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In Berlin könnte es bald kaum noch öffentliche Toiletten geben

19.06.2017, 13:45

Das steckt dahinter

Es gibt wohl kein menschliches Grundbedürfnis, das einen im öffentlichen Raum so oft vor Herausforderungen stellt wie jenes, zur Toilette zu gehen.

Im Park oder Wald kann man wenigstens noch ein Gebüsch aufsuchen, Männer erleichtern sich auch schnell mal hinter der nächsten Straßenecke. Aber für Frauen und Kinder kann die Suche nach der nächsten Toilette schnell zur Qual werden – besonders in der Stadt. Besonders in Berlin.

Deswegen gibt es dort gut 260 öffentliche Toilettenhäuser. Die aber könnten bald der Vergangenheit angehören.

Was ist passiert?

Die rund 260 öffentlichen Toiletten in Berlin werden bereits seit 1990 von dem Außenwerbeunternehmen Wall betrieben. Die Klos sind behindertengerecht und geschlechtsneutral. 

Schon die letzte Landesregierung aber kündigte den Vertrag mit der Firma. Er läuft Ende 2018 aus. Ein neues Klo-Konzept gibt es bisher nicht – müsste aber bald stehen, damit genügend Zeit bleibt, es umzusetzen. Das Unternehmen Wall droht derweil damit, seine Toiletten bis dahin stadtweit abzubauen. (Deutschlandfunk)

Warum wurde der Vertrag mit der Firma Wall aufgekündigt?

Das Unternehmen betreibt die Toilettenhäuschen über eine so genannte öffentlich-private Partnerschaft: Ein privates Unternehmen erfüllt dabei Aufgaben der öffentlichen Hand. In diesem Fall ist das die Stadt Berlin. Sie ist dafür zuständig, zu prüfen, ob die Erfüllung ordnungsgemäß ist. Einige Politiker sind der Meinung, dass dies nicht der Fall sei.

Dafür muss man wissen, wie die Firma den Betrieb der Toiletten finanziert: 

Ein Klogang kostet zwar 0,50 Euro. Das aber reicht nicht, um den Betrieb aller Toiletten zu finanzieren. Daher darf das Unternehmen zusätzlichen Werbeflächen im öffentlichen Raum Berlins nutzen und vermarkten. Andere Unternehmen können dort beispielsweise ihre Plakate aufhängen und zahlen der Firma dafür Werbegeld.

Wieviel Wall damit einnimmt, ist aber unklar – und anscheinend auch, wie viel der Betrieb der Toilettenhäuschen eigentlich kostet. 

"Die aktuelle Vertragsgestaltung ist vollkommen undurchschaubar", sagte daher beispielsweise Matthias Tang, Sprecher der Berliner Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther. "So kann das Land Berlin nicht beurteilen, ob der Vertrag tatsächlich wirtschaftlich ist." Der Leiter des Innenressorts, Andreas Geisel von der SPD, bezeichnete das Modell auch als "unzulässiges Kopplungsmodell". (Tagesspiegel)

Klick dich hier durch die schönsten Toiletten der Welt:

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Wie soll es jetzt weitergehen?

Die parteilose Umweltsenatorin Günther verspricht, bis Ende Juli solle ein neues Toilettenkonzept stehen. Die Stadt will diese Aufgabe wieder selbst übernehmen – das System also rekommunalisieren. Erarbeitet wird dieses gerade im Rahmen einer Magisterarbeit an der TU Berlin. 

Dann wird auch geklärt, ob die Toiletten eventuell kostenlos werden.

Als Vorbild könnte unter anderem Hamburg dienen: Seit Januar 2017 betreibt die Stadtreinigung Hamburg 125 öffentliche Toiletten. Die Stadtverwaltung hat auch eine eigene App entwickelt, mit der Besitzer von Smartphones jederzeit das nächste Örtchen ausfindig machen können. Der Berliner Stadtteil Lichtenberg will nun einen ähnlichen Weg gehen, allerdings mit Flyern, die alle WC-Standorte angeben. (Berliner Woche)

Einige bezweifeln, ob die Aufkündigung des Vertrags wirklich eine gute Idee war. 

Der Umweltsenat räumte ein, dass das Vorhaben "sehr ambitioniert" sei. Einige fordern deshalb ein Toiletten-Moratorium von mindestens einem Jahr – so könnte sicher gestellt werden, dass die Firma Wall ihre Toiletten so lange stehen lässt, bis das neue Konzept greift. 

Der Senat lehnt das allerdings ab. Im schlimmsten Fall geht Berlins Klo-Reform am Ende ... in die Hose.

Da wir gerade beim Thema sind:

Weißt du, ob diese Sprüche im Frauen- oder Männerklo stehen?


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