Bild: Screenshot bento

10.02.2018, 10:10 · Aktualisiert: 11.02.2018, 12:17

Frauen wird ein Shirt mit einem Cartoon-Hasen empfohlen, der eine Kneifzange hält. Es heißt "Sabotagehäschen". Und für ihn gibt es ein Motiv, in dem eine Faust ein Hakenkreuz zertrümmert. Darunter der Schriftzug: "Gegen besorgte Bürger".

Die Motive sind für Konsumenten gedacht, die sich mit der linksextremen Szene identifizieren. Sie findet, wer Onlineshops wie "Black Mosquito" und "Roter Shop" durchstöbert. Die Versandhandel haben sich auf Mode mit linken Botschaften spezialisiert.

Was man dort findet: Marken wie "Opór", "True Rebel" und "Mob Action".

Manche Marken – wie eben "Opór" – sehen sich im Selbstverständnis als linkes Label. Andere Marken wurden eher unfreiwillig zur Uniform – zum Beispiel "North Face".

Ein Überblick über die Antifa-Mode:

Screenshot bento
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Was macht die Marken zur Antifa-Mode?

Rechte Modelabel versuchen oft, so normal wie möglich auszusehen. Runen und Symbole, die an die NS-Zeit erinnern, werden kaum merklich ins Design eingewoben – ansonsten sollen die Klamotten möglichst unverfänglich aussehen. (bento)

Linke Label ticken genau anders: Linksextreme marschieren auf Demos als schwarzer Block, der einerseits gut sichtbar ist, andererseits den Einzelnen in der Masse untergehen lässt. Der "Schwarze Block" trägt gerne schwarze Baseball-Caps, schwarze Sonnenbrillen, Hoodies oder Regenjacken, Jeans und Turnschuhe.

Die schwarze Kleidung dient der Tarnung, man will auf Polizeivideos nicht zu erkennen sein und sich einer möglichen Strafverfolgung entziehen. (Fast Company/Bundeszentrale für politische Bildung/ Bayern gegen Linksextremismus)

Der Schwarze Block

Der Name "Schwarzer Block" geht übrigens auf ein Ereignis aus dem Jahr 1980 zurück. Anarchisten und Autonome verwüsteten die Frankfurter Innenstadt und warfen Scheiben von Banken und Geschäften ein. Sie traten zum ersten Mal unter diesem Begriff auf. (FAZ)

Oft werden Marken gekapert. Von Rechten getragene Marken wie "Ben Sherman", "Lonsdale" und "Alpha Industries" finden sich mittlerweile auch auf Onlineshops wieder, die Linksradikale umwerben. Die Idee dahinter: So soll die Bedeutung der Klamotten geändert werden.

Außerdem haben sich Firmen wie "Lonsdale" und "Fred Perry" in der Vergangenheit klar von rechtem Gedankengut distanziert – Linke bejubeln diese Haltung tragen die Marken gerade deshalb mit Überzeugung.

Ein Unterschied: Linke Aktivisten lehnen übermäßigen Konsum und Ausbeutung ab, insofern stehen viele große Modemarken im Widerspruch zu linkem Gedankengut. Trotzdem sieht man linke, gewaltbereite Demonstranten auch häufig in Kleidung großer Marken – zum Beispiel "North Face".

Linksextremismus in Deutschland

Nicht jeder links orientierte Aktivist ist ein Linksextremer und nicht jeder stark konservativer Politiker ist ein Rechtsextremer – so viel ist klar. Linksextremisten aber grenzen sich in ihrer Radikalität deutlich ab, so wie es Nazis auch tun. 

Linksextreme verachten unsere Staatsordnung und wollen die Demokratie durch ein kommunistisches oder anarchisches System ersetzen. Dafür sind sie auch bereit, gewalttätig zu werden und Verletzungen von anderen in Kauf zu nehmen. "Dem gewaltorientierten linksextremistischen Spektrum waren Ende 2016 insgesamt 8.500 Personen zuzurechnen, darunter 6.800 Autonome", sagt der Verfassungsschutz.

