Bild: Farzad Nazifi/Unsplash

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Was hinter der Angst vor einem geheimen Facebook-Wahlkampf steckt

29.08.2017, 14:48 · Aktualisiert: 29.08.2017, 15:46

Wir erklären Dark Ads und Shadow Postings

Christian Lindner verschmitzt dir schüchtern zu, Angela Merkel schaut staatstragend und Martin Schulz gibt sich kämpferisch: Auf Facebook versuchen Parteien, die rund 30 Millionen Nutzer mit ihren Botschaften zu erreichen.

Die Parteien geben Facebook viel Geld, damit ganz bestimmte Nutzer nur für sie passende Werbung angezeigt bekommen.

Verspricht eine Partei zwei Facebook-Nutzern völlig unterschiedliche Dinge? Wer würde solche Widersprüche überhaupt bemerken? Gibt es etwa einen geheimen Facebook-Wahlkampf?

Wie funktioniert Werbung auf Facebook?

Inhaber von Facebook-Seiten können Beiträge gegen Geld hervorheben. Sie werden dann entweder den eigenen Fans oder anderen Nutzern weiter oben im Newsfeed angezeigt. Viele Unternehmen nutzen diese Facebook-Werbung, darunter auch bento.

Seiteninhaber können ihre Zielgruppe aus Kriterien wie Alter, Geschlecht, Familienstand und Likes auswählen.

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook
Screenshot Facebook
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Facebook kennzeichnet solche Beiträge mit dem Hinweis "Gesponsert". Oft werden so Beiträge, die auf einer Seite bereits veröffentlicht wurden, zusätzlichen Nutzern angezeigt.

Und dann gibt es noch "Shadow Postings": Seitenbetreiber können Beiträge erstellen, die auf ihrer eigenen Seite niemals zu sehen sind. Diese Beiträge werden als Werbung bestimmten Nutzern angezeigt – und nur diesen.

Konkret heißt das: Die Parteien können ihre Botschaften passgenau auf bestimmte Personengruppen ausrichten.

Ein fiktives Beispiel: Die CDU könnte Menschen, die in einer großen Stadt leben und die Antilopen Gang hören, eine Werbung mit Angela Merkels "Wir schaffen das" zeigen. Anhängern der Band "Frei.Wild" könnte die CDU hingegen eine harte Linie gegenüber Asylbewerbern verkaufen.

Vor dieser Möglichkeit warnen nun Politikexperten. Sie verwenden für diese Art der Manipulation den Begriff "Dark Ads".

Was ist so gefährlich an der Facebook-Werbung?

Auf den ersten Blick spricht nichts dagegen, Wahlwerbung auf die Interessen von bestimmten Wählergruppen zuzuschneiden. Einen Flyer für eine Party würde man auch eher einer jungen Frau als einer alten Dame in die Hand drücken.

In der Vergangenheit wurden Wahlkämpfe aber vor allem in der Öffentlichkeit ausgetragen. Auf Plakaten, in Fernsehsendungen, bei Diskussionsrunden und auf Websites.

Jetzt gibt es Facebook – und immer mehr Geld fließt in Online-Wahlkampf. Je mehr Wahlkampf-Geld für personalisierte Werbung ausgegeben wird, desto mehr verschwindet der Wahlkampf aus der Öffentlichkeit. (Politikviernull, Heinrich Böll-Stiftung)

Das bedeutet:

  1. Der Wahlkampf wird intransparent. Wähler, Medien und Wissenschaftler können nicht nachvollziehen, wie und mit welchen Versprechen Wähler geworben werden.
  2. Wenn Menschen in ihren Überzeugungen immer nur bestärkt werden, kann sich ihre Sicht auf die Welt zunehmend verengen.
  3. Die Versprechen können nicht von Medien eingeordnet werden. Dabei sollen Journalisten doch überprüfen, was Politiker und Parteien behaupten.
  4. Die Verbreitung von Falsch-Meldungen – Fake News – wird einfacher, weil die Öffentlichkeit sie nicht widerlegen kann.
  5. Politische Gegner können sich gegen versteckte Attacken nicht wehren.
  6. Ein Diskussion über politische Themen wird erschwert, weil den Nutzern eine gemeinsame Informationsgrundlage fehlt.

Die Sorgen sind begründet: Vor der Wahl in den USA hat das Wahlkampfteam von Donald Trump afroamerikanischen Bürgern Fake-Videos gezeigt, in denen Hillary Clinton schwarze Männer angeblich als Raubtiere bezeichnet. Die Videos sollten die Wähler verunsichern und von der Wahl Clintons abhalten. (NZZ)

Manipulieren uns Parteien mit "Dark Ads"?

