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Style

Nackt ist nicht gleich frei – Warum ich keinen Bikini tragen will

07.06.2017, 19:15

Es geht mal wieder los: Die Temperaturen steigen, die Freibäder öffnen und überall wird uns weisgemacht, wir müssten für den perfekten Bikinikörper nur noch ein wenig Dies und ein wenig Das machen; ein bisschen Sport hier, ein bis zwei Wochen Kohlsuppendiät da, und wir hätten endlich unseren Traumbody für den lang ersehnten Strandurlaub.

Und wofür das Ganze? Um besser im Bikini auszusehen.

Dabei soll es auch Menschen geben, die einfach keine Lust haben, sich nackt dem halben Ort zu präsentieren. Mich zum Beispiel. Ich möchte mich nicht in einen hautengen Ein- oder Zweiteiler zwängen, der wenig Raum für Fantasie lässt.

Wenn ich so etwas sage, höre ich natürlich die motivierenden Zurufe meiner Anti-Bodyshaming-Mädels: "Du sollst stolz sein auf deine Dellen, deine Dehnungsstreifen, deine unreine Haut! Zeige es der Welt, du bist schön, so wie du bist!"

Und ich muss ihnen zumindest teilweise recht geben. Nein, ich finde diese „Makel“ objektiv betrachtet nicht hübsch, doch das macht einen Menschen nicht automatisch hässlich. Sie sind eben normal.

Auf Instagram wehrt sich die 23-jährige Milly Smith gegen die übertriebenen Anforderungen an schöne Körper so:

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Die Sache ist aber: Ich schäme mich nicht für meinen Körper. Ich will ihn einfach nicht zur Schau stellen, ganz egal, ob er irgendwelchen Idealen entspricht oder nicht.

Jetzt halten mich viele bestimmt für prüde, rückständig und viktorianisch-veraltet. Nur, weil ich mich weigere, einen Bikini zu tragen? Think again, please. Denn die Frage ist doch viel mehr:

Wann hören wir endlich auf, "unbeschwerte Nacktheit" als ultimative Freiheit zu betrachten?

Ich verstehe ja, dass das Entkleiden ein gewisses Loslassen von Scham, Unsicherheiten und Schönheitsidealen bedeuten kann und das kann auch Freiheitsgefühle auslösen. Aber im "kann" liegt der Knackpunkt: Es muss nicht.

Niemandem ist geholfen, wenn er sich zu Nacktheit verpflichtet fühlt.

Der Bikini war einmal ein Symbol der "Befreiung" von der Spießbürger-Moral der prüden 50er. Doch diese neu-gewonnene "Freiheit" kippte, wie so vieles andere, in das Missionarische. Es scheint, dass Frauen heutzutage gesellschaftlich gedrängt werden, "frei" zu sein.

Jemand, der weiter geschnittene Kleider und längere Röcke bevorzugt, "versteckt" sich hinter dem Stoff. Wie war das jetzt noch mit den frei gewählten Lebensweisen und der Emanzipation? Darf ich mich nun kleiden, wie ich möchte, oder nicht?

Wenn in vielen Schwimmbädern das Tragen von unüblicher Badekleidung untersagt ist, also alles, was nicht nach Badeanzug, Bikini oder Badehose aussieht, wirkt das erst einmal nicht so.

Jetzt kommt, im Falle der lose sitzenden Bademode, natürlich ganz schnell die Hygiene als Argument ins Spiel. "Die tragen doch bestimmt Baumwoll-Slips unter dem Burkini", glauben die einen, "Wie kann man denn damit duschen?" fragen die anderen.

Ich persönlich finde das ein bisschen absurd, denn ich fürchte, Urin, Schuppen und Krankheiten sind größere Probleme. Und ihr macht euch Sorgen wegen einem vermeintlichen Baumwollslip?

Ich möchte die Hygienevorschriften aber gar nicht kleinreden. Sie haben sicherlich ihre Berechtigung. Wenn sie allerdings die einzigen Bedenken sind, sollte man sich dann nicht dafür einsetzten, dass Regeln gelten, und darauf vertrauen, dass Menschen sie dann auch anwenden? Wir machen schließlich auch keine Pinkelkontrolle im Freibad!

Unsere freie Wahl der Kleidung sollte auch für den Mikrokosmos Schwimmbad gelten.

Wenn man nicht gern Haut zeigt, aus welchem Grund auch immer, sich aber gedrängt fühlt, „blank“ zu ziehen, haben wir als Gesellschaft ein Problem. Das wirklich tragische an solchen Konventionen: Sie sind meist unbegründet. Es ist einfach so, wie es ist.

Aber so banal es erst einmal klingen mag: Der Sommer sollte von allen unabhängig von Wertevorstellungen und Schamgrenzen genossen werden können. Das sollte in einer freien Gesellschaft doch möglich sein, oder?


Fühlen

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