Style

Alle reden nur noch von "Hygge". Was ist das?

24.03.2017, 18:33

Irgendwas mit Hipster!?

Skandinavien, ein Sehnsuchtsort für viele. Dem World Happiness Report zufolge leben hier, in Norwegen und Dänemark, die glücklichsten Menschen der Welt. Woher kommt dieses positive Lebensgefühl?

Einerseits liege das am Zustand der Gesellschaft in Nordeuropa, besagt der Report: die Gehälter stimmen bei den meisten, die soziale Unterstützung und Absicherung funktioniert im Großen und Ganzen, die Lebenserwartung ist hoch, viele Nordeuropäer fühlen sich frei.

Andererseits geht es den Nordeuropäern aber wohl auch wegen ihrer besonderen Art zu leben so gut.

Der große Wohn- und Lifestyletrend dieser Zeit kommt aus Dänemark und geht um die Welt: "Hygge" ("gemütlich", "angenehm", "nett"). Ein Stil, eine Einstellung, die zur Schaffung eines heimeligen Umfelds und zur Wertschätzung von Kleinigkeiten auffordert.

All das ist Hygge – zum Klicken:

1/12

Mit der dänischen Idee von Gemütlichkeit und unter der Bezeichnung Hygge lässt sich gerade so ziemlich alles verkaufen: ob Bücher, Bildbände, Gebäck oder Möbel.

Hyggelig ist...
  • ...selbst backen.
  • ...auf dem Sofa Filme schauen.
  • ...Abende mit Freunden sorgfältig planen.
  • ...ein guter Gastgeber sein.
  • ...stricken.
  • ...malen oder DIY-Projekte umsetzen.
  • ...Pastellfarben.
  • ...klare Strukturen.

Kein vollgestopftes Bücherregal, stattdessen eins, in dem die Bücher nach Farbe sortiert sind. Keine Wand mit zig ungleichen Bilderrahmen – stattdessen ein einziges Bild mit beruhigendem Motiv.

Diskussionen über Politik, Wut, Lautstärke, Frieren, Stress, Anstrengung, Knallfarben: all das gilt hingegen als unhyggelig.

Nicht, dass dieser Stil neu wäre – aber mit Hygge hat er einen Namen bekommen, eine Dachmarke, die das Glück als bewusste Entscheidung darstellt. Sei es für die nachhaltig gefärbte Wolldecke oder die handgegossene Sojawachskerze.

Politik ist unhyggelig

Hygge, das ist weiterentwickeltes Hipstertum für Endzwanziger. In Hygge, so scheint es, muss man hineinwachsen. Wo man früher am Wochenende durch die Bars zog, trifft man sich jetzt eben zu Hause am gedeckten Tisch mit Tellern aus Steingut. Man tauscht langsam aber sicher Ikea gegen Habitat und Manufactum.

Eine Entwicklung, die man auch noch oder gerade dann durchleben kann, wenn man in anderen Teilen Europas lebt als im Norden und es wahrscheinlich ist, auch mal eine 50-Stunden-Woche zu haben. Hauptsache, das Wochenende im dänischen Marken-Schlafanzug stimmt.

Doch auch, wer Hygge lebt, darf jammern und weinen. Aber Trost spenden dann eben nicht Schokolade und Chips, sondern eigens kreierte Zimtkekse mit gesundem Vollkornmehl. Nicht irgendein Restposten-Krimi, sondern ein Bildband über Wälder.

Wenn der Jahresvertrag nicht verlängert wird oder die ein oder andere private Baustelle zu bearbeiten ist, aber auch wenn rechte Parteien nicht mehr nur am Rand der Gesellschaft stehen, dann wird ein Zufluchtsort im Privaten jenseits dieser feindseligen Außenwelt verlockend. Und laut Hygge ist dieser Ort so nah: das Zuhause.

Mäßigung als Lifestyle

Bereits in der Biedermeier-Zeit, zwischen 1815 und 1848, entwickelte sich eine ähnliche Kultur des Rückzuges. In der Zeit, die von gesellschaftlicher Unbeständigkeit geprägt war, galt es als schick, sich in die "Gute Stube" zurückzuziehen, mit etwas Hausmusik.

Die Stube ist heute das Wohnzimmer mit norwegischem Designer-Sofa, die Hausmusik sind Netflix-Dokus. Während durch die Social Media-Kanäle ein nicht enden wollender Strom aus Schreckensmeldungen und Tierbaby-Videos durch das Smartphone rauscht, scheint Hygge wohltuende Abwechslung zu versprechen.

Und nicht, ohne dass es alle mitbekommen: Auf Instagram und Blogs werden die als Schutzgebiet gemieteten drei Zimmer unter #hygge in Szene gesetzt. So, dass sie auch schon mal wie ein Loft in einer skandinavischen Altbauwohnung aussehen, die dank Filter viel heller wirkt.

Hygge befriedigt die Sehnsucht nach Einfachheit in einer Welt, in der man es sich leisten können muss, wenig zu haben. Mäßigung als Lifestyle.

Für politisches Engagement bleibt den Hyggeligen übrigens oft kaum mehr mehr Zeit: Sie verwenden ihre Energie darauf, das Glück in Aktivitäten zu finden, die so schlicht sind, dass man dabei kaum noch was falsch machen kann.


Gerechtigkeit

Worum es bei den Landtagswahlen im Saarland geht

24.03.2017, 17:05

Unser Überblick zur Landtagswahl am 26. März

Das Superwahljahr 2017 beginnt an diesem Sonntag im Saarland. Rund 800.000 Einwohner können im kleinsten Flächenland Deutschlands ihre Stimme für einen neuen Landtag abgeben.

Interessant ist die Wahl vor allem deshalb, weil sich nun zeigt, ob die Sozialdemokraten (SPD) vom "Schulz-Effekt" profitiert. Bisher liegt die Partei hinter den amtierenden Christdemokraten (CDU) zurück – Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Kartenbauer ist nach wie vor Favoritin. Die Alternative für Deutschland (AfD) könnte in ihren elften Landtag einziehen.

Unsere wichtigsten Fragen und Antworten zur Wahl im Saarland: