Queer

"Wie alle anderen, die sich lieben." Endlich gibt es die Ehe für alle!

01.10.2017, 20:31 · Aktualisiert: 01.10.2017, 20:41

Wir haben mit Paaren in Hamburg gefeiert <3

Der Hochzeitsmarsch ertönt, 15 Paare laufen in den Festsaal des Hamburger Rathauses ein. Sie sind überglücklich, die Umstehenden jubeln und schwenken Fähnchen. Regenbogenfähnchen. Heute ist ein besonderer Tag für alle Anwesenden.

Denn: Seit Sonntag, dem 1. Oktober 2017, dürfen in Deutschland endlich gleichgeschlechtliche Paare heiraten.

Jetzt heißt es also Schluss mit "Eingetragener Lebenspartnerschaft" und vorbei mit dem Kampf um jedes kleine Recht, das anderen Familien zusteht.

Endlich ist Liebe gleich Liebe – und Ehe gleich Ehe.

Ein historischer Tag, der gefeiert werden muss. Sogar die sonst eher behäbigen Behörden haben sich etwas Besonderes überlegt.

Obwohl sonntags eigentlich keine Standesämter öffnen, haben einige eine Ausnahme gemacht. So zum Beispiel in Hannover, wo nun das Paar die Ehe geschlossen hat, das vor 16 Jahren die erste Eingetragene Lebenspartnerschaft einging (NDR). Oder in Berlin, wo sich elf Paare in Kreuzberg und Schöneberg das Jawort gaben (Tagesspiegel).

In Hamburg öffnete zu diesem schönen Anlass das Rathaus.

15 Paare wurden dort getraut, in kleinen, persönlichen Zeremonien mit ihren Freunden und Familien. Hinterher lud Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank von den Grünen, zum feierlichen Empfang.

(Bild: Axel Heimken/dpa)

Wir waren dabei und haben mit den Paaren über ihren besonderen Tag gesprochen.

Lilian (26) und Cindy (25)

(Bild: bento)

Als der Bundestag am 30. Juni die Ehe für alle beschloss, waren es nur noch wenige Wochen bis zu ihrem Termin beim Standesamt. Damals allerdings noch für eine Eingetragene Lebenspartnerschaft. Die Party war geplant, die Gäste eingeladen. Absagen war keine Option. Also haben sich Lilian und Cindy einfach entschlossen, am 1. Oktober noch mal zu heiraten. Dieses Mal als richtige Eheleute.

"Bevor die Entscheidung des Bundestages kam, ging für mich nie das Gefühl weg, unsere Beziehung würde immer anders gesehen als die anderer Menschen. Wir haben auch oft Sätze gehört wie 'Ihr seid verlobt? Wie geht das denn?' Mir war es sehr wichtig, dass wir endlich als ganz normales Ehepaar gesehen werden."

Das sagt Lilian. Cindy war es wichtiger, ihre Verbindung überhaupt offiziell zu machen. Egal, unter welchem Label:

"Man muss mit dem zurechtkommen, was es gibt. Vorher war es eben die Eingetragene Lebenspartnerschaft. Dadurch wollte ich mich aber nicht vom Heiraten abhalten lassen. Dass wir jetzt die Ehe schließen können, macht es aber noch schöner!"

Den Antrag hat Lilian im vergangenen Jahr während eines Urlaubs in Wien gemacht. Sie war so nervös, dass sie den Zeitpunkt immer weiter hinauszögerte. Als es endlich soweit war, war es schon so dunkel, dass Cindy den Ring gar nicht mehr sehen konnte. Es hat aber – wie man sieht – trotzdem geklappt.

Tobias (34) und Jan (37)

"Wir sind seit sieben Jahren zusammen und waren bereits in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft – aber dieser Tag bedeutet uns sehr viel! Wir haben extra 20 Freunde mitgebracht, mit denen wir heute noch richtig feiern werden!", sagt Jan.

