Video-Player wird geladen...

Sport

Maura ist Kicker-Profi. Hier verrät sie ihre besten Tricks

19.05.2017, 13:40 · Aktualisiert: 20.05.2017, 10:30

Ihre Gegner unterschätzen Maura Porrmann oft. Weil sie so oft lacht? Weil sie erst 26 ist? Weil sie eine Frau ist? Alles Klischees, sie haben sich geirrt.

Maura checkt gerade, wie gut sich die Stangen am Kicker in der Ecke einer Hamburger Bar bewegen lassen und will eigentlich nur ein paar Tricks üben. "Darf ich mitspielen?", fragt da ein Typ mit strubbeligen Haaren. Richtig Lust hat Maura nicht, aber weil er hartnäckig nachfragt, nimmt sie das Duell eben an.

Während er schon längst 5:1 hinten liegt, tönt er noch: "Du bist gut, aber geknackt hast du mich noch nicht". 9:1 steht es am Ende. Er hat verloren – keine Überraschung. 

Denn Maura Porrmann ist Weltranglistenzweite im Tischfußball.

Als Kind spielte Maura Fußball noch mit den Füßen, lernte, wie man die Gegner mit Schnelligkeit austrickste. Ab und zu stand sie auch mal am Kicker. Dass sie mit den Händen noch viel flinker ist, erkannte sie aber erst viel später – mit Anfang 20 in einer Hamburger Kneipe.

Ein Unbekannter spricht sie dort an und fragt, ob sie nicht einmal mit zum Trainingszentrum kommen will. Dort erkannten sie ihr Talent. "Als ich nach und nach einige Profis schlug, war mein Ehrgeiz geweckt", erinnert sie sich heute. 

In der Slideshow: Am Kicker mit Maura

Katharina Hölter
Katharina Hölter
Katharina Hölter
Katharina Hölter
1/12

Von da an ging es schnell: 2013 wird Maura Landesmeisterin, 2015 steigt sie in die erste Bundesliga auf, ein Jahr später kletterte sie an die Spitze der nationalen und internationalen Rangliste, wird Teil der Nationalmannschaft. Mittlerweile ist Maura, 26, dunkles Haar, Perlenohrringe und Kapuzenpullover, Deutschlands beste Spielerin. Dutzende Spiele absolviert sie im Jahr – gegen andere Frauen oder auch im Duo gegen Männer. Ein Sport, in der die weiblichen Profis vielleicht gerade einmal ein Fünftel ausmachen. 

"Lassen wir die Frau mal mitspielen." Solche Sätze hat Maura schon häufiger gehört, in Kneipen, nicht bei den Profis. Nach ihrem Sieg waren dann alle verstummt. "Mir geht es nicht darum, ein Vorbild zu sein. Ich will einfach nur spielen", sagt Maura.

Und trotzdem kann man einiges von ihr lernen – darüber, wie man sich Respekt verschafft, seine Gegner liest. 

Ob das eine Frau oder ein Mann ist, ist ihr egal. "Hart muss das Spiel sein", dann macht es ihr am meisten Spaß.

Die besten Tipps und Tricks von Maura Porrmann:

1/12

Wenn Maura auf das Spielfeld blickt, runzelt sie die Stirn. Es dauert nur Hundertstel, bis Mauras Hände von Stange zu Stange wechseln – sie ist extrem konzentriert. Erst wenn der Ball im Tor ist, blickt Maura auf und lacht. Es ist ein ständiger Wechsel: ernster Blick, lachen, ernster Blick, lachen.

Wer erfolgreich kickern will, muss auch ein guter Psychologe sein. Das kann man ohne Zweifel so sagen.

"Mich reizt nicht die körperliche, sondern die mentale Herausforderung", sagt Maura. Zwar geht sie jetzt auch regelmäßig boxen, um die Schnellkraft zu trainieren. Vor einigen Turnieren joggte sie jeden Tag, das förderte die Ausdauer und Konzentration. Und dann sind da noch diese kleinen Mutproben, die für den Kopf. 

Zuletzt hat Maura in einer Disko getanzt. Etwas, das sie hasst. "Ich musste mich richtig überwinden", sagt sie. Aber genau darum ging es. "Ich wollte meine Angst besiegen. Wenn ich es da schaffe, schaffe ich es auch beim Kickern, noch mutiger zu werden."

Also tanzte sie – mitten auf der Tanzfläche.

Manchmal blickt Maura ihrem Gegner nach einem Spielzug tief in die Augen. Es ist ein durchbohrender Blick, als wolle sie sagen: Du kannst mir nichts vormachen, ich besiege dich. 

"Beim Kickern kannst du genau sehen, wer im Leben wirklich angekommen ist", sagt Maura. Wer verliere und dann brülle, der scheine wohl noch andere Probleme im Leben zu haben oder den Sport zu wichtig zu nehmen. 

Mauras Taktik in diesen Situationen: einfach ruhig bleiben und Malzbier trinken, ihr Lieblingsgetränk.

Wenn sie mal verliert, dann denkt sie schon ans nächste Spiel. Nicht zweifeln, weitermachen. So ging es ihr im April, als sie bei der Weltmeisterschaft in Hamburg als Favoritin antrat. Die Tribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Wie immer hatte Maura ihren Spickzettel dabei – ein festes Ritual. Ein paar Spielzüge hat sie darauf notiert und einen wichtigen Satz: "Atmen nicht vergessen." Etwas, an das man in der Hektik eines Spiels nicht denke. 

Das mit dem Atmen hat an diesem Weltmeisterschaftswochenende zwar geklappt, das Siegen nicht. 

Im Viertelfinale schied sie mit der Mannschaft aus, im Einzel in der zweiten K.o.-Runde. "Es war so ein wichtiges Spiel. Ich dachte irgendwie, ich muss aufgeregt sein. Und diese Aufregung stand mir dann im Weg."

Dabei kennt Maura es gut, auf einer Bühne zu stehen. Mit einer Freundin zusammen hat sie kurz vor dem Abschluss an der Hamburg School of Music das Duo "Lieblingsfarbe Schokolade" gegründet. Die beiden spielen kabarettistische Popmusik, geben etwa drei Konzerte pro Monat und proben fast jeden Tag. Ab und zu wird sie auch für Firmenveranstaltungen und Messen gebucht, um gegen Versicherungsvertreter oder Finanzberater anzutreten. 

Wer so viel zu tun hat, muss auch auf vieles verzichten? "Ja, auf einen Freund", sagt Maura. "Das passt gerade nicht." Aber wenn, dann soll es auch bitte kein Profi-Kicker sein. So einen hatte sie schon. 

"Ich will auf Turnieren nicht noch kuscheln. Das stört die Konzentration."


Today

So feiert Chelsea Manning ihre neue Freiheit

19.05.2017, 11:59 · Aktualisiert: 19.05.2017, 13:46

Sie steht ihr ziemlich gut!

Was würdest du essen wollen, wenn du mehrere Jahre lang im Gefängnis gesessen hättest?

Chelsea Manning wollte Pizza: heiß und fettig, mit viel Käse und Salami.