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Ich habe gelernt, mit meiner Angst zu leben – dank dieser beiden Worte

31.01.2018, 14:29 · Aktualisiert: 31.01.2018, 16:55

Wir müssen reden. Über Angst.

Ich habe Angst. Ständig. Davor, dass ich die Kontrolle verliere. Dass ich den Punkt verpasse, an dem ich merke, dass immer mit 180-durchs-Leben-rasen irgendwann dazu führt, dass ich die Kurve nicht mehr kriege. Ich habe Angst vor sehr kleinen Hunden, vor fremden Toiletten und vor Krebs, vor Armut, dass keiner über meinen Witz lacht und vor der Stille danach.

Ich habe Angst vor einhundertdreiundfünfzig Dingen, das habe ich gezählt, um mich selber zu beruhigen, denn was man zählen kann, das kann man auch zähmen.

Angst ist ein Arschloch, das wissen wir alle, das hat man uns schon tausendmal erklärt: Gib ihr nicht nach, verlass deine Comfortzone, sei mutig, sei stark. Das steht in jedem Ratgeber: Heute mache ich mal was, was ich mich sonst nicht traue. Und dann fasst man die Stange in der U 8 an und wäscht sich nicht die Hände danach. Dann schläft man mit dem richtigen Menschen zur absolut falschen Zeit (oder umgekehrt), dann bucht man eine Probestunde bei irgendwas, was man immer schon mal machen wollte – einfach, weil man ja sonst keine Probleme hat und eh ein bisschen zu viel Zeit.

Und all diese kleinen Schritte, die sollen helfen, die sollen mich beruhigen und mir zeigen, dass alles gar nicht so schlimm ist, dass ich mein Leben unter Kontrolle habe und ich nicht von der Angst regiert werde, jawohl!

"Wir müssen reden"

"Wir müssen reden" – ist eine wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Und so richtet man sich ein, mit sich selbst und diesen kleinen Mutproben, aber nur, wenn es gerade passt, denn Angst ist eben anstrengend und nervt, die Konfrontation braucht man nach einer vollen Woche nicht auch noch. Und irgendwann kann man sie dann aufzählen, all die Ängste und Katastrophengedanken, die man gesammelt und ins innerliche Museum des Irrsinns gestellt hat. Regale voll. Und mit "man" meine ich natürlich mich.

Denn die Wahrheit ist: Die richtige Angst, die schlimme, die interessiert sich einen Scheiß für Yoga und "healthy food". Die interessiert sich eigentlich nur für eine Sache: Für sich selbst. Und weil die Angst ja in einem steckt, heißt das, dass sie sich am Ende vor allem für eine einzige Person interessiert: einen selbst.

Ich weiß eine Menge über Angst und ich weiß eine Menge über mich und vor allem weiß ich:

Sich ein bisschen was zu trauen - das reicht mir nicht.

Hin und wieder mutig sein, hilft, damit ich mich der Angst nicht komplett hingebe. Aber es reicht nicht, um das Leben wirklich unter Kontrolle zu haben.

Das einzige, was mir bisher wirklich geholfen hat, waren zwei Worte: Trotzdem machen. Nicht "einfach" machen, nicht "mal eben so" machen. Sondern: Es TROTZDEM machen. Und zwar die großen Sachen. Egal, wie schwierig sie sind.

In meinem Fall bedeutete das, dass ich meine Sachen gepackt habe und in eine andere Stadt gezogen bin. Das war ein einziges großes Date mit mindestens der Hälfte meiner Ängste. Eine andere Sache, die ich seitdem mache: Ich sage, was ich will und brauche. Das ist unglaublich schwierig, weil jemand sagen könnte: Nö, kriegst du nicht. Weil es peinlich sein kann zu sagen, dass man etwas Bestimmtes braucht und will. Obwohl man weiß, dass andere das vielleicht nicht verstehen.

Die Ängste werden kleiner seitdem. Sie sind nicht weg, kein bisschen. Sie schreien auch jetzt oft laut und sie nerven vehementer. Aber:

Meine Ängste sind Wegweiser.

Sie sagen: Lauf weg, versteck dich, hau ja ab. Aber wie jedes Schild kann man sie auch umdrehen. So wird aus "lass das lieber sein" bei mir "Mach trotzdem". Und dann, ganz langsam, folge ich den Wegweisern, die Landschaft wird weiter, die Luft besser und irgendwann stehen nur noch Warnschilder an den Schluchten und Kanten, an den wirklich gefährlichen Orten. Und dazwischen ist Horizont und Neugier.

Alle Folgen "Wir müssen reden" von Kathrin Weßling gibt es hier:


Queer

Mutter will richtig auf Coming Out ihres Sohn reagieren, fragt Schwulenbar

31.01.2018, 14:13 · Aktualisiert: 31.01.2018, 14:14

Seit 17 Jahren arbeitet Kara Coley als Barkeeperin in Schwulenbars, aktuell im "Sipps" in Gulfport, Mississippi. Ihr Job ist es eigentlich, Getränke zu servieren und dafür zu sorgen, dass ihre Gäste eine gute Zeit in der Bar haben. 

Doch vor Kurzem musste Coley ausnahmsweise als Expertin für LGBT-Fragen Fragen beantworten. 

Die Bar erhielt einen Anruf von einer Mutter, deren Sohn sich gerade geoutet hatte. Nun wollte die Mutter Coley um Rat fragen. Anscheinend wusste sie sich nicht anders zu helfen und rief bei der Bar an.