Bild: Privat

Sport

Dieser Mann entscheidet mit, wie schnell Mats Hummels bei Fifa 18 sein darf

29.09.2017, 17:22 · Aktualisiert: 29.09.2017, 18:33

Heute erscheint endlich, pünktlich zum langen Wochenende, "Fifa 18"!

Eine der wichtigsten Fragen ist natürlich, welcher Spieler im Spiel wie stark ist: Wer kann am schnellsten laufen, am weitesten passen, am schönsten dribbeln?

Michael Müller-Möhring, 50, ist mit seinem Team dafür verantwortlich, dass die Fähigkeiten der Spieler bei "Fifa 18" denen der tatsächlichen Fußballer so ähnlich wie möglich sind.

Hier erzählt Müller-Möhring, wie ihm das gelingt – und worüber sich die meisten Profis beschweren.

Sie bewerten, wie gut die Fußballer bei Fifa sind. Mal ehrlich: Beschweren sich die Profis bei Ihnen?

Oft! Zuletzt hat die Mannschaft von Fortuna Köln bei uns vorbeigeschaut. Ich habe den Fehler begangen, ihnen die Werte gezeigt, mit denen wir sie einordnen. Ein Spieler fand das nicht so lustig und sagte: "So langsam bin ich aber nicht, das weißt du schon, oder?" Tage später hat mir dann sein Mannschaftskamerad noch Fotos aus dem Kraftraum geschickt, um zu zeigen, wie hart er trainiert.

Das ist neu bei Fifa 18:

1/12

War das ein Einzelfall?

Nee, ich glaube, jeder Fußballspieler fühlt sich besser, als wir ihn im Spiel gemacht haben. Einige werden richtig wütend. Vor ein paar Jahren hat sich Rio Ferdinand fürchterlich über uns aufgeregt, unsere Bewertungen als Unverschämtheit bezeichnet. Ich glaube aber nicht, dass er es vollkommen Ernst meinte.

Hier siehst du, was Rio Ferdinand übe seine Fifa-Werte sagt:

Worüber beschweren sich die Spieler denn am meisten?

Ganz klar: Ihre Geschwindigkeit, also ihre Sprintfähigkeit. Früher waren bei uns alle Spieler schnell. Jetzt wollen wir fast die gesamte Bandbreite der Skala ausnutzen, aber die Profis sehen Werte unterhalb von 75 schon als "langsam" an. Komischerweise nörgelt niemand an seiner schlechten Kondition rum. Aber jeder Fußballspieler denkt, dass er schnell ist. Innerhalb des Spiels wollen wir aber differenzieren, nicht alle sind halt echte Raketen. Und dann beschwert sich eben einer wie der Hummels.

(Bild: Screenshot bento)

Und, haben Sie Mats Hummels schneller gemacht?

Nö. Klar schauen wir uns die Werte noch mal an, wenn sich ein Star beschwert. Aber wenn ich das machte, würde ja jeder kommen.

Wie funktioniert das überhaupt, mit diesen ominösen Werten?

Jeder Spieler hat 35 Hauptattribute, wir bewerten auf einer Skala von 1 bis 99. Die meisten Attribute sind sogenannte Fähigkeits-Attribute, also so etwas wie "Dribbling" oder "Weitschüsse". Aus einer Kombination dieser Attribute wird positionsbedingt die Gesamtstärke errechnet.

Wir haben eine grobe Richtlinie: Einer der besten Freistoßschützen in der dritten Liga bekommt einen Wert zwischen 65 und 75, einer der besten Freistoßschützen in der ersten Liga dagegen zwischen 85 und 95 Punkte. Wir achten darauf, dass die Werte nicht lächerlich aussehen. Aber es gibt natürlich keine objektive Instanz, die bewerten kann, ob ein Spieler 97 oder 93 Punkte verdient hätte.

Worauf achten Sie noch?

Innerhalb des Teams müssen die Relationen stimmen. Das kontrollieren wir. Zudem vergleichen wir die Top-Spieler innerhalb einer Liga und balancieren die Werte aus. Als letztes gleichen wir auch die Werte in all den anderen 30+ Ligen aneinander ab.

Wie oft verändern Sie die Werte?

Zweimal pro Woche. Es kann ja sein, dass ein Spieler beim nächsten Spiel zwei Freistöße in den Winkel schießt. Unsere Arbeit endet nie, wir werden nie fertig.

Aber Sie und Ihre Mitarbeiter können doch nicht jeden unbekannten Jugendspieler kennen oder?

Nein, stimmt. Ab und zu passiert es, dass wir da abends sitzen, in drei Stunden müssen die Werte fertig sein, und wir wissen fast nichts über den Spieler – nur den Namen, das Geburtsjahr und die ungefähre Position. In solchen Situationen versuchen wir es erst mal mit durchschnittlichen Werten, die niemandem wehtun. Der Spieler wird dann wahrscheinlich ein Rechtsfuß, vielleicht eher ein zentraler Mittelfeldspieler. Im Anschluss beobachten wir den Spieler im Stadion, recherchieren im Internet oder nutzen unsere Kontakte zu seinem Klub.


Und wie wichtig ist das Aussehen der Spieler?

Sehr wichtig, vor allem bei den Topspielern. Das schlimmste sind für mich aber die Fußballschuhe. Es gibt Spieler, die wechseln permanent ihre blöden Fußballschuhe. Da kannst du bei jedem Spiel überprüfen, welche Schuhe sie gerade anhaben.

Können Sie da überhaupt noch entspannt Fußball gucken?

Im Grunde kann ich kein Fußballspiel mehr normal schauen. Seit dieser Saison betreue ich für "Fifa 18" auch meine Lieblingsmannschaft, Fortuna Köln. Ich sehe einen Spieler mit heruntergezogenen Stutzen und denke: "Hm, ist das auch in der Datenbank?"

Konnte man anhand der Werte bei Fifa schon früh sehen, dass Lionel Messi mal einer der besten Spieler der Welt werden würde?

Naja. Mir ist damals aufgefallen, dass der für den FC Barcelona zuständige Datenbank-Editor einem 17-Jährigen extrem hohe Werte in den Kategorien Dribbling und Geschwindigkeit gegeben hatte. Und irrsinnig viele Punkte beim "Potenzial" hatte dieser kleine Argentinier auch bekommen. Also habe ich den Mann gefragt, ob er nicht ein bisschen übertreibt. Er antwortete mir dann, dass dieser 17-Jährige eines Tages einer der besten Spieler der Welt sein werde.

Ich habe dem Datenbank-Editor grundsätzlich vertraut, aber die Werte trotzdem um vier, fünf Punkte nach unten korrigiert. Ich wollte einfach nicht, dass wir uns lächerlich machen. Man kennt das ja: Jemand schätzt seine Lieblingsmannschaft ein und ist ein bisschen optimistisch. Tja, das war dann halt der Messi. Konnte ich ja damals nicht wissen.


Gerechtigkeit

Reem darf in Deutschland bleiben

29.09.2017, 17:20 · Aktualisiert: 29.09.2017, 17:53

Zwei Jahre, nachdem sie Merkel danach gefragt hat

2015 fragte das Flüchtlingsmädchen Reem Sahwil Angela Merkel, ob sie auf Dauer in Deutschland bleiben darf. 

Zwei Jahre später kann das palästinensische Mädchen aufatmen: Wie die Stadtverwaltung Rostock am Freitag mitteilte, hat die 17-Jährige eine sogenannte Niederlassungserlaubnis erhalten. Sie ist die Vorstufe und Voraussetzung für die spätere Einbürgerung des Mädchens. (Faz / SPIEGEL ONLINE)