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Das ist das Flüchtlingsteam, das bei der Leichtathletik-WM startet

10.08.2017, 13:41 · Aktualisiert: 10.08.2017, 14:08

Der Eine ist der Star der Leichtathletik auf den Langstrecken, der Andere zum ersten Mal in seinem Leben in einem großen Stadion – und dann gleich bei einer Weltmeisterschaft: Mohamed "Mo" Farah und Kadar Omar Abdullahi.

Am Mittwochabend liefen beide eine Zeit vereint am Ende des Feldes im 5000-Meter-Vorlauf bei der Leichtathletik-WM in London. Wie zwei Trainingspartner, die sich gemeinsam zu neuen Höchstleistungen anstacheln.

Farah rannte Abdullahi zwar irgendwann davon, aber trotzdem muss sich das Rennen für Abdullahi wie ein Sieg angefühlt haben: Seine persönliche Bestleistung unterbot er um 20 Sekunden. Farah wartete im Ziel auf ihn, empfing ihn mit einer Umarmung – eine der emotionalsten Szenen der WM bislang.

Abdullahi ist Teil des fünfköpfigen Flüchtlingsteams, das in London antritt. Wie schon bei den Olympischen Spielen wird dort auch Flüchtlingen die Chance gegeben werden, sich mit den besten der Welt zu messen – auch wenn sie zurzeit keiner Nationen angehören.

Warum gibt es das Team überhaupt?

Zu verdanken ist es dem Engagement der Tegla Loroupe Friedensstiftung. Die Kenianerin Tegla Loroupe war selbst Profisportlerin, lief einst einen Marathon in Rekordzeit. Heute setzt sich die ehemalige Langstreckenläuferin als Uno-Friedensbotschafterin für die Sportler aus Afrika ein. Sie betreut auch das komplett afrikanische WM-Team. (Sportschau)

(Bild: Imago)

Tegla Loroupe hatte beim internationalen Leichtathletikverband IAAF angefragt, ob auch Athleten vom Flüchtlingsteam an der WM teilnehmen dürften. Fünf Plätze stellte der Verband schließlich zur Verfügung.

Während bei den Olympischen Spielen zu jedem einzelnen Sportler eine Art Werbevideo gedreht wurde, es eigene Pressekonferenzen gab, scheint die IAAF sich kaum zu interessieren. Trotz mehrfacher Anfragen gab es kein offizielles Statement seitens der Organisatoren.

Wer sind die Sportler im Team?

Im Team sind ausschließlich Flüchtlinge aus Afrika. Ursprünglich stammen sie aus dem Südsudan, Äthiopien oder Somalia, heute leben sie in Kenia. Etwa 30 Athleten trainieren dort in der 20.000-Einwohner-Stadt Ngong zusammen mit Loroupe.

Weil es aus organisatorischen Gründen nicht möglich war, an offiziellen Wettkämpfen teilzunehmen, stellte die IAAF ausschließlich die fünf Plätze zur Verfügung. Die Teammitglieder mussten untereinander antreten, die besten fünf durften nach London.

Und das hier sind sie:

  • Dominic Lokinyomo er stammt aus dem Südsudan und startet auf der 1500-Meter-Strecke, er wurde in einem Flüchtlingscamp geboren.
  • Anjelina Nadia Lohalith kommt ebenfalls aus dem Südsudan, sie startete bei den Frauen auf der 1500-Meter-Strecke, sie ist geflüchtet als sie etwa sieben oder acht Jahre alt war. Mit 4:44:54 Minuten lief sie persönliche Bestzeit.
  • Rose Naihike Lokonyen stammt aus dem Süsudan, läuft die 800 Meter bei den Frauen. Sie ist 24 Jahre alt und flüchtete mit sieben aus ihrem Heimatdorf. Ihre Eltern hat sie seither nicht mehr gesehen.
  • Kadar Omar Abdullahi 21, ist in Äthiopien geboren und floh wegen des dortigen Bürgerkriegs. Er läuft bei der WM die 5000-Meter-Strecke. Er läuft normalerweise auch 1500 Meter, wollte beim internen Ausscheidungsrennen die längere Distanz von 5000m laufen und erzielte dabei eine persönliche Bestzeit. Die toppte er im Vorlauf der WM dann nochmals.
  • Bashir Ahmed aus Somalia startete auf der 800-Meter-Strecke bei den Männern. Auch er lief mit einer Zeit von mit 1:50:04 Minuten schneller als zuvor.
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Einige aus dem Team waren zehn Jahre oder jünger, als sie ihre Heimat verließen. Einige sind in Flüchtlingslagern auf die Welt gekommen, eine richtige Heimat hatten sie nie. Andere haben ihre Familienmitglieder auf der Flucht verloren, kennen nicht einmal ihr eigenes Geburtsdatum.

Bei der WM hat das Team keine eigene Hymne und auch das Trikot, das ein Schweizer Laufschuh-Hersteller zur Verfügung stellte, ziert keine Flagge. Sie laufen für kein Land, sondern ganz allein für sich und um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen.

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Wie trainieren sie heute?

In Kenia trainieren sie auf Aschebahnen auf 2.200 Metern Höhe, bei denen die einzelnen Bahnen noch per Hand und Streugerät markiert werden. Tartanbahnen kennen sie nicht – auch deshalb sind neue Bestzeiten möglich.

"Das Olympiastadion, das habe ich noch nie gesehen. Wir kommen von einer Bahn aus Dreck. Diesen Teppich zu sehen, bedeutet mir viel", sagte Kadar Omar der ARD vor seinem 5000-Meter-Rennen.

Gegen die besten der Welt anzutreten, davor habe er keine Angst:

Mein Traum ist, über mich hinaus zu wachsen. Einestages bin ich ein Champion und dann kann ich meinen Leuten helfen.

Ein Champion ist Kadar Omar jetzt schon. Vier Läufer ließ er im 5000-Meter-Lauf mit seinem Vorbild Farah hinter sich (IAAF). Viel Potenzial also für ein nächstes WM-Rennen. Hoffentlich darf er wieder starten – vielleicht ja dann sogar für ein neues Heimatland.

Das war das Team, das bei Olympia im vergangenen Jahr an den Start ging. Darunter auch Schwimmerin Yusra Mardini. Sie floh aus Syrien und lebt in Berlin:

Nicht alle hielten das Flüchtlingsteam bei Olympia für eine gute Idee. Statt die Menschen zu integrieren, grenze man sie eher aus. Die Sonderrolle führe dazu, dass der Flüchtlingsstatus wichtiger werde als ihre sportliche Leistung. (bento)


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