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Style

Was eine Parfümerie-Fachverkäuferin kurz vor Weihnachten erlebt

24.12.2017, 16:12

Schnell noch ein Parfüm kaufen. Duft? Egal.

Am 23. Dezember und an Heiligabend ist es in unserem Geschäft immer voll. Im Gegensatz zum Rest des Jahres sind 99 Prozent der Kunden an diesen Tagen männlich. Sie schieben sich von morgens um 10 bis abends um 20 Uhr an den gläsernen Regalen vorbei, in denen die Flakons nach Farben sortiert und schön ausgeleuchtet drapiert sind. Da sind richtige Kunstwerke dabei.

Die Kunden könnten in Ruhe die Regalreihen entlang flanieren und sich die einzelnen Fläschchen ansehen. Sie könnten auch alle Düfte ausprobieren, es stehen Tester bereit. Doch viele Kunden haben gar keine Zeit, sich unsere Dekoration oder die Fläschchen genau anzusehen. Die meisten probieren noch nicht einmal die Düfte aus.

Mit hochrotem Kopf betreten sie das Geschäft, wühlen dann hektisch in ihren Taschen nach Geld. "Packen Sie mir bitte etwas für fünfzig Euro ein", rufen sie mir schon an der Türschwelle zu. Die Form der Flasche oder der Duft des Parfüms interessieren sie nicht. Nur einmal kam ein Kunde in unseren Laden, der mit ernster Miene ein "Kanal Nr. 5 im Atomspritzer" kaufen wollte. Er meinte: Chanel No.5 im Atomizer.

Ich arbeite seit 40 Jahren als Parfümerie-Fachverkäuferin und kann mich nur an zwei Frauen erinnern, die an Weihnachten bei mir einkauften.

Bei der einen war der Grund ein plötzlicher Todesfall. Die andere suchte ein Geschenk für die neue Freundin des Sohnes, die nach zwei Wochen Beziehung dringend die Familie ihres Liebsten kennenlernen sollte. Beide Damen ließen sich umfassend beraten, bevor sie sich für einen Duft entschieden.

Natürlich führen wir in unserem Geschäft auch Parfüm für Männer. Aber das wird an Heiligabend kaum gekauft. Frauen kaufen ihre Geschenke meist vor dem 24. Dezember ein.

Den typischen Last-Minute-Käufer kann man mit Ausnahme des Geschlechts nicht ausmachen. Banker, Anwälte, Handwerker und Büroangestellte, Rentner, Frischverliebte und Familienväter zwischen 18 und 80 Jahren waren schon da. Der Tannenbaumverkäufer, der seinen Stand direkt neben unserem Geschäft aufgebaut hat, kommt jedes Jahr 20 Minuten vor Schließung des Ladens und lässt sich ein Parfüm für seine Frau einpacken. Das hat für mich schon Tradition.

An Heiligabend haben wir normalerweise bis 14 Uhr geöffnet. Doch es passiert jedes Jahr wieder, dass auch um halb drei noch Männer an das Fenster klopfen. Die lasse ich dann herein und berate sie freundlich. Wir machen im Kollegium jedes Jahr an diesem Tag eine kleine Weihnachtsfeier mit Geschenken und Glühwein für die Belegschaft im Geschäft.

Wir sind also auch nach dem offiziellen Ladenschluss noch da, um die verzweifelten Herren beim Weihnachtseinkauf zu unterstützen. Meist sind gerade diese Last-Minute-Kunden besonders großzügig und geben uns sogar Trinkgeld.

Der Umsatz an Heiligabend ist hoch. Aber meist ist er am 23. Dezember sogar noch etwas höher. An diesen beiden Tagen verdienen wir das sechs- bis achtfache von einem gewöhnlichen Tagesumsatz.

Ich habe bisher leider nur einmal ein Parfüm zu Weihnachten geschenkt bekommen. Mein Partner kaufte mir eines mit einem besonders schönen Flakon in rosa. Den Duft hatten wir bei uns nicht im Laden, und ich hatte ihn mir schon sehr lange gewünscht. Ich habe mich riesig gefreut. Alle meine Freunde denken sonst immer, dass ich von Parfüm ja sowieso genug habe. Sie schenken deshalb etwas anderes.

Eigentlich arbeite ich an Weihnachten gern. Ich wusste, dass Parfümerien an diesem Tag ihr Hauptgeschäft machen, als ich mir meinen Beruf aussuchte. Aber die Diskussion in diesem Jahr um die Geschäftsöffnung am Sonntag nervt mich. Wir leben schließlich nicht mehr im Mittelalter.

Die Leute haben alle einen Kühlschrank und sollten in der Lage sein, alles Notwendige auch schon am 23. Dezember zu besorgen. Außerdem ist Weihnachten ja kein zufällig auf den 24. Dezember fallender Termin, von dem die Leute so überrascht werden, dass sie an diesem Tag in die Geschäfte stürmen und Hamsterkäufe machen müssten.

Ich freue mich sehr, in diesem Jahr den ganzen Tag mit meiner Familie verbringen zu können. Das kam in meinem Berufsleben bisher nur fünf Mal vor. Im nächsten Jahr fällt Heiligabend auf einen Montag. An diesem Tag bin ich dann natürlich wieder für meine Kunden da.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Haha

Tchibo-Produkte, die wirklich kein Mensch versteht

24.12.2017, 14:51 · Aktualisiert: 02.01.2018, 11:22

Manche Sachen erleichtern das Leben enorm: Ein Korkenzieher zum Beispiel. Oder ein Dosenöffner. Gut, dass diese Dinge irgendwann mal erfunden wurden. Und dann gibt es diese Sachen, bei denen man sich fragt: Wer genau braucht diese Geräte eigentlich? Was macht man damit? Besonders häufig findet man solche Sachen bei Tchibo. 

Hier sind absurde Tchibo-Produkte, die wirklich niemand versteht: