09.07.2018, 16:42 · Aktualisiert: 09.07.2018, 17:02

Lachen oder weinen?

Verwuschelte Haare, zerknautschtes Gesicht, leicht irritierter Blick: Auf Instagram posten gerade viele Frauen Bilder unter dem Hashtag #wokeupthiswaychallenge – also die "Bin so aufgewacht"-Challenge.

Deren Ziel ist es, der Perfektion in den sozialen Medien etwas entgegenzusetzen und zu zeigen: So sehen wir wirklich aus, ohne Filter, ohne Make-Up, ohne coole Frisur.

Doch es gibt ein paar Probleme.

Wie läuft die Aktion ab?

Begonnen hat alles mit der US-amerikanischen Bloggerin Elaine Daneshrad, auch genannt Lainey. Normalerweise sehen deren Posts in etwas so aus:

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Bunt und schrill, immer perfekt inszeniert. Das ist ihr Job. Doch nun postete Lainey ein für sie sehr ungewöhnliches Bild. Sie liegt im Bett, ungeschminkt und ohne bunte Klamotten:

Dazu schrieb sie einen Aufruf für mehr Natürlichkeit auf Social Media. Er begann so:

"Das Leben ist nicht perfekt, wir sind nicht perfekt, aber durch die sozialen Medien haben wir es alle perfektioniert, unser Leben als sehr 'perfekt' darzustellen. Deshalb starte ich heute eine Bewegung, um die Art und Weise zu verändern, wie wir darüber denken und sprechen."

Die sozialen Medien hätten das Leben zwar um viele schöne Dinge bereichert, würden aber auch psychische Probleme verstärken, weil man sich ununterbrochen mit anderen Menschen vergleiche und es sehr leicht sei, den Schluss zu ziehen, man selbst sei der einzige Mensch mit wirklichen Problemen. Von allen anderen sehe man ja nur die positiven Seiten.

Daher hätte sie sich entschieden, an diesem Tag nicht als "Fashionlaine" ein knalliges Bild mit viel Eyeliner und Regenbogen zu posten, sondern als Elaine – "ein echtes Mädchen, das hinter jedem bunten Bild mit ihren eigenen Herausforderungen kämpft".

Sie nominierte drei weitere Bloggerinnen, sich ebenfalls im "Naturzustand" zu präsentieren. Die reagierten allerdings bisher nicht mit einem eigenen Post. Dafür aber Hunderte andere. Darunter auch Supermodels wie Cindy Crawford und Gail Elliott oder deutsche TV-Promis wie Daniela Katzenberger und Frauke Ludowig. Jeweils mit weiteren Nominierungen. Die Challenge geht also immer weiter.

Hier sind ein paar Beispiele:

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Ist es also etwas zum Lachen?

Die Aktion bietet viel Grund zur Freude. Immerhin tut es den sozialen Medien tatsächlich sehr gut, mal eine Dosis Normalität zu bekommen. Wer will schon permanent mit einer Perfektion belästigt werden, die völlig unerreichbar ist – selbst für diejenigen, die sie vorgaukeln?

Die Challenge ist also ein gutes Zeichen. Vor allem, weil es von Menschen mit sehr, sehr vielen Followern gesetzt wird. So hat die Challenge zumindest einen Effekt – könnte man hoffen.

Die Reaktionen der Follower sprechen dafür: Eine überwiegende Mehrheit bedankt sich bei den Frauen für ihre Offenheit und schreiben, dass sie "trotzdem schön" sind.

Oder sollte man eher weinen?

Allerdings gibt es auch vieles an der Challenge, was einen eher zum Verzweifeln bringt.

Zum Beispiel die Tatsache, dass die meisten der nominierten Leute nicht mitmachen, obwohl sie von ihren prominenten Freundinnen dazu aufgefordert wurden. Warum wohl? Ist es die Angst, wegen eines einzigen realen Fotos ihr bis dahin mühselig aufgebautes Image zu zerstören? Das wäre sehr traurig.

Ebenfalls traurig sind die ekligen Kommentare unter manchen der Fotos. Das musste zum Beispiel das pakistanische Model Nadia Hussain erfahren. Unter ihrem Post sammelten sich hämische Sätze über ihr Aussehen – sowohl von Männern als auch Frauen. Sie habe ihre Schönheit nur vorgegaukelt und sei in Wahrheit hässlich, wie man nun sehe. Sie postete einen Screenshot mit Beispielen und schrieb dazu, es sei "erbärmlich", wie Menschen einander herunterziehen würden.

Außerdem bleibt bei einem solchen Thema immer die Frage: Hilft es den Followern dieser Frauen wirklich, ein besseres Gefühl mit ihrem eigenen Aussehen zu entwickeln? Denn letztendlich sind diejenigen, die sich der Challenge anschließen, alle idealtypisch "schön".

Scrollt man auf Instagram durch die Posts mit dem Hashtag der Challenge, so sieht man fast ausschließlich weiße, schlanke Frauen mit reiner Haut, ohne jeglichen Auffälligkeiten im Gesicht oder am Körper. Zudem sind sie die trotz fehlenden Make-Ups meist vorteilhaft fotografiert.

Bekommt man da als Person, die von diesem Ideal abweicht, nicht noch mehr das Gefühl, nicht schön zu sein? Nach dem Motto: Wenn diese Frauen selbst ungeschminkt so gut aussehen – wie soll ich dagegen anstinken?

Was allerdings Hoffnung macht: Unter dem Hashtag sammeln sich nicht nur Bilder von Prominenten, sondern auch von sehr vielen Privatleuten. Und dadurch entsteht ein Bild, das man auf Instagram tatsächlich sonst nicht so häufig sieht:

Eine Collage der unterschiedlichsten Menschen – die alle auf ihre eigene Art schön sind.


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