Ob das auch in Deutschland passiert, wollen der Politikberater und Blogger Martin Fuchs und die Tech-Journalistin Adrienne Fichter herausfinden. Dafür haben sie die Aktion #PolitikAds gestartet.

"Wir wissen nicht, wie Schattenwerbung wirkt, weil wir nicht wissen, was die Parteien damit machen"
Martin Fuchs

Martin und Adrienne sammeln Facebook-Anzeigen von Parteien. Hier erfährst du mehr dazu. Sie bekommen Screenshots von Facebook-Nutzern geschickt – zusammen mit einer weiteren wichtigen Information: Bei Facebook kann man sich anzeigen lassen, warum man eine Werbeanzeige zu sehen bekommen, also zu welcher Zielgruppe man gehört.

Ihr Ziel: Sie wollen wissen, welche Zielgruppen die Parteien ansprechen und wie sich die Anzeigen unterscheiden.

Zusammen mit BuzzFeed und T-Online haben sie außerdem eine Software entwickeln lassen, die sich in den Browser einklinkt und diese Informationen automatisch sammelt. (BuzzFeed)

Warum wir glauben, dass "Dark Ads" in Deutschland keine große Rolle im Wahlkampf spielen werden:

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Während es in den USA viel üblicher ist, seine politische Einstellung öffentlich anzugeben und zu kommunizieren, sind die Deutschen zurückhaltender. Die Republikaner haben auf Facebook über 2 Millionen Fans – da kommt in Deutschland nur Angela Merkel ran.

Die Parteien liegen bei rund 150.000 Fans. Nur die AfD kommt auf rund 340.000 Fans. Viele sind nicht so gerne politisch auf Facebook – und auch nicht bereitwillig, besonders viele persönliche Details anzugeben. Das erschwert das Targeting.

Je genauer man die Zielgruppe auswählt, desto weniger Nutzer findet Facebook. Irgendwann sind es weniger als 1000 – und je genauer die Zielgruppe, desto höher der Preis, den Facebook verlangt.

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Mehr Geld auszugeben, um weniger Menschen zu erreichen, kann sinnvoll sein. Aber für die Parteien wird der Einsatz von "Dark Ads" damit auch zur wirtschaftlichen Frage.

Für den Online-Wahlkampf müssen sie ohnehin schon passgenaue Anzeigen erstellen, mit Bildern, Videos und Texten. Sie müssen auf Anfragen von Nutzern reagieren. Sie wollen außerdem bei bestimmten Suchanfragen ganz oben bei Google auftauchen, zum Beispiel während des TV-Duells. All das kostet Geld.

Die FDP hat zum Beispiel ein Budget von 5 Millionen Euro. Für den Online-Wahlkampf sind 0,5 Millionen eingeplant. (Merkur, Morgenpost)

So sieht es aus, wenn man bei Facebook-Ads spezifische Milieus bewerben will:

Screenshot Facebook
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Was bedeutet das für dich als Wähler?

Wir alle können aufpassen: Je mehr Facebook-Nutzer mitmachen und sich politische Werbung genauer ansehen, desto eher fallen "Dark Ads" mit widersprüchlichen oder falschen Wahlversprechen auf. Forscher und Medien beobachten, was die Parteien im Online-Wahlkampf starten.

  • Wenn du als Nutzer Wahlwerbung auf Facebook siehst, klicke auf den Pfeil oben rechts. Unter "Warum wird mir das angezeigt?" kannst du überprüfen, warum du in die Zielgruppe der Partei fällst.
  • Wenn du die Werbung blocken willst, kannst du auch mit einem Klick auf den Pfeil einstellen, dass sie nicht mehr angezeigt wird.


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Pink hat die beste Antwort auf die Selbstzweifel ihrer Tochter

29.08.2017, 14:42

Bei den MTV Video Music Awards wurde der Sängerin Pink der "Michael Jackson Video Vanguard Award" verliehen. Aber anstatt sich lang und breit bei ihrem Management, den Fans und allen anderen Unterstützern zu bedanken, nutzte die 38-jährige Mutter die Bühne, um von ihrer Tochter Willow zu erzählen.

"Ich bin das hässlichste Mädchen, das ich kenne. Ich sehe aus wie ein Junge mit langen Haaren", hatte die sechsjährige Willow vor kurzem zu ihrer Mutter gesagt.

"Ich fragte mich: Woher kommt das? Kann ich einer Sechsjährigen in den Hintern treten?", erzählt Pink.