamt hatte er sich laut SPIEGEL vorab einen Kredit in Höhe von 40.000 Euro geholt.

Den Kauf hat er online getätigt – und zwar im BVB-Mannschaftshotel "L’Arrivée", in dem der Verdächtige ein Zimmer gemietet hatte. Dies konnte anhand der IP-Adresse des Hotels festgestellt werden. 

Wie viel hätte der mutmaßliche Täter gewinnen können?

Da sein Einsatz nicht bekannt ist, lässt sich die Frage nur theoretisch beantworten. Eine Beispielrechnung:

  • Jemand kauft für 2000 Euro Optionen mit einem Hebel von 20. Die BVB-Aktie fiel in den zwei Tagen nach dem Anschlag real um 5 Prozent. 
  • Mit dem Hebel 20 erhöht sich die Änderung jedoch auf 100 Prozent – aus den 2000 Euro wären 4000 Euro geworden.
  • Wenn der Hebel bei 50 liegt, hätte sich die Kursänderung gar auf 250 Prozent erhöht. Aus den 2000 Euro wären dann 7000 Euro geworden.

Kann jeder einfach so mit Optionen handeln?

Ja. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) der Handel so kompliziert ist, braucht es keine spezielle Ausbildung oder Erlaubnis. Banken freuen sich, wenn private Anleger ihr Geld für riskante Geschäfte vorbeibringen.

Gerade für die Put-Optionen gibt es spezielle Online-Banken. Nach der Anmeldung verlangen sie einen Adressnachweis, eine Kreditkartennummer und testen oft mit einem kurzen Fragebogen, was man über Aktienhandel eigentlich weiß. Auch wenn man nicht viel weiß, gibt es dann kein Handelsverbot. 

Warum ist der BVB eigentlich an der Börse?

Der Verein sah den Börsengang als Chance, das eigene Kapital zu erhöhen. Damals, Ende der Neunziger, lief es gut für den BVB. 1997 gewannen die Dortmunder die Champions League und den Weltpokal, den es damals noch zu holen gab. Die Einnahmen florierten, 2000 ging der BVB an die Börse. Für umgerechnet 11 Euro konnten die Anhänger des Vereins 2000 die Anteile erwerben, heute steht die Aktie bei nur rund 5 Euro. Zweitweise war sie kaum 90 Cent wert (boerse.ard.dehandelsbaltt.de). 

Wer gleich am Anfang Aktien gekauft hatte, musste also deutliche Verluste hinnehmen:

  • Sportliche Erfolge blieben aus, teure Spieler wurden gekauft. Schuldenstand 2005: 118 Millionen Euro. Der Verein verkauft sein Stadion, um es dann teuer zu mieten.
  • Später soll dem Verein die Lizenz entzogen werden. Hans-Joachim Watzke wird Manager und muss die Misswirtschaft seiner Vorgänger vergessen machen.
  • Die Bank Morgan Stanley hilft dabei, das Stadion zurückzukaufen. 

Die Wende:

  • Jürgen Klopp wird Trainer, der Erfolg kommt zurück. Die Saison 2010/2011 läuft nach Plan, sie gewinnen die Meisterschaft. Auch der Kurs steigt wieder. 
  • Der BVB kommt auch wirtschaftlich näher an den FC Bayern ran – vor allem dank der Erfolge in der Champions League.

Bis heute ist der BVB der einzige deutsche Fußballverein, der an der Börse notiert ist.

Mit was verdient der Verein heute sein Geld?

Den Hauptteil der Umsätze erzielt der Konzern zwar mit den Erlösen aus dem Spielbetrieb (Tickets für die Spiele), der Vermarktung von Fernsehrechten und Werbung. Hinzu kommen aber noch die "fußballnahen Geschäftsfelder", wie der BVB auf seiner Homepage schreibt. 

Der Verein hat zum Beispiel hundert Prozent der Anteile an der BVB Stadionmanagement GmbH, der BVB Merchandising GmbH und der BVB Event & Catering GmbH. Beteiligt ist der BVB auch an der Orthomed Medizinisches Leistungs- und Rehabilitationszentrum GmbH.


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Samstag in Köln: Wie die AfD und ihre Gegner romantische Hochzeitsträume zerstören

21.04.2017, 10:35 · Aktualisiert: 21.04.2017, 13:59

16 Hochzeitspaare sagen schon mal Danke.

Die Rentkammer im historischen Rathaus von Köln ist ein romantischer Ort. Licht flutet in den Saal, steinerne Kreuzgewölbe bilden eine schützende Kuppel über den Gästen. Die Rentkammer ist ein schöner Ort zum Heiraten. 

Eigentlich, wären da nicht die AfD und ihre Gegner. 

Die Partei hält an diesem Wochenende ihren Bundesparteitag in Köln ab, Tausende Demonstranten haben sich zu Protestmärschen angekündigt. Mittendrin: die Rentkammer – und 16 Hochzeitspaare, die nun von der Polizei auf ihrem Weg zur Trauung geschützt werden müssen.