Als Antifa werden die radikalen, autonomen Gruppen bezeichnet, die Neonazismus und Nationalismus bekämpfen.

Anders ist das bei typischen rechten Marken, bei denen Herstellung und Vertrieb direkt in den Händen von Menschen liegen, die selbst aus der Szene kommen:

Marken, die sich selbst als links inszenieren:

  • Opór Streetwear. Das Label sitzt in Berlin und ist noch relativ jung. Auf Facebook wirbt es offensiv mit linken Parolen und teilt auch politische News.
  • FCK NZS. Hierbei handelt es sich nicht um eine eigentliche Marke, sondern nur um einen Slogan. Die Abkürzung steht für "Fuck Nazis", einschlägige Onlineshops drucken sie auf einfache schwarze Hoodies und Shirts.
  • Mob Action. Das Label kommt aus Leipzig und druckt vor allem Shirts mit Widerstands-Optik. Viele Bilder und Logos spielen auf Zusammenstöße mit rechten Gruppen an, Aufkleber machen sich über Polizisten lustig.
  • True Rebel. Die Marke sitzt in Hamburg und gilt als eine der Größen in der linken Szene. Das Logo erinnert an deutsche Runenschrift, um die Optik rechter Klamotten bewusst zu kopieren.
  • Zona Antifascista. Das Laben trägt die erhobene Kommunistenfaust im Logo, auf seinen Shirts gibt es vor allem polizeifeindliche Aufdrucke.
  • Kings League. Die Marke gilt als Kultlabel für Sportkleidung, besonders beliebt sind Trainingsjacken und Poloshirts. Typisch ist eine gestickte Krone auf der linken Brust und breite Kontraststreifen über den Ärmeln.
  • Trojan. Ursprünglich als britisches Musiklabel für Ska und Reggae gestartet, bietet die Marke mittlerweile auch Poloshirts und Trainingsjacken an.

Marken, die von Linken getragen werden:

  • The North Face. Beliebt ist vor allem die Regenjacke, denn sie ist nicht nur wetterfest, sondern macht Krawallmacher schwer identifizierbar. North Face ist eine der umsatzstärksten Outdoor-Marken, wird also von einem breiten Publikum getragen. Vor allem aber von Outdoor- und Wanderfreunden. (Wirtschaftswoche)

(Bild: Screenshot bento)

  • Adidas. Vor allem das klassische Modell Samba in schwarz sieht man auf Demonstrationen von Linken häufiger. Auch sie passen in den Alles-einheitlich-Look des "Schwarzen Blocks".

Was die Identifizierung ebenfalls schwierig macht: Oftmals sind Erkennungsmerkmale der Szene – Sprüche wie "ACAB" oder "FCK NZS" – auch gar nicht an Marken gebunden. Stattdessen werden die Logos und Zitate auf No-Name-Shirts gedruckt. Das geht mittlerweile in jedem Online-Shirt-Versand.

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Martin Schulz wirft hin, Chaos in der SPD: Die wichtigsten News der Woche

10.02.2018, 09:11 · Aktualisiert: 10.02.2018, 10:29

Martin Schulz hat es versucht: Kanzler wollte er werden. Der SPD nicht nochmal eine Koalition mit Angela Merkels CDU zumuten. Die SPD machte ihn vergangenes Jahr schnell zum Parteichef. Dann kam die Bundestagswahl, die SPD verlor, und Martin Schulz freute sich auf Opposition.

Aber CDU und CSU fehlt eine Mehrheit im Bundestag, und die FDP wollte dann doch nicht mitregieren. Also Kehrtwende: Martin Schulz und die SPD-Spitze sprachen doch wieder mit Angela Merkels CDU. Und mit der CSU.

Für den SPD-Nachwuchs, die Jusos, ging das gar nicht. Ihr Vorsitzender Kevin Kühnert organisiert seitdem den GroKo-Widerstand in der Partei.