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Sächsische "Bürgerwehr" geht auf Flüchtling los – und wird dafür gefeiert

02.06.2016, 10:40 · Aktualisiert: 02.06.2016, 13:50

Im sächsischen Ort Arnsdorf ist eine aus mehreren Männern bestehende Bürgerwehr auf einen Flüchtling losgegangen: Sie zerren den Mann aus einem Supermarkt, schlagen auf ihn ein. Angeblich soll er gestohlen haben. Das Video dazu verbreitet sich nun bei YouTube und auf rechten Profilen bei Facebook. Auf der Seite "Wer Deutschland nicht liebt soll Deutschland verlassen" hat es bereits über eine halbe Millionen Klicks.

Das ist im Video zu sehen:

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Was genau war passiert?

Laut der Polizei Görlitz fand der Vorfall in Arnsdorf bereits am 21. Mai statt. Arnsdorf ist eine Kleinstadt östlich von Dresden. Doch erst jetzt wird das Vorgehen der selbsternannten "Bürgerwehr" im Netz diskutiert. Bei dem von der Gruppe bedrängten Mann handelt es sich laut Polizei um einen 21-jährigen Iraker. (Polizeimeldung)

Der Flüchtling gilt als psychisch krank. Er wurde zum Zeitpunkt des Vorfalls im Arnsdorfer Fachkrankenhaus behandelt. Die Krankenhausleitung bestätigte bento, dass der Flüchtling bereits "öfter stationär in Behandlung" war – ein Dauerpatient sei er jedoch nicht.

Im Video ist zu sehen, wie eine Frau den Iraker mehrmals auffordert, eine Flasche hinzustellen, die dieser in der Hand hält. Der Mann reagiert allerdings nicht. Kurze Zeit später kommen vier Männer, drei davon schwarz gekleidet, in den Supermarkt, überwältigen den Flüchtling und zerren ihn Richtung Ausgang. Als sich der junge Mann wehrt, wird er geschlagen.

Das Video endet mit den Worten einer Frau im Geschäft, die sagt:

"Ist schon schade, dass man 'ne Bürgerwehr braucht."

Wie ging es weiter?

Anschließend soll die Bürgerwehr den Flüchtling mit Kabelbindern an einem Baum gefesselt haben ("Sächsische Zeitung"). Angeblich, um den – in ihren Augen – Straftäter festzuhalten.

Als die Polizei eintraf, ließ sie die Männer der "Bürgerwehr" ohne Aufnahme der Personalien laufen, Sanitäter versorgten anschließend den Asylbewerber und brachten ihn zum Arnsdorfer Fachkrankenhaus zurück. Gegen den Flüchtling wird wegen des Verdachts auf Bedrohung und gegen die fortgeschickte "Bürgerwehr" wegen möglicher Freiheitsberaubung ermittelt. Mittlerweile ermittelt nicht mehr allein die Kriminalpolizei, sondern auch das Dezernat für Staatsschutz.

Bei einem Mitglied der mutmaßlichen "Bürgerwehr" handelt es sich um das örtliche CDU-Mitglied Detlef Oelsner. Auf bento rechtfertigt er sich für die Festnahme und erzählt seine Version der Geschichte:

Was weiß man bisher über den Streit?

In den sozialen Netzwerken wird der Vorfall von einigen so dargestellt, als habe der Asylbewerber geklaut. Doch die Polizei stellt klar, dass es keinen Diebstahl gegeben und der Mann niemanden verletzt oder etwas beschädigt habe. Stattdessen soll er mit den Verkäufern des Supermarktes über eine Handykarte gestritten haben. Diese habe er am Vortag gekauft, das Guthaben sei allerdings schon leer gewesen. Daraufhin habe der Mann nach der Flasche gegriffen, mutmaßlich, um die Mitarbeiter zu bedrohen.


Trip

Nachbarn können sich jetzt bei Airbnb beschweren

02.06.2016, 08:26 · Aktualisiert: 02.06.2016, 10:27

Ständig laute Musik, im Flur lagern Müllsäcke und nachts läuft plötzlich die Waschmaschine – doch Beschweren bringt nicht viel, denn der Nachbar, der einen so aufregt, ist zwei Tage später schon wieder weg.

Jetzt können sich genervte Nachbarn direkt bei Airbnb beschweren. Allerdings erst einmal nur in den USA. Auf der Homepage gibt es seit gestern eine entsprechende Funktion. "Wir arbeiten daran, das Tool weltweit verfügbar zu machen", sagte ein Sprecher. Er betonte aber, dass die meisten Menschen respektvolle Reisende seien. (handelsblatt.com)