Bild: Michael Kappeler/ dpa

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Eine von den beiden soll bald als erste Deutsche ins All

20.04.2017, 10:33

Sechs Frauen haben um den Titel der ersten deutschen Astronautin gekämpft. Zwei von ihnen setzten sich jetzt durch – doch nur eine soll als erste Deutsche ins All fliegen.

Nicola Baumann und Insa Thiele-Eich sind die Siegerinnen des seit einem Jahr laufenden Auswahlverfahrens "Die Astronautin". Die Kampfpilotin aus Köln und die Meteorologin aus Bonn wurden auserwählt, sich zur Raumfahrerin ausbilden zu lassen. 

Doch der Sieg hat einen Haken: Nur eine von ihnen soll noch vor 2020 als erste Deutsche zu einer zehntägigen Forschungsmission zur internationalen Raumstation ISS aufbrechen. Die Doppelkür sei international üblich, erklärt Jury-Mitglied und Ex-Astronaut Ulrich Walter bei der Bekanntgabe der Siegerinnen. Wer erste Wahl sei und wer weiter als Back-up zur Verfügung stehe, werde in der Regel ein Jahr vor dem Start der Mission bekannt gegeben.

Die beiden Frauen hatten sich im vergangenen Jahr gegen mehr als 400 Kandidatinnen durchgesetzt, in der letzten Runde standen noch vier Mitbewerberinnen zur Auswahl: zwei Ingenieurinnen, eine Raumfahrttechnikerin und eine Astrophysikerin.

Alle sechs hatten die medizinischen Tests bestanden, in Bewerbungsgesprächen und Rollenspielen überzeugt - und der Jury die Wahl nicht leicht gemacht, sagte Walter, der mit drei weiteren Gremienmitgliedern die Entscheidung fällen musste.

Die Siegerinnen erfüllten die internationalen Kriterien am besten, so Walter. 

Dazu gehöre die Persönlichkeit, speziell Lebensfreude, öffentliches Auftreten, Umgang mit den Medien, ein echtes Interesse an Mathe, Ingenieur-, Naturwissenschaften und Technik (MINT) und Loyalität zum Raumfahrtprogramm der Deutschen. Wichtig sei zudem, dass die Frauen sowohl im Team arbeiten könnten als auch Führungsstärke bewiesen. "Gesucht werden heute Personen, die mitten im Leben stehen", so Walter.

(Bild: Ingo Wagner/dpa)

Die Kür fand im Beisein der Bundeswirtschaftsministerin und nationalen Raumfahrtkoordinatorin Brigitte Zypries statt. Sie würdigte die Frauen als "sechs großartige Rolemodels". Zypries hofft, dass die Siegerinnen und die Kandidatinnen mehr Mädchen für die MINT-Fächer begeistern können.

Hinter der privaten Initiative "Die Astronautin" steckt Claudia Kessler, Top-Managerin einer auf die Raumfahrtbranche spezialisierten Personalvermittlung, die unter anderem die Europäische Weltraumorganisation (Esa) mit Fachkräften versorgt. Sie selbst habe immer den Traum gehabt, ins All zu fliegen, sagte sie bei der Verleihung. Nun will sie einer anderen Frau die Möglichkeit geben.

Allerdings ist die Finanzierung noch nicht abschließend geklärt. "Der große Teil, die 40 Millionen Euro müssen noch kommen", so Kessler. Von wem, ist noch offen. Bis zur Preisverleihung hatte die Initiative 27.000 Euro durch eine Crowdfunding-Kampagne eingenommen.

Die Siegerinnen bleiben so vorerst weiter in ihrem Beruf, die Ausbildung absolvieren sie nebenbei: 

Mitte des Jahres solle das maßgeschneiderte Training beginnen, erklärte Kessler vor der Kür. 

Die vier weiteren Kandidatinnen der Endrunde bleiben übrigens im Spiel. Falls eine der Siegerinnen ausfällt, wird nachnominiert. Worin die Hauptsorge bei sechs Frauen im Alter von 28 bis 37 Jahren besteht, ist klar: "Schwangerschaften sind jetzt Tabu für die nächsten drei Jahre?", fragt ein Journalist nach der Kandidatinnenkür. "War das eine Frage oder ein Statement?", kontert die Moderatorin. Die Kandidatinnen sparen sich eine direkte Antwort. Das sei ihnen zu 1950.

Dieser Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


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