Queer

Beim "Football Manager 2018" gibt es schwule Spieler und Coming-Outs

31.10.2017, 13:55 · Aktualisiert: 01.11.2017, 15:10

Dass sich im Fußball jemand als schwul outet, kommt nur selten vor. Als erster prominenter Spieler machte das Thomas Hitzlsperger – 2014 sagte er nach dem Ende seiner Zeit als aktiver Spieler in einem Interview, dass er homosexuell sei und eine öffentliche Diskussion darüber voranbringen wolle (Zeit Online).

Die Diskussion, die es schon lange gibt, kam wieder: Nach dem Interview sah sich die Fußballbranche erneut mit dem Vorwurf der Homophobie konfrontiert, mit dummen Sprüchen in der Kabine und mit der Frage, ob ein Outing die Karriere eines Spielers gefährdet.

Trotzdem bekannte sich nach Hitzlsperger kein weiterer erfolgreicher Fußballspieler zur Homosexualität. Das Thema geriet wieder in den Hintergrund – bis jetzt.

Denn nun verriet das Entwicklerstudio Sports Interactive, dass der kommende "Football Manager 2018" erstmals ein Coming-Out-Feature für schwule Fußballer bieten wird (PC Games).

Szene aus "Football Manager"

Szene aus "Football Manager" (Bild: Football Manager / YouTube-Screenshot)

In dem Spiel, das seit 2004 auf dem Markt ist, schlüpft der Spieler in die Rolle eines Managers: Er plant Spielertransfers, verwaltet den Kader und den Trainerstab, sorgt sich um die taktische Einstellung der Mannschaft und ist verantwortlich für sonstige finanzielle Geschäfte des Vereins.

Und im neuen Ableger, beim "Football Manager 2018", geht es nun auch um Homosexualität. Im Spiel erhält der Spieler vor dem PC nach dem Zufallsprinzip eine Nachricht, dass sich einer seiner Kicker geoutet hat – allerdings kein echter Fußballer wie Neymar oder Ibrahimović, sondern ein virtueller Spieler (Gamestar).

"Diese Nachricht wird nicht jeder Spieler erhalten", sagte Miles Jacobsen von Sports Interactive der BBC.

"Es ist selten, aber wir wollen dennoch, dass es als was Positives angesehen wird. Wir wissen, dass es noch immer Profis gibt, die sich nicht als schwul oder lesbisch outen möchten. Wir möchten zeigen, dass ein Coming Out keine große Sache ist und es sogar etwas Gutes sein kann."

Deswegen steigen nach der Nachricht über ein Outing eines Mannschaftsmitgliedes kurze Zeit später die Einnahmen des Clubs – weil der Zuspruch der LGBT-Community gewachsen ist, verdient der Verein mehr Geld.

Wir möchten zeigen, dass ein Coming-Out keine große Sache ist
Miles Jacobsen, Sports Interactive

Es ist nicht das erste Mal, dass es beim "Football Manager" auch um gesellschaftsrelevante Themen geht: In einer früheren Version thematisierte das Spiel beispielsweise den Brexit.

Der Spieler vor dem PC konnte sich entscheiden, ob ausländische Spieler wegen des Austritts aus der EU keine Arbeitserlaubnis in England bekommen (Gamestar).

Die Outing-Nachrichten sollen die Spieler jetzt dazu bringen, sich mit Homosexualität im Fußball auseinanderzusetzen.

Das mag eine intelligente Werbe-Idee sein, die der neuen Version zum Verkaufsstart am 10. November mehr Käufer bringen soll. Oder ein ernst gemeinter Beitrag in der Diskussion um Schwule beim Fußball, ein Beitrag, der weiter Hemmungen abbauen und das Bewusstsein schärfen soll.

Zumindest um durch die Aktion verlorene Käufer werde das Gaming-Unternehmen nicht trauern, sagte Miles Jacobsen: "Wer sich entschließt, das Spiel deswegen nicht zu kaufen, der tut mir ehrlich Leid."

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Today

"House of Cards" wird nicht fortgesetzt

31.10.2017, 11:23 · Aktualisiert: 01.11.2017, 15:10

Mit den Vorwürfen gegen Kevin Spacey soll das nichts zu tun haben

"House of Cards" ist eine der beliebtesten Serien unserer Zeit, oft wird das Polit-Drama als Vorbild einer neuen Form von Serien-Machen hervorgehoben. Mit dem Ende der sechsten Staffel soll die Serie nun eingestellt werden, wie der Streamingdienst Netflix am Montag mitteilte.

Warum ist das wichtig?

Zeitlich fällt diese Bekanntmachung genau mit einem anderen Ereignis zusammen. Kurz zuvor waren Missbrauchsvorwürfe gegen Hauptdarsteller Kevin Spacey bekannt geworden. Der heute 46 Jahre alte Schauspieler Anthony Rapp sagt, Spacey habe ihn 1986 nach einer Party in sein Bett geholt und dem damals 14-Jährigen sexuelle Handlungen angeboten.

Spacey reagierte daraufhin mit einem Tweet, in dem er schreibt, sich an nichts mehr erinnern zu können. Gleichzeitig outete er sich und gab an, von nun an offen als schwuler Mann leben zu wollen. Dass Spacey diese beiden Punkte in seinem Statement verknüpfte, sorgte für viel Kritik. (bento)