Bild: Fredrik von Erichsen / dpa

Queer

In Tschetschenien wurden offenbar Hunderte schwule Männer verschleppt

02.04.2017, 15:41 · Aktualisiert: 02.04.2017, 16:58

Homosexuelle müssen um ihr Leben fürchten: In der autonomen Republik Tschetschenien im Süden Russlands ist es Medienberichten zufolge zu Massenverschleppungen gekommen. (Novaya Gazeta, russisch) Über hundert Männer seien verschwunden, "in Zusammenhang mit ihrer nichttraditionellen sexuellen Orientierung". Diese Formulierung wird in Russland oft für Homosexualität verwendet, deren Existenz meist von offizieller Seite verleugnet wird.

Unter den Entführten seien auch prominente Mitglieder der tschetschenischen Öffentlichkeit, zum Beispiel zwei Fernsehmoderatoren. Drei Männer sollen bei der Verhaftungswelle gestorben sein, manche seien vor der Polizei geflohen und untergetaucht. (Süddeutsche)

Regierungssprecher Alvi Karimov bezeichnete die Berichte als "Lüge" und „einen Versuch, die Republik Tschetschenien zu diskreditieren.“ Man könne keine Menschen verhaften und töten, die nicht existierten. (Interfax, russisch)

Gerüchte über Verhaftungen und Tötungen in Tschetschenien machten unter Menschenrechtsaktivisten bereits länger die Runde. Die Moskauer Zeitung Novaya Gazeta ließ sich diese nun bestätigen, unter anderem vom russischen Geheimdienst FSB. Demnach hätten die Sittenwächter die homosexuelle Community vor allem über soziale Netzwerke aufgespürt.

Der Verband "LGBT-Network" plant zurzeit eine Notevakuation. Denn selbst, wer der Polizei entkommt, ist noch lange nicht in Sicherheit. In dem islamisch geprägten Land kommt es immer wieder zu Ehrenmorden: Geoutete Personen müssen sich nicht nur vor den Behörden, sondern oft vor ihrer eigenen Familie fürchten.

"Wenn wir hier Schwule hätten, bräuchten sich die Strafverfolgungsbehörden nicht um sie kümmern. Ihre Familien würden sie an eine Adresse ohne Rückkehr schicken."
Tschetscheniens Regierungssprecher Alvi Karimov​

Die religiösen Gruppierungen in den unruhigen Regionen des russischen Südens haben bei ihrem Vorgehen die Unterstützung Vladimir Putins. Er habe die muslimischen Anführer dazu ermutigt, "traditionelle muslimische Werte" durchzusetzen, um den islamistischen Untergrund zu vereinnahmen, schreibt die New York Times.

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