Bild: imago/Winfried Rothermel

11.04.2018, 18:31 · Aktualisiert: 11.04.2018, 18:35

Und auch Singles und Muslime!

Die Diakonie Düsseldorf hat am Montag eine Kampagne gestartet, in der sie mit einem schwulen Paar um Pflegeeltern wirbt. (Queer.de)

"Wir haben ein Leben verändert. Ben (33) und Michael (39), Pflegeeltern" steht auf dem Plakat, daneben das Bild von zwei Männern, die sich lachend in den Armen liegen. Ben und Michael kümmern sich seit anderthalb Jahren um einen kleinen Jungen, den das Jugendamt nach üblen Gewalterfahrungen von seinen Eltern weggeholt hat.

Was steckt hinter der Kampagne?

Die Diakonie Düsseldorf sucht dringend Menschen, die sich um ein Pflegekind kümmern. Momentan verzeichnet sie 300 Pflegeeltern bei 450 Pflegekindern in Düsseldorf und Umgebung. (Westdeutsche Zeitung) Die Kampagne soll gezielt Menschen ansprechen, die nicht in der traditionellen Mutter-Vater-Kind-Familienform leben.

In dem Begleittext zur neuen Kampagne auf der Webseite der Diakonie heißt es über das Profil der Pflegeeltern:

Dabei ist es uns nicht wichtig, ob Sie alleine oder ein Paar sind. Ob Sie in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben oder als Mann und Frau verheiratet sind. Vielleicht sind Sie muslimischen Glaubens oder nicht religiös? Wir wollen Vielfalt!

Lediglich Menschen, die unter lebensbedrohlichen Krankheiten leiden und einschlägige Einträge im Führungszeugnis vorweisen, sind von der Suche ausgeschlossen.

Dürfen Homosexuelle rechtlich überhaupt Pflegeeltern sein?

Ja. Seit die Ehe für alle im Bundestag beschlossen wurde, dürfen homosexuelle Paare auch Kinder adoptieren. (bento)

Zwischen Adoptiveltern und Pflegeeltern gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied: Pflegeeltern haben nicht das Sorgerecht für ihr Pflegekind, Adoptiveltern schon. (BMFSFJ)

Ist es außergewöhnlich, dass die Diakonie mit Homo-Paaren und für Vielfalt wirbt?

Ein bisschen schon. Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirche. Und die Kirche wiederum ist nicht gerade bekannt dafür, dass sie sich für die Rechte Homosexueller einsetzt. Beispielsweise stand der Verein "Offensive Junger Christen" (OJC) – der Teil der evangelischen Kirche ist – schon öfters in der Kritik, weil er homophobe Positionen vertritt. Eine Ärztin der OJC behauptete etwa 2012, dass Schwulsein heilbar sei und pathologisierte damit Homosexualität. (SPIEGEL ONLINE)

Es wird außerdem immer wieder in konservativen Kreisen behauptet, dass Kinder aus sogenannten "Regenbogenfamilien" Nachteile hätten, obwohl diverse Studien belegen, dass das nicht der Fall ist. (Tagesschau)

Die Diakonie wirbt mit der Kampagne allerdings nicht nur für Homo-Paare als Pflegeeltern, sondern beispielsweise auch explizit für Singles und Unverheiratete. Damit rückt sie auch andere Lebensformen als die traditionelle Kernfamilie mehr in die Normalität, die nach dem Gesetz oft immer noch benachteiligt werden. Das ist ein guter und wichtiger Schritt.


Future

So kannst du ohne Abi Ärztin werden – oder Bauingineur

11.04.2018, 17:37 · Aktualisiert: 12.04.2018, 08:21

Wie man ohne Abitur studiert.

Stundenlang im Hörsaal hocken, lauwarme Mensa-Reste essen, nächtelang an Hausarbeiten sitzen: Das geht nicht nur mit Abitur. 57.000 Menschen sind derzeit an deutschen Unis immatrikuliert, ohne sich durch Leistungskurse und Abiprüfungen am Gymnasium gequält zu haben. Die Zahl klingt hoch – die Studierenden ohne Abitur machen allerdings nur 2,6 Prozent aller Studierenden in Deutschland aus. 

Trotzdem gibt es einen Grund zur Freude, denn: Es werden immer mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Studierenden ohne Abi verdoppelt. Das deutsche Bildungssystem wird durchlässiger. Auch mit einem Realschulabschluss kann man Arzt werden. Oder Bauingenieur.

Wie funktioniert das genau?