Bild: bento / Fabian Brennecke

Sport

"Man nimmt eine Lanze und bügelt den anderen vom Rad"

22.03.2016, 01:18 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Bewaffnete Fahrradfahrer treten beim "Spring Fight" zum Spaß gegeneinander an. Wir haben den Bärlin Pedäl Bättle besucht.

Auf der Berliner Fahrradschau gibt es chromblitzende, schlanke Fährräder und stylische Kleidung für Radfahrer zu sehen. Männer mit gepflegten Bärten und Fans von Velo-Kultur laufen durch die Station, eine hergerichtete Fabrikhalle in der Nähe des Gleisdreiecks. Es gibt Craft Beer und Pulled Pork.

Und dann ist da noch eine Horde Männer, die in selbstgebastelten Rüstungen auf abenteuerlichen Rädern mit Holzstöcken aufeinander losgeht. Sie nennen sich "Schädelspalter", der "Unsägliche" und "Stichling". Nicht alle sind mehr ganz nüchtern. Einige sind richtig breit.

Das ist der "Spring Fight" des Vereins Bärlin Pedäl Bättle. "Man nimmt eine Lanze und bügelt den anderen vom Rad", sagt der Gründer Arne Stars. Auch das ist Fahrrad-Kultur. Seit vier Jahren kloppen sie sich schon. Die Teams heißen "Kampfhorde Jägerklause" oder "Nutten und Koks", einige reisen zu den Turnieren extra nach Berlin.

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Sind die noch ganz dicht? "Das sieht aggressiv aus", sagt Mathias Ralf Enderlein, der Schatzmeister des Vereins, "die Leute hauen sich ordentlich, aber danach nehmen sie sich in den Arm." Über die Einhaltung der Regeln wacht ein Schiedsgericht: Die Rüstung muss sitzen, es herrscht Helmpflicht. "Da steckt schon viel sportlicher Ehrgeiz dahinter", sagt Enderlein.

Die Pedal-Ritter kommen aus der Fahrradkurierszene. Das mit dem Mittelalter nehmen sie nicht allzu genau. In ihren Rüstungen sehen sie aus wie eine Mischung aus "Herr der Ringe" und "Mad Max". "Das ist aus einer Sektlaune heraus entstanden", sagt Enderlein. Viel wichtiger als historische korrekte Kostüme ist den Fahrern, dass man regelmäßig zusammen kommt und Spaß hat. 30 Mitglieder hat der Verein, acht bis zehn Teams kommen zu den Battles, die zweimal jährlich stattfinden.

Den "Spring Fight" am vergangenen Wochenende kann der "Stichling" vom Hamburger Team "Nonstop Schwitzen" für sich entscheiden. In der Halle mit ihrem glatten Estrichboden hat er einen Vorteil: Er hat nicht gebechert wie die Mitglieder der anderen Teams. Dafür ist sein Schild zu dünn. "Mein einer Arm ist übersät mit Hämatomen", sagt der "Stichling", der eigentlich Maurice Schaffer heißt.

Janosch Mesenhohl, Kampfname "Honko der Henker"

Janosch Mesenhohl, Kampfname "Honko der Henker" (Bild: bento / Fabian Brennecke)

Wenn Schaffer nicht gerade in Hamburg als Fahrradkurier unterwegs ist, kümmert er sich um den Raum für Fahrradkultur: Zusammen mit Freunden will er eine Fahrrad-Bastelwerkstatt im Gängeviertel einrichten. "Am Pedäl Bättle gefällt mir das Non-Konforme, etwas anderes mit Fahrrädern zu machen als nur zur Arbeit zu pendeln", sagt Schaffer.

Als Sieger haben ihn die Veranstalter vom Bärlin Pedäl Bättle aufgefordert, seinen Titel Anfang Oktober zu verteidigen. Dann findet das jährliche, große Turnier statt – zwei Tage, mit Zelten und Lagerfeuer. Ob er daran teilnimmt, weiß er noch nicht: "Die Stimmung ist schon testosteronschwer, es gibt viel männliches Imponiergehabe."

Sind deswegen so wenig Frauen hier? Ein paar Fahrerinnen gäbe es, sagt Enderlein, wenn auch das erste Frauenteam noch auf sich warten lässt. Schaffer hingegen vermutet: "Die stehen eher daneben und lachen über ihre Männer."