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Style

Warum Modeblogger bewusster einkaufen - und was wir davon lernen können

17.12.2015, 09:53 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:20

T-Shirts zum Preis eines Frappuccinos? Sneaker so teuer wie ein Taschenbuch? Das ist "the new normal". Auch wer Mode zu seinen Hobbys zählt und Spaß an neuen Trends hat, braucht kein dickes Portemonnaie mehr. Es reichen ein, zwei Wochen Geduld.

So lange dauert es nämlich bis Labels wie Zara die wichtigsten Themen der Laufstege, vom Brokatmuster zum Blockabsatz, in eigenen Kollektionen umgesetzt, produziert und weltweit in ihren Shops platziert haben. High Fashion Trends bekommt man dann nicht nur in München oder Berlin, sondern auch in Bielefeld und Ingolstadt. Und das zu angenehm niedrigen Preisen dank extrem kurzer Produktionszeiten, Outsourcing in Billiglohnländer und ständig neuer Kollektionen, die den Umsatz kräftig ankurbeln.

Nie zuvor war es einfacher, sich modisch zu kleiden. Nie zuvor war Mode so billig wie heute.

Und trotzdem – oder vielleicht grade deswegen – erkennt man seit einiger Zeit einen deutlichen Shift in der Grundeinstellung vieler Mode-Fans: Weg von Trends, hin zum eigenen Stil. Qualität statt Quantität.

So wird zum Beispiel das Eco-Fashion Segment immer wichtiger. Als Teil der diesjährigen Berliner Fashion Week wurden im Greenshowroom und bei der Ethical Fashion Show nachhaltig produzierte Labels präsentiert. Marken wie Honest by oder Everlane setzen auf volle Transparenz und bieten ihren Kunden für jedes Einzelteil im Onlineshop nicht nur eine genaue Aufschlüsselung des Verkaufspreises, sondern auch detaillierte Angaben zur Herkunft aller verwendeten Materialien.

www.honestby.com

Posted by Honest by. on Donnerstag, 13. August 2015


Und auch Modeblogger, von Sabrina von afterDRK oder Ivana von Love Aesthetics, bis hin zu den Mädels von Jayne Wayne News, achten verstärkt auf ihren Modekonsum, meiden bestimmte Ketten aufgrund ihrer Produktionsbedingungen oder investieren lieber in Klassiker als saisonale, kurzlebige Trends.

Statt Must-haves, Trends und dem billigsten vom Billigen wollen wir wieder Einzelteile. Wir interessieren uns für die Herkunft unserer Kleidung. Und wir sind bereit, mehr für hochwertige Stücke (“Investment pieces”) auszugeben. Vielleicht weil Unglücke wie der Fabrikbrand in Bangladesh es immer schwieriger machen, die fragwürdigen Produktionsmethoden der Moderiesen zu ignorieren. Vielleicht weil wir einfach alle übersättigt sind.

Nur ist es leider gar nicht so einfach, den eigenen Konsum runterzuschrauben.

Mode – und vor allem Werbung für Mode – ist omnipräsent. Und auch wenn man eigentlich ganz zufrieden mit dem eigenen Kleiderschrank ist: Wer tagtäglich vorm Bildschirm sitzt und vielleicht zudem auch noch dem ein oder anderen Blog folgt, auf Instagram unterwegs ist oder Online-Magazine liest, wird mit so vielen und sich ständig wiederholenden Werbebotschaften, Produkten und Trends konfrontiert, dass es sehr schwer sein kann, nicht irgendwann zu denken: ‘Wow, das Teil muss ich haben’.

Für Modeinteressierte ist der Einkaufsbummel schließlich nichts anderes als der Galerie-Besuch für Kunstfans.

Und für viele ist das Problem zudem gar nicht eine zu lange Wunschliste, sondern einfach ein Faible für das Shoppen an sich. Denn: Shoppen macht schließlich Spaß und hilft, Stress abzubauen. Oder? Für Modeinteressierte ist der Einkaufsbummel schließlich nichts anderes als der Galerie-Besuch für Kunstfans.

Wir shoppen, um uns zu belohnen, um uns aufzumuntern, um die Zeit zu vertreiben, um der Freundin einen Gefallen zu tun. Oder um einfach mal zu gucken, was es so Neues gibt.

Und natürlich gibt es immer Neues: Statt zwei- bis viermal im Jahr wie andere Labels bringen die meisten Fast Fashion Ketten nämlich alle vier bis sechs Wochen neue Kollektionen raus. Bei Zara gibt es sogar zweimal pro Woche Nachschub. Das Ergebnis: Mehr Auswahl, deutlich mehr Kundenbesuche und zugleich ein stärkerer Kaufdruck; denn so schnell wie die neuen Teile in den Läden sind, sind sie auch wieder weg.

Zu viel oder falsches Shoppen ist kein One-time Deal, sondern eine Angewohnheit. Und schlechte Angewohnheiten sind nun mal schwer zu durchbrechen, egal ob es um Rauchen, Junk Food oder Anti-Stress-Shoppen.

Wer seinen Modekonsum verändern will, zurzeit aber hauptsächlich Fast Fashion Marken im Schrank hängen hat, sollte es deshalb langsam angehen. Eine langfristige Veränderung dauert nun mal. Der monatelange Shopping Bann hilft nicht unbedingt. Stattdessen lieber die eigenen Angewohnheiten hinterfragen und Schritt für Schritt durch bessere ersetzen.

Zum Beispiel

  • Klamotten reparieren statt wegschmeißen.
  • Fragen stellen: Wie viel sollte Mode eigentlich kosten? Was ist fair – auch für die Näherin im Herstellungsland? Und welchen Einfluss haben die Produktionsmethoden auf die Umwelt?
  • Vor jedem Kauf die eigene Motivation überprüfen: Will ich das wirklich haben, oder will ich mich nur belohnen, ablenken oder aufmuntern?

Und vor allem: Weniger kaufen, dafür besser auswählen.

Das ist nicht nur unter umwelt- und sozialen Aspekten besser. Sondern es wirkt sich auch positiv auf den eigenen Kleiderschrank aus. Denn wer nur eines statt zehn oder mehr neue Teile pro Monat kauft, überlegt sich ganz genau, in was er investiert. Und setzt sich so automatisch mit den eigenen Vorlieben unabhängig aller Modediktate auseinander.

Das Resultat

Ein individuellerer, perfekt auf das eigene Leben abgestimmter Stil, der doch gleich viel glücklicher macht als alle Trendlooks.


(Bild: Benjamin Thies)

Die Bloggerin Anuschka Rees, 26, lebt in Berlin, liebt Mode und interessiert sich für Minimalismus, beides kombiniert sie. Wie das funktioniert, beschreibt sie alle drei Wochen für bento. Dauert zu lang? Dann lies in der Zwischenzeit ihren Blog Into Mind. Lohnt sich!