Queer

12-Jährige outet sich in der Kirche, dann wird das Mikro abgestellt

20.06.2017, 12:05

Savannah ist zwölf Jahre alt und lebt in Utah. Sie träumt davon, später bei Disney zu arbeiten, malt gerne und ist lesbisch. Im Juni vergangenen Jahres erzählt sie ihren Eltern davon.

Ihre Mama ist wenig überrascht und hatte schon damit gerechnet. "Ich habe sie angesehen und gesagt: 'Ok, ich liebe dich. Ich werde dich unterstützen, egal was du tust", erzählt Heather, Savannahs Mutter CNN.

Weniger Unterstützung bekam Savannah allerdings von ihrer Gemeinde. Sie gehört der Glaubensgemeinschaft der Mormonen an. Zurzeit verbreitet sich ein Video im Netz, das Savannah beim Coming-Out vor ihrer Gemeinde zeigt. (SPIEGEL ONLINE)

Sie steht am Rednerpult und nimmt all ihren Mut zusammen:

"Ich glaube, Gott hat mich bewusst so erschaffen, kein Teil von mir ist falsch. Ich habe mir das nicht ausgesucht, ich verleite niemanden dazu, lesbisch zu sein. Wer in meiner Nähe ist, wird nicht angesteckt werden. Ich glaube, dass Gott möchte, dass wir uns gegenseitig mit Güte begegnen, auch wenn manche anders sind."

Und dann sagt sie: "Ich möchte mich selbst lieben können, und möchte mich nicht dafür schämen."

Dann hört man Savannah nicht mehr. Der Kirchenleiter hat ihr Mikrofon abgestellt, bittet sie, sich zu setzen. Savannah setzt sich, der Gottesdienst geht weiter, das Getuschel geht los.

Der Leiter stellt sich ans Mikro und sagt: "Ich möchte auch sagen, dass wir alle Kinder Gottes sind und dass wir von unserem himmlischen Vater geliebt werden."

Savannah begann nach der Rede zu weinen. "Ich habe ihr gesagt, dass sie perfekt und schön ist", sagt Heather.

Offiziell heißt es, begrüße die Glaubensgemeinschaft Homosexuelle. Es sei möglich "Mormone und schwul" zu sein. Trotzdem würden Homosexuelle diskriminiert. Heather erzählte CNN, dass Homosexuelle ihre Sexualität nicht ausleben dürfen. Bereits 2015 sei sie deshalb aus der Gemeinde ausgetreten.

Freunde hatten das Video von Savannah aufgenommen und es später der Familie gegeben, schreibt CNN. Sie stellte es dem Sender zur Verfügung. Bearbeitete Versionen kursieren im Netz, zuerst erzählte Savannah ihre Geschichte auf einem LGBT-Mormonen-Podcast "I Like to Look for Rainbows."

Zur "Huffington Post" sagte Heater: "Ich möchte, dass die Kirche der Mormonen weiß, dass schwule Menschen großartig sind, sie sind genauso gut und vollkommen wie alle anderen, und sie verdienen Liebe, ein Leben lang."

Mormonentum

Die größte mormonische Kirche "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" hat mehrere Millionen Mitglieder und besteht seit 1838. Vor allem in den USA gibt es viele Mormonen. 

Es gibt strenge Verhaltensregeln: Mormonen trinken weder Alkohol noch Kaffee, leben keusch bis zur Ehe. Zehn Prozent ihres Einkommens geben Mormonen an die Kirche ab. Außerdem müssen junge Mormonen für den Glauben missionieren. 

Ehemalige Mormonen berichten, dass in der Gemeinschaft Homosexuelle und Frauen diskriminiert werden. Schwarze dürfen erst seit 1978 das Priesteramt tragen. (SPIEGEL ONLINE/ Welt/ Sueddeutsche)

Was sagt die Gemeinde?

Auch der Bischof der Gemeinde, Ludd Law, erklärt seine Sichtweise bei CNN. Er beklagt, dass das Video für politische Zwecke missbraucht worden sei. Es sei nicht autorisiert gewesen.

"Dieser Vorfall hat einige Gefühle hervorgerufen – in aller erster Linie für ein tapferes Mädchen", sagte Law in einer Mail. "Als eine Gemeinde werden wir weiter versuchen, sie zu erreichen und alles tun, was wir können, um ihr zu zeigen, dass wir sie und ihre Familie lieben."

Savannah sagt, sie habe verschiedene Emotionen gefühlt. Sie sei verwirrt gewesen, weil sie nicht wusste, was vor sich ging. Aber sie war auch glücklich, weil sie sich öffentlich vor der Kirche bekennen konnte und sich akzeptiert fühlte.

Trotzdem war sie traurig, weil sie ihre Rede nicht beenden konnte.

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