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Style

Politiker fordern Gesetz gegen Magermodels in der Werbung

11.02.2018, 11:47 · Aktualisiert: 11.02.2018, 11:59

Dass viele Models sehr dünn sind, ist nichts Neues. Auch nicht, dass einige von ihnen ungesund dünn sind. Trotzdem gaukelt die Werbeindustrie noch immer vor allem jungen Frauen und Mädchen vor, das sei ein Schönheitsideal.

Das wollen Politiker von SPD und CDU nun ändern.

Gerade ist die 13. Staffel von "Germany's next Topmodel" angelaufen. Junge Frauen zwischen 16 und Mitte 20 kämpfen nun wieder jede Woche um Heidi Klums Anerkennung und um ein Foto. Und das gibt es nur, wenn die "Meeeeedchen" gut genug aussehen. Gut – das bedeutet bei GNTM auch dünn.

Es sind Vorstellungen wie diese, die sich in den Köpfen der Zuschauer festsetzen, die sich auf Plakaten und in Werbeclips wiederfinden.

Ständig ist man umgeben mit dem Ideal "dünn gleich schön".

Und genau das führt gerade bei jungen Mädchen sehr schnell zu einer gefährlichen Selbstwahrnehmung.

Wie der SPIEGEL berichtet, ist die Anzahl der essgestörten Mädchen in den vergangenen zehn Jahren extrem gestiegen – genau im selben Zeitraum, in dem Model-Castingshows entstanden sind und Influencer auf Facebook und Instagram ihre Körper als anzustrebende Perfektion vermarkten.

Diese Mädels haben keinen Bock auf GNTM:

Bei den Empfängern können solche Ideale zu großen Schäden führen:

Laut Statistischem Bundesamt waren 2016 in Deutschland rund 10.000 Frauen und Mädchen wegen Essstörungen in stationärer Behandlung (SPIEGEL ONLINE). Hinzu kommen all die Fälle, die nicht erkannt oder nicht in Kliniken behandelt werden. Das Problem ist also groß – und es wird immer größer.

Eine Studie der Krankenversicherung AOK Nordost hat die Entwicklung unter ihren Versicherten exemplarisch in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Dabei wurden Kindern und Jugendlichen Fragen gestellt wie "Übergibst du dich, wenn du dich unangenehm voll fühlst?", "Hast du in der letzten Zeit mehr als 6 kg in 3 Monaten abgenommen?" oder "Findest du dich zu dick, während andere dich zu dünn finden?"

  • Es kam heraus, dass der Anteil diagnostizierter Essstörungen vor allem bei 13- bis 17-Jährigen zwischen 2010 und 2016 um 50 Prozent gestiegen ist.

Solche Zahlen sind alarmierend. Das finden auch einige Politiker: "Wir brauchen eine gesetzliche Regelung zum Schutz vor Magersucht", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zum SPIEGEL: "Es gibt kaum eine Erkrankung bei jungen Frauen, die eine so hohe Sterblichkeitsrate hat wie Magersucht – und die Heilungschancen sind gering."

In der Vergangenheit sei vor allem auf Aufklärung gesetzt worden, anstatt zu reglementieren. Doch "Aufkärung allein scheint an ihre Grenzen zu stoßen", sagte die CSU-Politikerin Dorothee Bär. Auch die CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte im SPIEGEL, man dürfe nicht länger warten: "Size-Zero-Models gaukeln ein Ideal vor, welches weder ästhetisch noch gesund ist – mit gefährlichen Langzeitschäden für Körper und Seele bis hin zum Tod."

Essstörungen: Hilfe für Betroffene

Essstörungen können jeden treffen. Nicht immer sind die Anzeichen eindeutig. Hausärzte und Psychotherapeuten bieten professionelle und vertrauliche Hilfe an. Auch Spezialambulanzen oder Beratungsstellen können helfen.

Unter der Rufnummer 0221/89 20 31 bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine anonyme Beratung an. Weitere Informationen und Hilfsangebote finden sich unter www.bzga-essstoerungen.de.

Auch abseits der Politik werden solche Regelungen gefordert. Dabei geht es nicht nur um Magermodels, sondern auch um Bildbearbeitung.

Gephotoshopte Bilder lassen die Models noch makelloser und dünner aussehen – ohne kenntlich zu machen, dass es sich dabei nicht um das natürliche Aussehen der Person handelt. In Deutschland fordert sogar der Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter eine solche Kennzeichnung.

In Frankreich ist es seit Oktober verboten, Menschen in Werbebildern zu retuschieren, ohne einen entsprechenden Hinweis auf die Bearbeitung (bento). In Spanien und Israel gibt es ähnliche Gesetze, in Italien und Großbritannien wird entsprechende Werbung scharf kritisiert.


Gerechtigkeit

Seit Trump im Amt ist, werden doppelt so viele Flüchtlinge nach Afrika abgeschoben

11.02.2018, 11:41

Geflüchtete aus anderen Ländern werden hingegen besser behandelt.

Seit mehr als einem Jahr ist US-Präsident Donald Trump im Amt. Jetzt liegen erste Zahlen vor, wie die USA inzwischen mit Flüchtlingen umgeht. Wer in die USA einreist, wird von der Einwanderungsbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit (ICE) überprüft – und gegebenenfalls direkt wieder in sein Herkunftsland abgeschoben.

Im Vergleich zu 2016 wurden im ersten Jahr Trump deutlich weniger Migranten zurückgeschickt. 

Aber: Das gilt nicht für Flüchtlinge aus Afrika – hier war das ICE deutlich abschiebefreudiger.