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Style

Ja, das ist eine Nazi-Leggings. So erkennt man rechte Modemarken

05.01.2018, 17:50 · Aktualisiert: 06.01.2018, 11:34

"Thor Steinar" hat für Ihn gerade kuschelige Norwegerpullis im Angebot, für Sie formschöne Leggings. Wer will, kann sich auch ein weißes Hemd mit blauem Kragen holen, "Nordic Performance" ist klein über der Brust aufgestickt. Es könnte auch von einem Segel-Ausstatter sein.

Ist es aber nicht. Denn "Thor Steinar" ist eine Marke, die vor allem bei Neonazis beliebt ist. Und auch selbst aktiv in der rechten Szene um Kunden wirbt.

Wer im Onlineshop stöbert, findet schnell Klamotten, die da schon eindeutiger sind.

Einen Schal zum Beispiel, auf dem "Ziviler Ungehorsam" aufgestickt ist. Oder Shirts mit nordischen Runen und Totenköpfen. "Thor Steinar" kam jüngst ins Gespräch, weil der Freizeitpark Phantasialand einen Besucher mit einem Shirt des Labels in den Park gelassen hatte – und sich andere auf Twitter darüber aufregten (bento).

Eine Sprecherin des Freizeitparks sagte bento, dass sie gar nicht wisse, das "Thor Steinar" eine einschlägige Nazi-Marke sei.

Tatsächlich sind rechte Labels nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Es gibt Modelabel, die gezielt Klamotten für Neonazis produzieren. Und andererseits Marken, die gerne von Neonazis getragen werden – ohne, dass sie sie bewusst als Kunden umwerben. Die Firmen, die gezielt für die rechte Szene produzieren, spielen bei ihren Shirts und Jacken gezielt mit nordischer Mystik und Symbolen aus der NS-Zeit.

Diese 8 Marken stehen für Nazi-Mode:

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Was macht die Marken zu eindeutiger Neonazi-Mode?

  • "Consdaple" spielt gezielt mit der Abkürzung NSDAP, so hieß die Partei der Nazis unter Adolf Hitler. Trägt man zum Beispiel eine offene Jacke über einem Consdaple-Shirt, bleibt in der Mitte nur "nsdap" lesbar. Auch der Adler im Logo erinnert an den Reichsadler. Die Marke ist nicht verboten, das Zeigen des Schriftzugs NSDAP hingegen schon. Gerichte haben so bereits Träger zu Haftstrafen verurteilt, die ein "Consdaple"-Shirt so unter einer Jacke trugen, dass nur die Abkürzug übrig blieb (Störungsmelder).
  • "Thor Steinar" kommt aus Brandenburg und zeigt schon im Logo unter anderem die Wolfsangel, ein Symbol, das in der rechten Szene als Zeichen des Widerstands verwendet wird. In gewissen Ausprägungen ist die Wolfsangel als verfassungsfeindliches Symbol verboten. Unter anderem der Deutsche Bundestag und die Landtage von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen erlauben keine "Thor Steinar"-Klamotten in ihren Räumen (Bundestag).
  • "Ansgar Aryan" ist eine thüringische Marke, den Begriff "arisch" trägt sie schon im Namen. Auf den Shirts arbeitet das Label mit nordischer Mystik und doppeldeutigen Begrifflichkeiten, die Worte "Elite", "Staatsfeind" und "Widerstand" tauchen oft auf. Das Label soll Erlöse einer mittlerweile verbotenen Hilfsorganisation für rechte Straftäter gespendet haben. (Belltower)

  • "Erik and Sons" stammt aus dem Umfeld von "Thor Steinar" und spielt ebenso mit nordischer Symbolik. Im Logo ist die germanische Naudiz-Rune zu sehen (Demokratie und Vielfalt).
  • "Masterrace Europe" bedeutet übersetzt "Europas Herrenrasse", der Name zeigt also schon das Programm. Unter anderem bei der Berliner Polizei ist die Marke verboten (Tagesspiegel).
  • "Troublemaker" steht ebenfalls auf dieser Liste. Das Label ist bei Hooligans und Skinheads beliebt und bedeutet "Problemmacher". Die Marke besitzt die Printrechte an der Abkürzung ACAB ("All cops are bastards"). (Belltower)
  • "Reconquista" zielt mit seinem Namen auf die Rückeroberung Spaniens von den Muslimen 1492 ab. Die Shirts spielen oft mit Islamfeindlichkeit, empfehlen Flüchtlingen die "Heimreise" oder einen Einsatz der Bundeswehr in Neukölln. Im Logo ist das Eiserne Kreuz zu sehen.
  • "Werwolf" spielt auf eine gleichnamige Untergrund-Formation der SS ab. Das Logo ist in altdeutscher Schrift geschrieben, die Klamotten werden in einschlägigen rechten Onlineshops vertrieben.

Wie die Bundeszentrale für politische Bildung die Mode der Rechten einordnet

"Viele Marken leiten ihre Beliebtheit aus der englischen Skinheadkultur ab und werden daher auch von linksorientierten oder unpolitischen Skins getragen, wie etwa 'Ben Sherman', 'Fred Perry' oder 'Doc Martens'. 

