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Bild: Hoda Katebi

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So bunt und modern ist der Streetstyle in Teheran

22.02.2016, 11:30 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Die Fotos gibt es jetzt auch als Buch

Die junge Aktivistin und Bloggerin Hoda Katebi (20) zeigt auf Instagram besondere Outfits: Streetstyle mitten aus der iranischen Hauptstadt Teheran.

Zu Iran halten sich viele Klischees hartnäckig. Das von tiefschwarz verhüllten Frauen zum Beispiel. Und das von der Sittenpolizei, die eingreift, wenn gegen Kleidervorschriften verstoßen wird. Immer mehr Leute machen sich zwar ein eigenes Bild und bereisen das Land.

Eine Reise im Kopf bietet aber auch Instagram. Gibt man die Stichworte Teheran und Fashion ein, findet man vor allem farbenfrohe und modische Outfits.

Accounts wie "Tehran Fashionlovers" oder "Tehran Fashion Week" zeigen Looks, die mit denen von internationalen Modemagazinen mithalten können – und doch ganz anders sind.

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Hoda hat diese Styles vergangenes Jahr für ihre Bachelorarbeit über iranische Underground-Mode und Independent-Labels analysiert. Sie selbst hat iranische Wurzeln, lebt aber in Chicago.

Während ihrer Zeit in Teheran postete sie immer wieder Streetstyle-Fotos auf ihrem Blog. Ihre Follower waren begeistert. Hoda hat einige Fotos ausgewählt, die sie jetzt im Bildband "Tehran Streetstyle" veröffentlicht. Das Buch ist noch druckfrisch, als wir mit ihr sprechen.

Hoda, deine Follower haben dich gebeten, mehr Mode aus Teheran zu zeigen. Du hast aus den Bildern jetzt das Buch "Tehran Streetsystle" gemacht. Wer sind deine Leser?

Die meisten meiner Follower leben in den USA und in Europa, vor allem in Deutschland und Großbritannien. Aber auch mein iranisches Publikum wächst.

Viele meiner westlichen Leser wollen mehr darüber erfahren, wie Iraner aussehen, bevor sie selbst in das Land reisen. Das liegt vor allem daran, dass Iraner von den meisten westlichen Medien immer noch durch eine sehr orientalische Brille gesehen und gezeigt werden.

Als ich selbst vor Ort war und recherchierte, erzählten mir viele Iraner, dass sie sich eine neue Art der Berichterstattung wünschen. Eine, die dem Rassismus und der Xenophobie vieler westlicher Medien endlich etwas entgegensetzt.

Kleidervorschriften in Iran

Seit dem Jahr 1979, als das Schah-Regime gestürzt und die Islamische Republik Iran gegründet wurde, gelten in der Öffentlichkeit Bekleidungsvorschriften. Frauen sollen ihr Haar bedecken, ihre Kurven verhüllen und so wenig nackte Haut wie möglich zeigen. Letzteres gilt auch für Männer. Wie kreativ diese Regeln vor allem von der iranischen Mittel- und Oberschicht ausgelegt werden, zeigen neben Hodas Blog auch Seiten wie The Tehran Times.

Hassan Rouhani, seit 2013 Präsident der Islamischen Republik, setzte sich nach seinem Amtsantritt für eine Lockerung der Kleidervorschriften ein, erntete dafür aber auch Kritik von konservativen Kräften im Land.

Wen möchtest du mit deinem Buch erreichen?

Alle, die sich mit der verzerrten Darstellung des Iran in westlichen Medien auseinandersetzen. Alle, die sich von unkonventionellen und neuen Styles inspirieren lassen möchten. Und alle, die tolle Mode und Fotografie lieben!

Zeigst du in deinem Buch nur Streetstyle-Looks iranischer Frauen oder auch iranischer Männer?

Der Fokus liegt auf den Frauen. Aus dem Grund, weil Frauen und der weibliche Körper immer im Zentrum der Debatten über Kleidung, Moral, Politik und Gesellschaft stehen, in Iran und weltweit. Aber ich zeige auch einige Fotos von iranischen Männern.

Junge Iraner und Iranerinnen gehen kreativ mit Mode und ihrem Aussehen um. Sagt das deiner Meinung nach etwas über die aktuelle Stimmung im Land aus?

Junge Iraner haben sehr unterschiedliche Meinungen zu allen Themen, von Identität bis hin zur Politik, deshalb kann ich natürlich nicht für alle sprechen. Wir reden hier über eine sehr heterogene Gruppe von Menschen, von Individuen.

Besonders in der Underground-Modeszene sind Kleidung und Styling für viele ein Mittel, um ihre Identität und Persönlichkeit auszudrücken. Aber auch hier spielt Mode für jeden einzelne eine andere Rolle.

Ist Mode in Iran immer auch ein politisches Statement?

Nein, das würde ich nicht sagen. Die meisten iranischen Modedesigner, die ich kenne, verfolgen keine politischen Ziele mit ihren Entwürfen.

Natürlich nutzen einige Menschen in Iran Mode als Mittel zum politischen Widerstand. Aber mittlerweile ist es kein subversiver Akt mehr, wenn junge Menschen in Iran mit den staatlichen Bekleidungsregeln spielen. Es ist eher die Norm.

Wer sind die jungen Iraner?

70 Prozent der Bevölkerung in Iran sind jünger als 30 Jahre. Viele von ihnen sind virtuell gut vernetzt und somit auch Teil der globalen Konsumkultur. Obwohl viele Seiten offiziell verboten sind. Gerade junge Iraner aus den reicheren Schichten studieren häufig im Ausland oder wachsen dort als Kind ausgewanderter iranischer Eltern auf. Auch so kommen Einflüssen von Außen ins Land.

Was hat dich am meisten am Teheraner Streetstyle überrascht?

Bevor ich mit meinen Recherchen anfing, dachte ich, dass gerade die iranische Underground-Modeszene eine sehr politische und auch regierungskritische Bewegung sei. In Wahrheit ist diese Szene viel unpolitischer.

Einige iranische Designer und Fashionistas nutzen Mode natürlich als Instrument des politischen Widerstands, aber die Mehrheit sieht Mode eher als Kunst und Handwerk.

Was möchtest du mit deinem Buch erreichen?

Das Buch "Tehran Streetstyle" soll die einseitige Darstellung der Iraner durch westliche Medien infrage stellen. Aber auch inneriranische Vorstellungen über Bekleidungsvorschriften hinterfragen.

Mode ist ein kraftvolles Mittel der Kommunikation, das Grenzen und Kulturen überwinden kann. Genau diese Seite möchte ich zeigen. Die ist nämlich in den meisten Mainstream-Medien viel zu selten zu sehen.

Und natürlich sollen die Fotos auch Inspirationsquelle für alle sein, die sich mit neuen Styles und Looks beschäftigen.

Das Buch ist für diejenigen, die sich über die engen Grenzen der Schönheitsideale, die von der westlichen Modeindustrie definiert werden, hinwegsetzen wollen.

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