Queer

Queere Literatur: Diese 9 Romane brechen mit Geschlechternormen

25.07.2017, 11:17 · Aktualisiert: 25.07.2017, 12:30

Queer ist ein Wort mit vielen Facetten. Oft wird es schlicht als Synonym für schwul oder lesbisch verwendet. Es kann aber auch Menschen, die sich nicht im binären Mann/Frau-Schema wiederfinden, zur Beschreibung der eigenen sexuellen Identität dienen. Und manchmal wird es sogar von heterosexuellen Menschen verwendet, die sich einer bunten, offenen oder sex-positiven Gruppe zugehörig fühlen, oder sich mit den Ansichten und gesellschaftlichen Forderungen solcher Gruppen identifizieren. Kurz: 

Queer darf sich nennen, wer sich queer fühlt – eben anders.

Was aber nicht heißt, dass man über das Thema nicht heiß diskutieren kann. Die theoretischen Grundlagen für schöne Streitgespräche findest du zum Beispiel in Judith Butlers Unbehagen der Geschlechter (Im Original: Gender Trouble) und in Beißreflexe, einer so zeitgemäßen wie wild umstrittenen Essaysammlung von Patsy l`Amour laLove.

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Weniger theoretisch nähert man sich dem Thema am besten über Romane. Wir haben für dich neun verdammt gute rausgesucht. Mit lustigen, tragischen, erotischen, romantischen, inspirierenden Stories, die mal mitten im arabischen Frühling, mal fernab der Gesellschaft und mal im Weltall spielen. Alle mit Protagonisten aus unterschiedlichsten Kulturen und Lebensumständen, die abseits von traditionellen Rollen und Identitäten leben und lieben.

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1

Simone Meier: Fleisch (zum Buch geht's immer per Klick auf die Überschrift)

Ein Ehepaar, das sich im Alltagstrott zu verlieren glaubt, verliebt sich neu: und zwar in zwei Frauen. Die 27-jährige Lilly und ihre Mitbewohnerin Sue werden so in das Liebesdurcheinander von Max und Anna hineingezogen. Und während Anna mit der Tatsache klarkommen muss, sich das erste Mal im Leben in eine Frau – und dann noch in eine so viel jüngere – verliebt zu haben, lässt sich Sue für den Sex mit Max jedes Mal ordentlich bezahlen.

Verzwickt? Allerdings! Humorvoll und hin und wieder vulgärer als selbst Charlotte Roches Feuchtgebiete, greift der Roman Themen wie Bisexualität, Sexualität im Alter und Prostitution unerschrocken auf. Große Kaliber – aber mit Frechheit und trockenem Humor geschrieben. Eins von diesen Büchern, die man problemlos in einem Rutsch liest – und dann nochmal. 

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2

Saleem Haddad: Guapa

Der Roman beschreibt 24 Stunden im Leben des jungen Muslims Rasa. Dessen Land steckt mitten im arabischen Frühling, er selbst ist zerrissen zwischen seiner Homosexualität, seinen eigenen Wertevorstellungen und den konservativen Traditionen seiner Familie.

Sehr eindrücklich aus nicht-westlicher Perspektive geschrieben, geht es hier um die zumeist unsichtbare queere Szene in arabischen Ländern und den Mut, den es braucht, um anders zu sein und sich dabei selbst treu zu bleiben. Großartiger Lesestoff, der einen sehr nachdenklich zurücklässt.

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3

Becky Chambers: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Dieser Roman ist was für SciFi-Freunde! Eine junge Marsianerin flieht aus ihrem konservativem Elternhaus und düst dann mit lesbischen Aliens, polyamorösen Reptiloiden und jeder Menge anderer nicht-normativer Wesen durchs All.

Mehr zum Inhalt wollen wir hier gar nicht verraten – nur dass die Story das Kopfkino ordentlich ankurbelt: Stell dir mal vor, alle dürften sie selbst sein und keinen juckt's. PS: Die Autorin ist in dem Haushalt einer Astrobiologin und eines Raumfahrttechnikers aufgewachsen. Wenn das mal kein gutes Omen für eine Weltraum-Utopie vom Feinsten ist!

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4

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

In  einer Rezension heißt es über diesen Roman: "Es gibt nicht viele Bücher, die man verschlingt – und die dich verschlingen." Was auf den ersten Blick nach typisch amerikanischem Pathos aussieht, gilt für diesen Bestseller tatsächlich ohne Einschränkungen.

