Bild: EPA/Ritchie Tongo

Style

Es gibt kein Entkommen: Diese Geschäfte gehören alle zu H&M

10.04.2017, 16:24 · Aktualisiert: 12.04.2017, 15:59

Und jetzt auch noch neu dabei: Arket

Wir denken, wir gehen in eine individuelle Boutique – und dabei ist es doch wieder H&M: An fast jeder Straßenecke in Deutschlands beliebtesten Einkaufsstraßen befindet sich ein Store, der zum schwedischen Konzern gehört: Cos, Monki, Weekday, & Other Stories, Cheap Monday und H&M Home (hier ist es wieder offensichtlich).

Und damit nicht genug, in diesem Jahr kommt noch ein Konzept dazu.

(Bild: Giphy)

"Arket" heißt die neue Marke, von der im Spätsommer die ersten Geschäfte eröffnen sollen. Zunächst in London und dann in Brüssel, Kopenhagen und München. In 18 europäischen Ländern soll es auch einen arket.com Online-Shop geben.

Wie unterscheidet sich Arket von H&M?

  • Die Klamotten werden teurer als bei H&M. Jeans kosten zum Beispiel 59 bis 115 Euro.
  • Neben der eigenen Kollektion gibt es auch externe Labels zu kaufen.
  • Jede Filiale bekommt auch ein eigenes Café – damit ist H&M der erste internationale Modekonzern, der jetzt auch auf Gastronomie setzt. Angeboten werden soll die "typische New Nordic Kitchen mit hochwertigen und gesunden Zutaten" – mehr Details gab es nicht.

So sieht der Store in London aus:

Wieso schafft H&M so viele neue Marken?

Das haben wir den Handelsverband Textil in Köln gefragt. Sprecher Axel Augustin erklärt, dass H&M ganz bewusst auf Abwechslung setzt: "Kunden klagen oft darüber, dass ihnen die Innenstädte zu ähnlich sind. Großunternehmen diversifizieren sich, sonst werden sie langweilig."

Monki wirkt von allen H&M-Marken wohl am buntesten und ausgeflipptesten. Große Spiegel, schrille Farben zeichnen die Filialen aus. COS hingegen wirkt hochwertiger, die Geschäftsräume sind besonders hell, die Schnitte sehr gerade. 

"Ware wirkt anders, wenn sie anders präsentiert wird – eine simple Erkenntnis, aber damit spielt H&M natürlich", sagt Augustin.

Mit Arket setzt H&M nun auf den Trend "Concept Store" – das sind Geschäfte, die mehr anbieten, als nur ein Sortiment. Also neben Kleidung gibt es hier noch Wohn-Accessoires oder eben ein Café und nicht nur Klamotten. "Geschäfte werden dadurch vielfältiger und spannender für den Einkäufer."

Monki will auffallen:

Cos setzt auf schlichte Eleganz:

Wie viel Macht hat H&M in Deutschland?

Mit seinen mehr als 450 Filialen und rund 4 Milliarden Euro Umsatz liegt H&M auf dem zweiten Rang der größten Textileinzelhändler Deutschlands. Die Otto Group – Spitzenreiter – kam in 2015 auf einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro. Zu Otto gehören zum Beispiel Baur, Bonprix oder Heine – also Labels, die nicht zwingend unter 30-Jährige ansprechen (Ranking der Textilwirtschaft/ mit Abo sichtbar).

Schaut man sich direkte Konkurrenten von H&M wie Primark oder Zalando an, fällt auf: Keiner von ihnen kann derzeit mit H&M mithalten. Primark macht einen Umsatz von 760 Millionen bei 19 Fillialen und Zalando mit dem Online-Handel und Outlets in Berlin und Frankfurt 620 Millionen (Stand 2015).

  • Im Interview mit der Textilwirtschaft erklärt der deutsche H&M-Chef Thorsten Mindermann, man habe sich nicht zu sehr von Billiganbietern wie Primark beeinflussen lassen: "Natürlich stehen zu Sale-Zeiten bei uns die Rotpreise im Vordergrund. Aber wir propagieren ganz sicher nicht den permanenten Sale." (Interview Textilwirtschaft) Insgesamt nehmen die Preisnachlässe aber deutlich zu. 
  • Trotzdem spürt auch H&M, dass die Kunden seltener vor Ort einkaufen und auf Online-Angebote anderer Firmen zurückreifen. Außerdem werden die Margen – also der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis – kleiner und der Gewinn fällt damit geringer aus. 

Die Marktmacht, die H&M hat, bedeutet für die kleinen Boutiquen natürlich nichts Gutes. Immer mehr unabhängige Boutiquen gehen Pleite, kein neues Phänomen. 

"Das ist natürlich ein Problem für die Innenstädte. Denn mehr Abwechslung in der Stadt bringt auch mehr Umsatz. Es heißt, dass der normale Einkäufer etwa in drei bis fünf Geschäfte geht, wenn er nach passender Kleidung sucht", erklärt Augustin.

Wie schätzt du dein eigenes Kaufverhalten ein?

Was für ein Unternehmen unterstütze ich da eigentlich?

H&M profitiert immer noch davon, dass sie ihre Ware preisgünstig und unter zum Teil sehr schlechten Arbeitsbedingungen produzieren. Zuletzt gab es in März in Burma einen Aufstand von Fabrikarbeitern. Weil sie überlastet waren und die Gehälter ausblieben, schlugen Arbeiter Maschinen und Überwachungskameras kaputt. Auch ein chinesisches Unternehmen soll betroffen gewesen sein, das Kleidung für H&M produziert. 

Schon häufiger wurde H&M kritisiert, auch weil Minderjährige beschäftigt würden. (SPIEGEL ONLINE

Angeblich arbeitet H&M aber intensiv daran, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern und Lohnmanagement-Systeme in den Zuliefererfabriken einzuführen. (Textilwirtschaft)

Außerdem setzt H&M auf Nachhaltigkeit. Bis 2030 sollen ausschließlich Materialien verwendet werden, die recycelt wurden oder aus nachhaltigen Quellen stammen. Bis 2040 wollen sie gar klimapositiv werden – das heißt, mehr Energie produzieren als sie verbrauchen. 


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