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Wen soll ich wählen, wenn ich als Trans*mensch endlich ein normales Leben führen will?

11.09.2017, 16:24 · Aktualisiert: 11.09.2017, 16:39

Worum geht's?

Der Oberbegriff Trans* bezeichnet Menschen, die sich nicht oder nicht nur mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Wie viele Menschen es in Deutschland gibt, auf die diese Definition zutrifft, kann man nicht genau sagen – laut der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität sind es zwischen 60.000 und 100.000.

Wen soll ich wählen, wenn ...?

Die Wahlentscheidung ist nicht immer einfach. Während sich manche schon lange sicher sind, für wen sie ihre Kreuze machen, tun sich andere schwer. Und die kompletten Wahlprogramme lesen will auch nicht jeder – immerhin sind manche mehr als hundert Seiten lang. In den einfacher zu verdauenden Kurzversionen werden dagegen nicht alle Fragen beantwortet.

In unserer Reihe "Wen soll ich wählen, wenn ...?" greifen wir uns deshalb jeweils ein Thema heraus, das vielen Menschen am Herz liegt und sehen uns die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, den Grünen, der Linken, der FDP und der AfD ganz konkret dazu an.

Wie ist die aktuelle Situation?

Transsexualität wird in Deutschland als psychische Krankheit gewertet. Seit 1981 gibt es das Transsexuellengesetz, das die Belange von Trans*personen in Deutschland regeln soll. Diesem Gesetz nach muss jemand, der seinen Namen oder die Daten ändern will, die offiziell hinterlegt sind (Personenstandsdaten), zunächst von Sachverständigen begutachtet werden.

Wer körperliche Veränderungen vornehmen lassen möchte, muss vorher eine Psychotherapie machen. Auch die Frage, wer die Kosten dafür trägt, muss in aufwändigen Verfahren geklärt werden. (Antidiskriminierungsstelle des Bundes)

Wie eine Namensänderung funktioniert, kannst du hier nachlesen:

Schließlich zeigte ein EU-Bericht, dass Trans*menschen in Europa starker Diskriminierung in Form von Ausgrenzung, Drohungen, Beleidigungen und Gewalt ausgesetzt sind. (Agentur der Europäischen Union für Grundrechte)

Der Bundesrat hat im Juni 2017 die Bundesregierung aufgefordert, das Transsexuellengesetz durch eine moderne Regelung zu ersetzen. Wie genau ein neues Gesetz aussehen könnte, ist allerdings noch nicht klar. (Bundesrat)

Sagen die Parteien in ihren Wahlprogrammen etwas zur Situation von Trans*menschen? Wir haben nachgeschaut.

CDU/CSU

Im Wahlprogramm der Unionsparteien kommen Trans*menschen nicht vor.

SPD

Die SPD möchte im Grundgesetz integrieren, dass niemand aufgrund seiner sexuellen Identität benachteiligt werden darf – momentan beziehen sich diese "Gleichheitsrechte" in Artikel 3 Abs. 3 nur auf Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glauben und religiöse oder politische Anschauungen.

Außerdem soll das Transsexuellengesetz überarbeitet werden – wie genau, wird nicht gesagt. Es heißt jedoch, die SPD wolle die "Lage von trans- und intergeschlechtlichen Menschen verbessern und gewährleisten, dass sie selbst über ihr Leben bestimmen können".

FDP

Die FDP möchte das Transsexuellengesetz so ändern, dass Personenstands- und Namensänderungen ohne diskriminierende Hürden erfolgen. Die Krankenkassen sollen die Kosten für geschlechtsangleichende Behandlungen übernehmen. Auch die FDP möchte das Grundgesetz um Merkmale der sexuellen Ausrichtung erweitern.

Die Linke

Die Linke möchte,

  • dass Transsexualität nicht mehr als psychische Erkrankung eingestuft wird. 
  • die Begutachtungspflicht, den Therapiezwang und das gerichtliche Verfahren für Namens- und Personenstandsänderung abschaffen
  • stattdessen einen Verwaltungsakt ohne Vorbedingungen einführen.
  • Trans*menschen Zugang zu medizinischen, therapeutischen und beratenden Leistungen ermöglichen. 
  • unbürokratische Kostenübernahme durch Krankenkassen. 
  • dass auch Reproduktionsmaßnahmen zu den Leistungen gehören sollen.

Die Linke möchte außerdem gegen Diskriminierung vorgehen, indem die sexuelle Identität und Lebensweise in das Grundgesetz integriert wird, und Transsexualität in das Antidiskriminierungsgesetz aufgenommen wird.

Außerdem sollen Beratungsangebote in Zusammenarbeit mit Trans*initiativen ausgebaut werden.

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Die Grünen

Die Grünen möchten das Transsexuellengesetz ersetzen durch ein "Gesetz zur Anerkennung der selbst bestimmten Geschlechtsidentität mit einfachem Verfahren zur Änderung des Vornamens und Berichtigung des Geschlechtseintrags"

Es soll beim Standesamt nicht nur "männlich" und "weiblich", sondern noch eine dritte Geschlechts-Option geben.

Außerdem soll Transsexualität nicht mehr als psychische Krankheit klassifiziert und die Gesundheitsversorgung besser gesichert werden.

Weiterhin soll es einen bundesweiten Aktionsplan "für Vielfalt und gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit" geben.

AfD

Die AfD äußert sich nicht zur Situation von Trans*menschen. 

Sie möchte aber "Frühsexualisierung" in Schulen stoppen und ein traditionelles Familienbild bewahren. Deshalb sollen Homo- und Transsexualität im Unterricht nicht "einseitig hervorgehoben" werden.

Außerdem im Wahlprogramme-Check:


Gerechtigkeit

Wie die Wahl ausgehen würde, wenn nur Junge wählen dürften

11.09.2017, 16:15 · Aktualisiert: 13.09.2017, 08:27

Die Bundestagswahl ist eine Wahl über die Zukunft: Welcher Partei traust du zu, über das Deutschland von morgen zu entscheiden? Entschieden wird die Wahl allerdings von den Wählern von gestern.

Die Generation Ü60 hat mehr als doppelt so viel Gewicht wie die Generation U30.

  • Laut Bundeswahlleiter haben Wähler zwischen 18 und 30 Jahren einen Anteil von 15,4 Prozent. 
  • Wähler ab 60 haben hingegen einen Anteil von 36,1 Prozent. 
  • Nimmt man die Generation Ü50 auch dazu, haben die Alten mit 56,1 Prozent die klare Mehrheit. 

Das heißt: Egal, wie viele junge Wähler sich beteiligen, ihre Stimme wird nur einen kleinen Anteil haben.