Bild: Denys Karlinskyy

Style

Diese beiden Frauen verleihen ihre Klamotten. Damit sind sie erfolgreicher denn je

31.03.2016, 09:56 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Pola Fendel und Thekla Wilkening hatten zuerst nur eine kleine Idee – mittlerweile ist ihr Mode-Konzept in ganz Deutschland bekannt.

Wer hätte gedacht, dass es in unserer konsumverrückten Welt mal angesagt sein würde, Klamotten zu leihen, anstatt sie zu kaufen? Tatsächlich wird mittlerweile überall in Deutschland geliehen und getauscht, und das vor allem online.

Die Pionierinnen dieses Konzeptes: die Hamburgerinnen Pola Fendel (25) und Thekla Wilkening (27). Sie gehörten zu den ersten, die den neuen Trend der Textilbranche erkannten und die "Kleiderei" gründeten: eine Leih-Plattform für Kleider.

Seither gibt es immer mehr Leih- und Tauschbörsen im Internet, darunter das 2012 gegründete "Prêt-à-Louer" oder die Plattform "Dresscoded", die Designerkleider und Dirndl vermietet.

So stilvoll verbreiten Pola und Thekla ihre Klamotten – die Fotostrecke:

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Unter dem Slogan "Stil hast du, Kleider leihst du" versorgen sie seitdem alle, denen ihr eigener Kleiderschrank zu langweilig ist, mit einer nicht enden wollenden Garderobe. Was in einem kleinen Store in Hamburg mit 300 Kleidungsstücken angefangen hat, ist mittlerweile zu einem Fundus mit mehr als 3000 Teilen gewachsen, die Tag für Tag verschickt werden.

Gegen eine Abo-Gebühr von 34 Euro kann man jeden Monat vier Teile ausleihen. "Dass dieser Trend endlich auch zunehmend auf Kleider ausgeweitet wird, liegt neben den üblichen Gründen fürs Sharing – Ressourcen schonen, Geld sparen, weniger Besitz anhäufen – sicher auch an dem wachsenden Bewusstsein der Konsumenten", sagt Pola Fendel.

"Die Arbeits- und Umweltbedingungen der Bekleidungsindustrie schrecken ab und verunsichern zunehmend. Konsumenten fragen sich: Was kann ich überhaupt noch guten Gewissens kaufen? Und das befeuert alternative Wege des Kleiderkonsums."

Eine Idee wird zum Trend – diese Unternehmen verleihen Mode:

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Seitdem die "Kleiderei" vor vier Jahren online gegangen ist, gibt es mehr und mehr Leih- oder Tauschbörsen in Deutschland, in kleineren und größeren Städten.

Sie stellen sich gegen den Drang, ständig etwas von der immer günstiger werdenden Kleidung kaufen zu müssen. "Die billigen Preise verführen dazu, bedenkenlos noch ein Teil mehr zu kaufen, das man eigentlich gar nicht braucht", sagt Kristen Bodde, Textilexpertin bei Greenpeace. Laut einer Studie der Umweltorganisation werden viele Kleidungsstücke nur ein- bis zweimal getragen, bevor sie für immer im Kleiderschrank bleiben oder sogar weggeworfen werden.

Als Maßnahme gegen die Verschwendung hat Greenpeace im vergangenen Jahr in 40 deutschen Städten gleichzeitig eine Kleidertauschparty organisiert, bei der insgesamt 10.000 Menschen mitmachten. Jeder Teilnehmer konnte dabei fünf aussortiere Kleidungsstücke mitbringen und gegen fünf neue eintauschen.

Für die "Kleiderei"-Gründerinnen geht es auch um den Gedanken, sich selbst auszuprobieren und sich für einen Monat einen neuen Stil zuzulegen, auf den man sich nicht für immer festlegen muss. Die Stücke beziehen Pola und Thekla aus Kleiderspenden, mittlerweile kommen die nicht mehr nur von Privatpersonen, sondern auch von Jungdesignern.

Dabei leihe nicht nur die 19-jährige Studentin mit kleinem Geldbeutel in der "Kleiderei", genauso bestelle auch die 35-jährige Bankangestellte und die modeinteressierte Rentnerin Kleidung für einen Monat. Nur Mode für Männer gibt es in dem Shop noch nicht – auch die soll aber bald kommen.

Durch das Internet ist die Organisation des Tauschens einfacher geworden – wobei es sich dabei natürlich um ein uraltes Prinzip handelt. Neu ist, dass die Menschen, die heute tauschen, eine Gegenbewegung darstellen: eine Parallelströmung zum immer schneller werdenden Wechsel in der Mode. 



Jeden Tag kommt neue Ware in die Läden, an Öko-Mode trauen sich viele nicht heran: So mache nachhaltig produzierte Kleidung laut Greenpeace bislang nur unter fünf Prozent der gekauften Textilien in Deutschland aus – auch, wenn das Angebot stetig wächst.

Was kann ich überhaupt noch guten Gewissens kaufen?
Pola Fendel, "Kleiderei"-Gründerin

"Dass sich die Modeindustrie grundsätzlich ändern muss, ist längst keine Frage mehr", sagt Pola Fendel. "Und die vielen immer attraktiver werdenden Alternativen wie Vintage-Mode oder eben das Tauschen ebnen den Weg für eine tiefgreifende Veränderung, die sicher nicht mehr nur ein Trend ist."

Aus dem Sharen ist eine ganz neue Branche entstanden: Wer teilt, gehört zu einer Gemeinschaft – und die hält zusammen.

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