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19.01.2018, 11:34

Dezember ist der Monat der Völlerei: Überall gibt es Glühwein, Rotwein, fettes Essen, und dann kommt auch noch die dicke Silvesterparty.

Januar nutzen deshalb viele, um mal einen Monat zu pausieren – sich gesünder zu ernähren und auch, um einen Monat auf Alkohol zu verzichten. Aber was bringt einem diese Fastenzeit eigentlich? Ist es nicht besser, kontinuierlich darauf zu achten, wie viel Alkohol man konsumiert? Wir haben einen Experten gefragt: Helmut Seitz ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie und Direktor des Alkoholforschungszentrums in Heidelberg, er forscht seit über drei Jahrzehnten zum Alkoholstoffwechsel, alkoholischen Lebererkrankungen und der Tumorentstehung durch Alkohol.

Was bringt denn ein "Dry January", also der Verzicht auf Alkohol für einen Monat?

Einerseits hat eine solche Fastenzeit eine Kontrollfunktion. Wenn man zehn Menschen über einen gewisse Zeitraum täglich Alkohol verabreicht, dann entwickelt einer von ihnen eine Alkoholabhängigkeit. Verzichtet man also einen Monat lang auf Alkohol, kann man erkennen, ob man unbedingt Alkohol trinken muss, ob man eben süchtig ist oder nicht. Das andere ist, dass sich in dieser Phase Organsysteme erholen können.

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Was passiert denn genau in meinem Körper, wenn ich vier Wochen lang auf Alkohol verzichte?

  • Die Leber kann sich exzellent regenerieren. Bei Leberkranken, die komplett aufhören zu trinken, kann das sogar so weit gehen, dass die Lebersituation wieder normal wird.
  • Der Stoffwechsel passt sich an: Der Alkoholkonsum hemmt nicht nur den Leber- und Zellstoffwechsel, sondern auch die Verdauungsprozesse und die Fettverbrennung. In einem Monat ohne Alkohol kommen diese langsam wieder ins Gleichgewicht.
  • Gewichtsverlust: Ein Gramm Alkohol hat 7,1 Kalorien. Wer wöchentlich größere Mengen trinkt, nimmt normalerweise viele Kalorien auf, aus denen der Körper keinen Nutzen ziehen kann.
  • Man schläft besser: Wenn der Körper mit dem Abbau von Alkohol beschäftigt ist, leidet die Schlafqualität erheblich darunter. Das gilt nicht nur für die Nacht, in der tatsächlich Alkohol abgebaut wird, sondern hat auch Auswirkungen auf die darauffolgenden.
  • Gehirn- und Nervenzellen werden nicht geschädigt: Im Erwachsenenleben bilden sich keine neuen Gehirnzellen mehr. Durch den Alkoholkonsum wird eine größere Menge Nervenzellen geschädigt, als natürlicherweise untergehen würde. Das macht sich häufig erst als Spätfolge bemerkbar.

Was sagt es über mich aus, wenn ich mich dazu zwingen muss, einen Monat lang nicht zu trinken?

Wenn man nicht abhängig ist, sollte es kein Problem sein, den Alkohol einen Monat wegzulassen. Ich selbst trinke immer mal ein Gläschen Wein oder Bier, aber es wäre überhaupt kein Problem und belastet mich nicht, nicht zu trinken. Ist man abhängig, ist es umgekehrt: Der Abhängige braucht jeden Tag Alkohol. Er hat Angst vor dem Entzug und müsste sich daher auch zum "Dry January“ zwingen. Der Entzug zeigt sich ja nicht allein körperlich, sondern auch psychisch. Man kann an nichts Anderes mehr denken.

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Und wenn ich Angst davor habe, auf einer Party am Wochenende nichts trinken zu können – bin ich dann abhängig?

Das kommt natürlich auf das sonstige Trinkverhalten an. Wenn man aber einen Monat lang auf Alkohol verzichtet und der Gedanke einer Feier beim Fastenden Angstgefühle auslöst, hat das auch viel mit sozialem Druck zu tun.

