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Kiffen macht wohl doch nicht dumm

19.01.2016, 19:39 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:25

Darauf deutet eine neue Studie aus Großbritannien hin

Wer als Jugendlicher Cannabis raucht, wird ein dümmerer Mensch – so lautet ein weit verbreitetes Argument gegen das Kiffen. Britische Wissenschaftler haben jetzt aber festgestellt: Es gibt gar keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und dem Intelligenzquotienten. (Erebnisse der Studie)

Das Forscherteam aus London und Bristol untersuchte das Verhältnis zwischen Cannabiskonsum und IQ. Die Forschungsfrage: "Are IQ and educational outcomes in teenagers related to their cannabis use?", also "Stehen IQ und schulische Leistungen von Jugendlichen in einem Zusammenhang mit ihrem Cannabiskonsum?"

An der Studie nahmen 2235 Jugendliche teil. Mithilfe eines Fragebogens wurde ermittelt, wie oft sie bis zum Alter von 15 Jahren Cannabis konsumiert hatten. Die Antwortmöglichkeiten reichten von "nie" bis "100-mal und öfter". Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen dem Kiffen und dem IQ der Jugendlichen sowie ihrer schulischen Leistung untersucht.

Die Ergebnisse der Studie im Überblick

  • Nachdem alle anderen Faktoren (zum Beispiel das Rauchen von Zigaretten) angeglichen worden waren, unterschieden sich diejenigen Teilnehmer, die mindestens 50-mal Cannabis konsumiert hatten, weder in ihrem IQ noch in den Ausbildungsergebnissen von Jugendlichen, die noch nie gekifft hatten.
  • Damit liege nahe, dass Kiffen im Teenageralter nicht in direkter Verbindung mit dem IQ oder der schulischen Leistung steht, so die Wissenschaftler. (Maßvoller) Cannabiskonsum habe demnach einen geringeren Einfluss auf die geistigen Fähigkeiten als vielfach angenommen.
  • Das regelmäßige Rauchen von Zigaretten hat offensichtlich einen höheren Einfluss auf IQ und Leistung als Kiffen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine US-amerikanische Studie, die vor Kurzem veröffentlicht wurde. Sie untersuchte jugendliche Zwillingspaare, von denen einer kifft und der andere nicht. Die Autoren dieser Studie gehen sogar noch einen Schritt weiter und drehen die Argumentation um: Wer weniger intelligent ist, neigt eher zum Kiffen als ein Gleichaltriger mit höherem IQ. (Washington Post, SPIEGEL ONLINE)

Eine Studie der Duke University aus dem Jahr 2012 hatte noch das Gegenteil behauptet: Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass bei Jugendlichen, die kiffen, die Gehirnleistung abnimmt. Hier wurden allerdings Jugendliche untersucht, die über einen langen Zeitraum hinweg viel Cannabis konsumiert hatten. (Ergebnisse der Studie)

Obwohl Kiffen also offensichtlich nicht per se dumm macht: Cannabis ist eine Droge, und ein Missbrauch kann die körperliche und geistige Gesundheit schädigen. Wer ab und zu einen Joint raucht, muss sich aber wohl nicht gleich Sorgen um seinen IQ machen.

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