1. Startseite
  2. Style
  3. Neon Moon: Wie eine Unterwäsche-Marke Kleidergrößen revolutioniert

Bild: Instagram/Neon Moon

Style

"Lovely" oder "beautiful"? Wie eine Unterwäsche-Marke Kleidergrößen revolutioniert

30.03.2016, 16:08 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Trage ich Größe "lovely", "gorgeous" oder doch eher "beautiful"?

Diese Frage müssen sich Frauen stellen, die bei der britischen Firma Neon Moon Unterwäsche kaufen. Die Marke hat die traditionellen Größenbezeichnungen abgeschafft: 36, 40, 44 – all das gibt es nicht mehr.

Ein schlechtes Gefühl haben, weil man keine 36 trägt? Zettel abschneiden oder sogar umnähen, um nicht jedes Mal beim Anziehen an die Größe erinnert zu werden? Das sollen die neuen Größen vermeiden. Gewählt wird nur noch zwischen "lovely", "gorgeous" und "beautiful".

Um zu wissen, welche Größe ihnen passt, sollen Frauen vor dem Kauf ihren Brust-, Hüft- und Taillenumfang messen. Auf der Website von Neon Moon gibt es deshalb eine Umrechnungstabelle. Darüber steht:

You are beautiful what ever size you are below, and you will make our lingerie look amazing!
Neon Moon-Website

(Bild: Neon Moon)

Hayat Rachi, 26, gründete Neon Moon in einer Kickstarter-Kampagne als "feministische Unterwäschemarke". In ihrer Werbung will sie "echte Mädchen" zeigen, erzählte sie in einem Interview mit "i-d", deshalb modeln für sie keine mageren Frauen. Ihre Mission sei es, dass Frauen selbst bestimmen könnten, was schön sei. Die Größenbezeichnungen durch positive Adjektive zu ersetzen, ist da nur ein erster Schritt.

Wie "Body positive" das Schönheitsideal verändern möchte

Neon Moon ist nicht die einzige Firma, die nicht mehr auf traditionelle Größen setzt. Auch der Sportartikelhersteller Manifesta hat die Zahlen bereits durch Blumen ersetzt (Mashable). Viele etablierte Firmen springen auf den Zug auf und nutzen ihn zu Werbezwecken. Selbst Kellogs hat bereits eine "No size"-Kampagne gestartet (YouTube).

"Body positive" nennt sich die Bewegung, die sich vor allem im amerikanischen und britischen Raum verbreitet. Eine ihrer Ikonen: Lena Dunham, sie spielt in der Serie "Girls" ein verunsicherte Mitzwanzigerin in New York, die sich so gibt, wie sie ist. In ihrem Newsletter Lenny Letter tritt sie unter anderem für die Ziele der "Body positive"-Bewegung ein.

Die Errungenschaften der Aktivisten reichen von neuen Größenbezeichnungen bis zum "DadBod"-Meme, bei dem Männer stolz ihre Bierbäuche präsentieren. Selbst dieser Trend ist bereits in der Werbung angekommen, Waschbrettbauch war gestern.

Fotostrecke: Wie Silvana Denker "Body positive" nach Deutschland bringt

1/10

Was die Kritiker nicht verstehen

Die Aktivisten wollen Männern nicht vorschreiben, auch dicke Frauen schön finden zu müssen. Vielmehr geht es um das Verhältnis der Frauen zum eigenen Körper: Sie sollen die Macht über den eigenen Körper zurückgewinnen, sich schön finden dürfen, obwohl im Fernsehen und auf dem Laufsteg größtenteils makellose Körper vorgeführt werden.

Kritik an der Bewegung bleibt nicht aus. "Schönheit ist kein Menschenrecht. Man kann sie nicht einfordern", schreibt beispielsweise Frédéric Schwilden in der "Welt". Was er dabei übersieht: Schönheitsideale wandeln sich ständig, sie werden beeinflusst von Medien, von Werbekampagnen, von Popstars. Was genau schön ist, wird jeden Tag neu verhandelt. Positiv konnotierte Größenbezeichnungen und normalgewichtige Models sind lediglich der Versuch, die Balance zu verschieben. Auch unsere derzeitigen Schönheitsideale sind nicht einfach so vom Himmel gefallen.

Wieso Frauen sich über Neon Moon empören

Neben Zustimmung erntet Neon Moon mit den drei neuen Größen aber auch reichlich Empörung. Der Grund: Die größte Option in der Kollektion ist "Beautiful" – das bedeutet in Europa: Größe 44-46. Ausgerechnet ein feministischer Unterwäschehersteller, der auch fülligen Frauen beim Einkauf ein gutes Gefühl vermitteln will, bietet wirklich große Größen also gar nicht an. Die Entschuldigung der Firma: Als Start-Up habe man derzeit nicht die Möglichkeit, alle Größen anzubieten.