Caro (36) und Inga (31)

"Wir haben uns 2010 bei einer Frauenparty auf St. Pauli kennengelernt. Es war der Tanz in den Mai im Café Keese. Wir mochten uns, haben uns danach aber erst mal nicht wiedergesehen. Erst über eine gemeinsame Freundin hatten wir wieder Kontakt. Und dann ging alles sehr schnell: Nach zwei Monaten sind wir zusammengezogen – ein richtiges Lesben-Klischee!", sagt Caro und lacht.

Die beiden haben vier gute Freunde dabei. Für eine große Feier und Familieneinladungen war keine Zeit: Alle Paare haben erst vor vier Wochen erfahren, dass sie für den besonderen Empfang im Rathaus ausgewählt wurden. Die beiden genießen den Tag sichtlich, nehmen sich immer wieder in den Arm.

"Es bedeutet uns sehr viel, weil wir jetzt endlich nichts 'Besonderes' mehr sind", sagt Inga. "Eben wie alle anderen Paare, die sich lieben."
"Trotzdem wissen wir, dass es gesellschaftlich noch ein sehr weiter Weg ist, bis Paare wie wir komplett akzeptiert sein werden", fügt Caro hinzu.

Alfred (88) und John (82)

(Bild: Axel Heimken/dpa)

Die beiden Männer bekommen an diesem Sonntag die größte Aufmerksamkeit. John und Alfred haben sich zum dritten Mal füreinander entschieden: 1999 gingen sie die sogenannte "Hamburger Ehe" ein – mehr symbolkräftig als gleichberechtigend. Wenige Jahre später folgte die Eingetragene Lebenspartnerschaft, heute nun die Ehe.

Alfred und John sind bereits seit 56 Jahren ein Paar und haben schon sehr viele schwierige Zeiten gemeistert. Als sie zusammenkamen, war Homosexualität noch illegal. Das erste Mal, dass sie sich in der Öffentlichkeit küssten, war 2001 am Hamburger Dammtorbahnhof – nach 40 Jahren Beziehung.

"Der heutige Tag war für mich überwältigend", sagt Alfred.

"Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass das heute möglich ist", sagt John.

Isabelle (34) und Stephanie (34)

(Bild: bento)

Stephanie und Isabelle freuen sich über die Ehe für alle und über alle rechtlichen Fortschritte, die sie bringt. Trotzdem gibt es ihrer Meinung nach noch viel zu tun.

"Es ist wirklich toll, dass es für Männer nun einfacher ist, Kinder zu adoptieren. Nur für Frauen muss sich das noch ein wenig ändern. Ich musste zum Beispiel das leibliche Kind meiner Frau adoptieren. Zusammen gleich als Eltern zu gelten, ging nicht. Und das ändert sich auch nicht durch das neue Gesetz", sagt Isabelle.

Today

Mit der AfD umgehen, die Pille hinterfragen, sich selbst bereisen – Lenis Storys der Woche

01.10.2017, 19:58 · Aktualisiert: 01.10.2017, 19:58

Jede Woche stellt ein Mitglied der bento-Redaktion seine persönlichen Highlights der Woche vor. Dieses Mal: Leni.

Die Woche begann mit einem Knall: Am Sonntagabend stand fest, dass zum ersten Mal eine rechtspopulistische (und in Teilen sogar offen rechtsradikale) Partei in den deutschen Bundestag einzieht.

Und damit stand auch fest: 12,6 Prozent der (wahlberechtigten) Deutschen vertreten Ansichtenwie, dass Deutschland überfremdet wird, oder dass Schüler nichts über Homosexualität lernen sollten.

Wie soll man damit umgehen? Das war die Frage, die sich viele von uns nach diesem Wahlergebnis stellten.

Unsere Kollegin Eva Horn hat darauf eine Antwort gefunden – oder besser gesagt: ganze acht Antworten. 

Vom Parteieintritt zum Ehrenamt: Ihre Liste zeigt, dass man gerade alles Mögliche tun kann. Nur nicht verzweifeln.