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Warum dieses Bleaching-Spielzeug Schwachsinn ist

24.04.2017, 18:02 · Aktualisiert: 25.04.2017, 16:34

Und warum es trotzdem Tausende benutzen

Schneeweiße Zähne wollen viele haben, sie stehen für Gesundheit und sind ein Schönheitsideal. In Apotheken und Drogerien wächst das Angebot an Kaugummis, Zahnpasten und Klebestreifen, die uns eine Aufhellung versprechen wollen.

Und: Im Internet gehen seit Kurzem Fotos herum, die vornehmlich Frauen mit schnullerartigen Bleaching-Spangen zeigen, wie sie das australische Label "Hi Smile" weltweit vertreibt. 

Auf Instagram wird mit den Spangen posiert, als seien sie Accessoires – und, als würden sie funktionieren:

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In nur zehn Minuten Behandlungszeit will das Paket der australischen Firma, bestehend aus Gels in Spritzen und einer Spange mit LED-Licht, für weiße Zähne sorgen. Kostenpunkt: rund 108 Euro

Doch: Taugt das Produkt, das gerade offenbar Tausende begeistert, überhaupt was? Wir fragen Hans Werner Bertelsen, Zahnarzt aus Bremen. 

Er glaubt nicht an den versprochenen Effekt, sagt er: "Davon bekommt man keine weißen Zähne, sondern höchstens ein Loch im Geldbeutel".

Mit dem Hauptbestandteil Natriumbicarbonat – das man auch als Natron zum Backen verwendet – sei vom "Hi Smile"-Schnuller kein Aufhellungsergebnis zu erwarten.

Das sei auch bei fast allen Produkten so, die es in der Drogerie oder in der Apotheke zu kaufen gebe. "Die meisten dieser Produkte sind Kreationen zu reinen Marketing-Zwecken – ich rate stark davon ab", sagt Bertelsen.

In zehn Minuten weiße Zähne – geht das?

In zehn Minuten weiße Zähne – geht das? (Bild: hismileteeth.com)

Okay. Und wie bekomme ich stattdessen weiße Zähne, falls ich welche haben will?

Für hellere Zähne sollte man sich zu allererst eine elektrische Zahnbürste anschaffen, rät Bertelsen. Und im nächsten Schritt mal nach einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt fragen – die gebe es schon ab 50 Euro. Damit könnten dann Verfärbungen von Ernährungsrückständen wie etwa von Kaffee oder schwarzem Tee leicht entfernt werden. 

Und was ist mit richtigem Bleaching?

Wer sich für ein richtiges Bleaching, also für die chemische Aufhellung des Zahnschmelzes entscheidet, der hat die Auswahl zwischen zwei Verfahren: das "In-Office"-Bleaching direkt beim Zahnarzt, bei dem der Wirkstoff Carbamid-Peroxid in erhöhter Dosierung auf die Zähne aufgetragen wird. Weil die hohe Dosierung des Bleichmittels nicht ganz ungefährlich für Schleimhäute ist, darf dies nur ein Zahnarzt durchführen. 

Alternativ kann man sich auch für das geringer dosierte, mehrstufige "Home Bleaching" entscheiden, das auch zu Hause angewendet werden kann. "Ich rate zur mehrstufigen Variante, weil diese schonender für den Zahnschmelz ist", sagt Bertelsen.

Will ich wirklich ein gesundheitliches Risiko in Kauf nehmen, nur um etwas hellere Zähne zu haben?

Dass nun Fotos von top gestylten Beauty-Bloggern mit Bleaching-Schnullern in unseren Timelines herumwabern, liegt also wohl nicht an der Qualität des Produktes. Sondern vielmehr daran, dass "Hi Smile" offensives Social Media-Marketing betreibt – mehr als die Hälfte ihrer Produkte schickt das Unternehmen nach eigenen Angaben an Blogger und Instagrammer. 

Die wenden das Produkt gegen ein Honorar dann an und machen in vielen Fällen anschließend überfilterte Hochglanz-Fotos, die die Zähne wirklich weißer aussehen lassen.

Diese Strategie scheint aufzugehen – innerhalb von zwei Jahren hat das Unternehmen umgerechnet etwa neun Millionen Euro umgesetzt (smartcompany.com).

Wem es nicht um die Unterstützung der Privatwirtschaft, sondern um das Wohl der eigenen Zähne geht, der sollte sich also in Sachen Zahnaufhellung besser nicht auf Instagram informieren, sondern lieber den Experten befragen – den eigenen Zahnarzt. 

Und sich am Ende auch immer fragen: Will ich wirklich ein gesundheitliches Risiko in Kauf nehmen, nur um etwas hellere Zähne zu haben?


Gerechtigkeit

Moscheereport "Inside Islam": Was Constantin Schreiber zur Kritik sagt

24.04.2017, 15:56 · Aktualisiert: 25.04.2017, 19:07

Der Journalist Constantin Schreiber war in deutschen Moscheen unterwegs – und wurde dafür in den vergangenen Wochen viel kritisiert. Der "Tagesschau"-Moderator hatte sich ein Jahr lang Predigten in mehreren Moscheen angehört, seine Erlebnisse schildert er im Buch "Inside Islam" und einer dreiteiligen ARD-Dokumentation. (bento).

Beides kam eher weniger gut an:

Viele Kritiker werfen Constantin vor, ein zu negatives Bild vom Islam zu zeichnen.

Constantin habe sich einige wenige Moscheen herausgepickt und würde nun pauschal alle Muslime in Deutschland als Radikale darstellen. Wir haben ihn daher mit Aussagen seiner Kritiker konfrontiert.