Diese Unternehmen versuchen sich u.a. mit Antirassismuskampagnen von dem rechten Image zu befreien. Tatsächlich haben sich viele Rechtsextreme daraufhin von diesen Marken abgewandt, im Falle von 'Lonsdale' wurde mit 'Consdaple' sogar eine rechte Gegenmarke gegründet (...) Etwas eindeutiger ist der Fall daher bei Markennamen und Symboliken, die bewusst Aggressivität zum Ausdruck bringen und daher in der Neonazi- wie auch der Rocker- oder Hooliganszene verbreitet sind. 

Dies sind unter anderem die Marken 'Dobermann', 'Pit Bull', 'Troublemaker', 'Streetwear' oder 'Pro Violence' (...) Dazu kommen einschlägige Nazimarken wie 'Thor Steinar' oder 'Consdaple'. Diese werden ausschließlich für die rechte Szene produziert. Herstellung und Vertrieb liegt zumeist in den Händen von Menschen, die selbst aus dieser Szene entstammen." (bpb)

Und dann gibt es noch einige Marken, die Nazis schon mal gerne tragen – allerdings ohne, dass die Firmen offensiv dieses Publikum anlocken.

  • Der Schuhhersteller "New Balance": Das N an der Seite der Schuhe lesen die rechten Anhänger der Marke als "National" oder "Nazi" – für den rechten Skin ist der Turnschuh wohl die sportliche Alternative zum Springerstiefel. Trotzdem ist nicht jeder ein Nazi, der "New Balance" trägt. Bei Sneaker-Fans ohne rechte Gesinnung steht er neben Adidas, Nike und Asics ganz selbstverständlich im Regal (Süddeutsche Zeitung).
  • "New Balance" selbst versuchte sich in der Vergangenheit immer wieder von Nazis zu distanzieren – was nicht immer ohne Missverständnisse ablief. Nach der Wahl von Donald Trump verbrannten viele aus Protest öffentlich ihre "New Balance"-Schuhe und posteten Bilder davon auf Social-Media-Plattformen.

    Warum? Weil Trump es nicht schafft, sich von rechten und radikalen Gruppierungen wie dem Ku-Klux-Klan oder der Alt-Right-Bewegung zu distanzieren. Und weil "New Balance" ausgerechnet diesen Präsidenten in einem Interview befürwortet haben soll. Ein PR-Desaster.

    Später betonte das Unternehmen jedoch, Mitarbeiter "aller Rassen, Geschlechter, Kulturen und sexueller Orientierungen" zu beschäftigen und vor der Wahl auch Hillary Clinton und Bernie Sanders unterstützt zu haben.
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  • Die Modemarke "Lonsdale": In den Achtziger- und Neunzigerjahren war die Marke bei rechtsradikalen Skinheads sehr beliebt, auch heute taucht sie in der Szene noch auf. Wieder einmal steckt im Logo die Begründung. In der Mitte findet sich die Buchstabenfolge NSDA – ja, das P fehlt, aber das interessiert die Nazi-Fans nicht.

    1999 distanzierte sich "Lonsdale" von dem neonazistischen Kundenkreis, stoppte die Belieferung an Neonazi-Geschäfte. Zudem sollte die Kampagne "Lonsdale loves all colours" die Kunden mit rechter Gesinnung abschrecken. Das Unternehmen erzählt auch immer gern, dass Muhammad Ali "Lonsdale" trug. Ein rassistisches Unternehmen würde das wohl nicht tun. (Agentur für Soziale Perspektiven)
  • "Fred Perry": Mit Neonazis will das Bekleidungsunternehmen nichts zu tun haben und unterstützt deshalb mehrere antirassistische Initiativen. Trotzdem tragen Skinheads und Neonazis Polo-Hemden und Jacken mit dem Loorberkranz-Logo auf der Brust – für die Rechten ein Symbol des Sieges.

    Und das ist nicht so ganz falsch, denn der Namensgeber und Gründer der Marke ist der Tennisspieler Fred Perry, der zwischen 1934 und 1936 Wimbledon dreimal hintereinander gewann. (SPIEGEL ONLINE) Was die Neonazi-Kunden wohl nicht wissen: Perry war Jude.
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Gerechtigkeit

Gibt es Zensur in Deutschland?

05.01.2018, 17:10 · Aktualisiert: 10.01.2018, 18:27

Seit dem 1. Januar ist das "Netzwerkdurchsetzungs-Gesetz", kurz NetzDG, in Deutschland endgültig in Kraft. Das bedeutet: Große soziale Netzwerke müssen schneller gegen umstrittene Beiträge und Hass-Posts vorgehen – sonst drohen ihnen Strafen.

Das äußerte sich jetzt in den ersten Sperrungen von Kommentaren und Accounts auf Twitter: So wurde die AfD-Politikerin Beatrix von Storch nach einem rassistischen Tweet gesperrt. (bento)