Bild: Hanna Niestegge

Queer

Queere Momente: "Auf einmal war klar, krass, du bist lesbisch"

26.05.2017, 17:52 · Aktualisiert: 20.06.2017, 15:43

Heute: Lena, 24, aus Bielefeld

Queere Momente:

Beim Finden von sexueller Identität gibt es für jeden prägende Momente. Um die soll es hier gehen - für alle, die sich selbst als "queer" bezeichnen würden. 

Als mir klar wurde, dass ich lesbisch bin...

.... bin ich gerade aus dem Bus nach der Schule ausgestiegen. Das war ein Tag im Januar. Ich war 13. Es war diesig und hat geschneit. Aber daran erinnere ich mich nur noch dunkel. Mit dem Kopf war ich schon beim Handballtraining am Nachmittag. Dann machte es irgendwie klick. Der Gedanke hat mich ganz unvorbereitet getroffen. Auf einmal war alles total klar, total präsent, total ernst. So, als hätte sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt und ich wusste: Krass, du bist lesbisch. Ich kannte damals ja nur die Vorurteile, so Wörter wie „Kampflesbe“ und „Mannsweib“. Und so wollte ich ja nicht sein.

Als ich zum ersten Mal davon erzählt habe...

... dass ich auf Frauen stehe, ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Ich wollte eigentlich schon mittags mit meiner Mutter sprechen, aber ich habe es einfach nicht geschafft. Für mich war die Tatsache, dass ich lesbisch war, schlimm. Abends in der Küche habe ich dann meinen Mut zusammengenommen. Meine Mutter hat gerade die Spülmaschine ausgeräumt und wollte danach eigentlich schlafen gehen. Das muss so 22 Uhr gewesen sein.

Als ich meine Mutter angesprochen habe, hatte ich Herzklopfen und mir war übel.

Es drückte ein Kloß im Hals. Als ich es dann gesagt hatte, lachte sie auf eine ganz herzliche Art und Weise. Ich war sofort sehr erleichtert. Meine Mutter ist damals definitiv besser damit klargekommen als ich, ich war ja erst 14. Wenn ich heute darüber rede, hab ich immer noch das Gefühl, dass Leute verwirrt sind, wenn ich von einer Ex-Freundin anstatt eines Ex-Freundes erzähle. Da kommt man immer mal wieder in Situationen, in denen man sich outen muss, weil erst einmal davon ausgegangen wird, dass man heterosexuell ist. Ich persönlich glaube, dass ein Outing niemals aufhört.

Hier siehst du, wie Menschen beim Pride in Istanbul für ihre Liebe auf die Straße gehen:

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Das erste Mal richtig verliebt...

...war ich in meine Handballtrainerin. Sie stand nicht auf Frauen. Trotzdem war sie ein Vorbild für mich, so witzig und schlagfertig, das hat mich fasziniert. Ich habe mich immer sehr aufs Training gefreut und war ganz geknickt, wenn sie mal nicht da war.

Wir hatten einen ähnlichen Musikgeschmack.

U2 mögen wir beide. Für mich war das immer besonders, die Alben mit ihr auszutauschen. Wir haben die immer gebrannt. Das war für mich immer etwas, das mich von den anderen Mädels aus der Mannschaft abgehoben hat. Es war deshalb so besonders, weil mir klar war, dass es die höchste Form der Annäherung war, die wir zueinander haben konnten.

Wenn ich jemanden kennenlernen will...

... dann warte ich einfach darauf, dass es passiert. Ich nutze kein Tinder oder andere Dating-Apps und gehe auch nicht auf Szene-Partys. Viele sagen, dass sie diese Partys gut finden, weil sie dort akzeptiert werden. Ich sehe das anders. Ich fühle mich, wenn ich zum Beispiel auf eine Indie-Party gehe, viel wohler und auch unbeobachteter. Lesbische Frauen haben auch keine anderen Codes als Heteros. Wenn man sich nett findet, dann findet man sich einfach nett. Stimmt die Chemie, da bin ich mir sicher, dann kommt auch der ganze Rest. So findet man dann auch schnell heraus, dass das Gegenüber Frauen mag.

Deine queeren Momente

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Schwierige Momente...

... gibt es für mich immer mal wieder bei der Partnersuche. Der Pool, aus dem ich fischen kann, ist klein. Da ist es sehr schwer, die richtige Frau kennenzulernen. In diesen Situationen mache ich mir schon Gedanken darüber, dass ich offensichtlich lesbisch sein muss. Ich definiere mich aber nicht darüber. Das kostet viel Überwindung, weil ich ja nie sicher weiß, ob die andere Person auch auf Frauen steht. Das belastet mich schon.

Und der schönste Augenblick war...

... als mein erzkonservativer Opa lässig darauf reagiert hat, dass ich lesbisch bin. Das hat mir gezeigt, dass man Menschen nur vor den Kopf guckt. Er hat mir damals mehr Offenheit und Toleranz entgegengebracht, als ich ihm jemals zugetraut hätte. Das hat mir gezeigt, dass mich Menschen total überraschen können. Das ist einfach ein superschönes Gefühl; auch nach fünf Jahren noch.

Lena, 24, wohnt in Bielefeld und studiert im siebten Bachelor-Semester Philosophie und Germanistik für das Gymnasial- und Gesamtschullehramt. In ihrer Freizeit trifft Lena ihre Freunde, fährt Rennrad oder geht Klettern, kocht gerne, liest und daddelt auch mal auf der PlayStation.


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