Style

Amira gehört zu den wenigen Modebloggerinnen, die Kopftuch tragen. Wie kommt das an?

28.12.2015, 09:12 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Die Soziologie-Studentin Amira, 21, ist anders als die anderen Modebloggerinnen. Sie ist Muslima, ihr Kopftuch gehört zu jedem Bild dazu. Sie zieht monatlich bis zu 7000 Besucher auf ihren Blog amicoco.com.

(Bild: Samir)

Warum hast du mit dem Blog angefangen?

Ich habe meine Bilder schon immer mit Freunden und Familie geteilt, zunächst habe ich auch viel bei Facebook und Instagram gepostet. Anfang des Jahres habe ich dann den Blog gestartet. In Deutschland gibt es nicht viele Frauen, die mit Kopftuch bloggen. Somit kann ich etwas zeigen, was es hier nicht all zu oft gibt.

(Bild: Samir)

Vermisst du Frauen mit Kopftuch in deutschen Modemagazinen?

Nicht wirklich, da ich einige Instagram-Accounts kenne, wo ich mir modische Frauen mit Kopftuch ansehe. In Amerika zum Beispiel sind Models mit Kopftuch keine Neuheit mehr. In Deutschland ist die Szene tatsächlich noch nicht so groß, hier besetze ich quasi noch ein Nische.

(Bild: Samir)

Hast du modische Vorbilder?

Eigentlich nicht. Es gibt sehr viele Frauen, die sich schön anziehen. Von allen lasse ich mich inspirieren und gebe meine eigene Note dazu. Ich habe schon viel ausprobiert, zum Beispiel hatte ich mal eine Hip-Hop-Phase, da habe ich nur Baggy Pants getragen. Inzwischen habe ich meinen Stil aber gefunden, der geht so in die Richtung sportlich-elegant.

Im Prinzip sind meine Eltern meine Vorbilder. Meine Mama ist auch ein Schuhfreak genau wie ich, praktischerweise haben wir gleiche Schuhgröße.

(Bild: Samir)

Du bist eine der wenigen Modebloggerinnen mit Kopftuch. Auch sonst sind Frauen, die Kopftuch tragen, in der deutschen Öffentlichkeit kaum präsent. Gerade deswegen haben viele Menschen Vorurteile. Willst du dem auch entgegenwirken?

Nein. Ich trage ein Kopftuch, weil es ein wichtiger Teil meiner Religion ist, und ich niemals das Gefühl hatte, dass es mich in meiner Art zu Leben einschränkt. Mit den meisten Vorurteilen beschäftige ich mich inzwischen auch einfach nicht mehr, weil es vor allem im Moment sehr extrem geworden ist.

(Bild: Samir)

Wegen der Anschläge in Paris?

Ja. Paris hat uns wirklich sehr geschockt, weil es so traurig und überraschend war. Mit Freunden und mit meiner Familie spreche ich ständig darüber, wie solche Menschen uns Muslimen das Leben erschweren. Wir werden mit so vielen Vorurteilen konfrontiert, vor allem in den sozialen Netzwerken. Da liest man Dinge, das ist unglaublich. Nach solchen Taten wird der Islam und der sogenannte "Islamische Staat“ einfach gleich gesetzt.

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(Bild: Samir)

Wie fühlst du dich, wenn du das liest?

Ich habe das Gefühl, die Menschen kennen den Islam nicht, wie ich ihn kenne. Ich lese oft nur Halbwissen. Die Menschen reimen sich so vieles zusammen und haben Vorurteile, ohne jemals mit Muslimen geredet zu haben. Denn ansonsten würden sie wissen, dass die Taten des "Islamischen Staates“ nichts mit dem Islam zu tun haben.

Der Islam hat so viele Gesetze. Man darf zum Beispiel niemals jemanden angreifen, sondern sich nur verteidigen. Wenn jemand wegrennt, darfst du ihn nicht angreifen. Es gibt so viele Regeln, die der so genannte IS nicht befolgt. Diese schlimmen Taten werden von Menschen begangen, die die Religion falsch interpretieren, falsch verstehen und einfach missbrauchen.

(Bild: Samir)

Durch dein Kopftuch ist dein Glaube im Blog sehr präsent. Wirst du deswegen auch angefeindet?

Ich bekomme viele Kommentare und Fragen zu meinen Outfits, wo ich welches Teil gekauft habe zum Beispiel. Ich wurde auch schon gefragt, wie ich mein Kopftuch binde. Vielleicht mache ich mal ein Kopftuch-Tutorial. Insgesamt habe ich bis jetzt ausschließlich positives Feedback bekommen. Das freut mich natürlich sehr.

(Bild: Samir)