"Ein wenig Leben" erzählt die bewegende Lebensgeschichte eines zutiefst unglücklicken, verlorenen, aber eben auch mit aller Kraft liebenden Mannes und seinen drei besten Freunden. Wer damit leben kann, beim Lesen immer wieder in Tränen auszubrechen, und wer auch vor Themen wie Missbrauch und Selbstverletzung nicht zurückschreckt, wird diese Story lieben.

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5

Matthew Griffin: Im Versteck

In den 1940er Jahren verlieben sich zwei Männer und beschließen, geltenden Gesetzen und Konventionen zum Trotz, ein gemeinsames Leben zu führen. Um vor Verfolgung sicher zu sein, leben sie isoliert in einem abgelegenen Häuschen und lieben sich jahrzehntelang im Verborgenen, unberührt von gesellschaftlichen Entwicklungen und der Schwulenbewegung.

Erst als einer der beiden an Demenz erkrankt, kommt diese Beziehung ins Wanken, wird die Heimlichtuerei zur Gefahr, droht diese große Liebe dem Vergessen zum Opfer zu fallen. Ein Roman über die bedingungslose Liebe zweier Menschen und den Preis der Abschottung von der Gesellschaft ein starkes Buch! 

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6

Johanna Moosdorf: Die Freundinnen

Dieser Roman stellte in den 1960ern einen großen Tabubruch dar und hat heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Für ihre Liebe zu einer anderen Frau muss die Protagonistin gegen die repressive Gesellschaft und das übermächtige Patriarchat kämpfen.

Ein Roman, in dem sich Romantik, Zärtlichkeit und Aufbegehren gegen die Gesellschaft die Waage halten. Damals wie heute richtig spannender Lesestoff.

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7

Julie Maroh: Blau ist eine warme Farbe

Literatur in Bildern und eine der schönsten Graphic Novels, die wir kennen. Diese Coming-of-Age und Coming-Out-Geschichte über die Liebe von Clementine und Emma ist vor allem durch den mehrfach ausgezeichneten Film (hier auf DVD) bekannt geworden.

Falls du bisher aber nur den Film kennst, werden dich einige Wendungen im Comic überraschen. Tipp: Unbedingt in gedruckter Form (und nicht als eBook) lesen!

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8

Josef Winkler: Das wilde Kärnten

Dieses Buch ist was für hartgesottene Literaturliebhaber. Mit phantasievoller, alle linguistischen und gesellschaftlichen Konventionen sprengender Sprache erzählt der Autor von seiner Kindheit auf dem Land, seinem dominanten Vater und der bigotten Enge katholischer Dorfgemeinschaften.

"Das wilde Kärnten" ist ein Roman, den du normalerweise auf keiner Queer-Liste finden wirst. Er handelt nicht nur vom sexuellen Anderssein, er ist ein einziger Aufschrei des Außenseitertums gegen die Enge gesellschaftlicher Konventionen und Normen.Viel zu intensiv und anstrengend fürs Mal-Zwischendurch-Lesen, aber ein echter literarischer Leckerbissen, den du entweder hassen oder lieben wirst.

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9

Jeffrey Eugenides - Middlesex

Hermaphrodismus, Inzest, Generationen-Konflikte, Rassismus, Prohibition, Familienbande... dieser unerhörte Roman beinhaltet all das und mehr. Der Ich-Erzähler führt dich durch die ungewöhnliche Geschichte einer Einwanderer-Familie zwischen 1922 und 1975 und beschreibt dabei die Transformationen „vom Griechen zum Amerikaner, vom Mädchen zum Jungen, vom Kind zum Erwachsenen".

Das mal komische, mal mitreißende Buch wurde unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und zählt zu einem der bedeutendsten Romane des 21. Jahrhunderts.

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Bei diesen schönen Büchern sollte doch was dabei sein, das sich für dich zu bestellen lohnt.

Wer aber jetzt gleich mehr zu queeren Themen lesen möchte, kann ja in unserer Reihe "Queere Momente" reinschauen, in der Menschen von den Situationen erzählen, die sie beim Finden ihrer queeren Identität am meisten geprägt haben:

Grace Guthrie
Neele Schuhmann
1/12

Today

Mallorca verbietet blutige Stierkämpfe

25.07.2017, 08:20

Was ist passiert?

Gute Nachricht für Tierschützer: Auf Mallorca und anderen Balearen-Inseln gibt es nun schärfere Regeln für den traditionellen Stierkampf. Die Stiere dürfen im Ring ab jetzt weder verletzt noch getötet werden. Stattdessen sollen nur noch drei Stiere für je zehn Minuten durch die Arenen gejagt werden. Das beschloss das Regionalparlament der Inselgruppe am Montag mit deutlicher Mehrheit. (Europapress)