Wie viel Alkohol darf ich denn im Alltag zu mir nehmen?

Die Dosis hängt immer davon ab, welches Organ wir betrachten. Betrachten wir das für Alkohol empfindlichste Organ, die weibliche Brustdrüse, können schon kleine Mengen Schaden anrichten. Alkohol ist ein Risikofaktor für Brustkrebs, nicht bei jeder Frau, aber bei vielen. Ich schätze, dass ungefähr 3000 bis 4000 Brustkrebserkrankungen pro Jahr mit auf das Konto des Alkohols gehen.

Wenn wir also das als Messlatte nehmen, empfehlen wir für die Frau maximal einen achtel Liter Wein pro Tag, für Männer das Doppelte. Idealerweise aber auch nicht jeden Tag, sondern immer mit zwei, drei Tagen Pause in der Woche, damit sich die Organe erholen können. Für Menschen, die nicht vollständig gesund sind, zum Beispiel an einer Stoffwechselerkrankung leiden, sieht das nochmal anders aus.

Was ist gesünder: Hier und da mal ein Glas Wein an verschiedenen Tagen in der Woche oder die gleiche Menge an einem einzigen Samstagabend?

Ich würde nicht sagen, was gesünder ist, sondern was weniger schlecht ist. Das sogenannte binge-drinking, Rauschtrinken, also vier oder fünf Drinks an einem Abend, ist auf jeden Fall schlechter. Wir wissen heute, dass dabei tatsächlich Nervenzellen zugrundegehen.

Wenn man das häufig macht, tut das der Leber auch nicht gut. Noch schlechter: Chronisch jeden Tag den Viertel Liter Wein trinken und dann am Wochenende den Binge noch oben draufsetzen. Als gesunder Mensch ist man aber mit den gleichen vier Gläsern Wein auf die Wochentage verteilt, also der empfohlenen Menge, auf der sicheren Seite. Dabei sollte man aber darauf achten, den Alkohol während des Essens zu trinken, nicht außerhalb dessen.

Eigentlich heißt es, der Alkoholkonsum und -missbrauch sei rückläufig. Hat unsere Gesellschaft trotzdem ein Problem mit Alkohol?

Wir glauben, dass der Konsum abgenommen hat, aber sicher wissen wir es gar nicht. Gutes Beispiel: Beim Komasaufen wird in der Statistik viel geschönt. Was stimmt, ist, dass der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol pro Jahr seit 1980 zurückgeht – trotzdem sind wir immer noch Spitzenreiter in Europa.

Und Alkohol verursacht nicht nur viele Krankheiten, sondern auch 25 Milliarden Euro pro Jahr an Folgekosten für diese Schäden. Jugendliche fangen bereits mit 12 Jahren an, Frauen und Akademiker trinken immer häufiger und auch bei sehr alten Leuten in Altenheimen nimmt der Konsum immer weiter zu. Ich könnte jetzt wahnsinnig viele Zahlen nennen, kürze stattdessen ab und sage: Wir haben ein Alkoholproblem.

Also Finger weg vom Alkohol?

Alkohol ist ja seit tausenden Jahren als soziales Schmiermittel bekannt. Damit geht alles ein bisschen besser, leichter von der Hand.

Das ist auch in Ordnung. Man hat in vielen Gesellschaften versucht, Alkohol zu verbieten. Das ist jedoch alles Unsinn, denn bisher sind aus Alkoholverboten immer neue Probleme erwachsen, zum Beispiel Schmuggel und Schwarzbrennen.

Ich verteufele Alkohol nicht, ich möchte nur, dass jeder Mensch bewusst und vorsichtig damit umgeht. Den eigenen Konsum so reduziert, dass er sich nicht schädigt.


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19.01.2018, 11:33 · Aktualisiert: 19.01.2018, 14:12

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