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Queer

"Wir sind richtig, so wie wir sind"

10.09.2017, 14:31 · Aktualisiert: 11.09.2017, 13:41

6 Menschen erzählen von ihren queeren Momenten

Bunte Wimpel, liebevoll gestaltete Zelte und grünes Wiesenidyll: Das ist das lila., ein queeres Festival in der Schweiz. Organisiert wird das lila. von der Milchjugend, einer Jugendorganisation für lesbische, schwule, trans, bi- und asexuelle. Oder – um es etwas provokanter zu sagen – für "falschsexuelle Welten". So steht es auf der Website.

So sieht es dort aus:

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Verschiedenste Künstler treten über das Wochenende auf: Poetry-Slammer aus der Schweiz, internationale Künstler aus London, Österreich und Schweden und auch Rapperin Sookee war dabei.

Wozu ein queeres Festival?

"Es geht nicht nur um den Kampf gegen Diskriminierung, es geht auch darum zu zelebrieren, wer wir sind und wie gern wir uns haben", sagt Anna von Milchjugend.

Anna von Milchjugend hat das lila. mitorganisiert.

Anna von Milchjugend hat das lila. mitorganisiert. (Bild: bento)

Es geht darum zu feiern, dass wir richtig sind, so wie wir sind.
Anna

Im Alltag habe man viel auszuhalten: Blicke, blöde Sprüche – das Festival soll deshalb ein geschützter Raum sein. Bis Sonntagnachmittag wird hier gefeiert.

Wir waren auf dem Festival unterwegs und haben die Besucher gefragt, was ihr wichtigster queerer Moment war.

Serafine, 20, und Nicolas, 22, Studenten aus Zürich:

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Serafine

Nicolas war mein wichtigster queerer Moment. Er hat sich an der Schule geoutet, als er 14 war. Damals war ich 12. Er hat mir eine ganz neue Welt eröffnet. Mir war plötzlich klar: Es gibt mehr als nur Heterosexualität.

Mir war plötzlich klar: Es gibt mehr als nur Heterosexualität.
Serafine

Ich glaube, ohne ihn hätte ich mich nicht getraut so viel auszuprobieren. Ich habe auch mit meinen Eltern darüber gesprochen, die sehen das locker. Die haben selbst schon viel ausprobiert.

Nicolas

Ich wusste schon sehr früh, dass ich auf Typen stehe und deshalb habe ich es in der Schule einfach gesagt. Zuerst nur ein paar Kollegen, am nächsten Tag wusste es die ganze Stufe und zum Schluss die ganze Schule. Das waren etwa tausend Leute!

Viele Schüler haben mich via Facebook angeschrieben und wollten Rat von mir haben. Sie wollten wissen, wie sie mit ihrer Sexualität umgehen sollen. Das fand ich schon toll.

Generell halte ich nicht so viel von den Einteilungen "schwul" und "lesbisch". Ich denke einfach nicht, dass es wichtig ist sich da festzulegen. Klar, ich weiß, dass ich auf Männer stehe. Aber ich schließe nicht aus, dass ich auch auf Transgender oder Frauen stehen könnte, ich habe damit noch keine Erfahrungen gemacht.

Florian, 22, Auszubildender beim Militär, aus dem Argau:

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Mein wichtigster queerer Moment war ein Konzert vom Sänger Troye Sivan. Er hat immer wieder während des Konzertes gesagt, dass er schwul ist und alle haben gejubelt. Ich habe mich so willkommen gefühlt. Das war wirklich schön.

Mein eigenes Coming-out hatte ich mit 19 Jahren. Ich hatte schon früher was mit einem Mann gehabt, habe das damals aber nicht so richtig ernst genommen. Ich habe einfach nicht mehr daran gedacht. Irgendwann wurde mir richtig klar, dass ich auf Männer stehe. Deshalb habe ich es auch meiner Mutter gesagt. Sie hatte damit kein Problem.

Purse, 25, Mechaniker aus Winterthur:

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Mein wichtigster Moment war vor etwa eineinhalb Jahren, als meine Schwester zu mir gekommen ist und gesagt hat: Ich habe eine Freundin. Ich sagte dann zu ihr: Und ich steh auf Typen.

Das war so lustig. Meine Eltern wissen es aber nicht und die müssen es auch nicht wissen.

Mira, 22, Studentin aus Baden:

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Ich habe hier erfahren, dass es okay ist, anders zu sein. Und das nicht nur im sexuellen Sinne.
Mira

Bei mir war es der Übertritt von der Grundschule zum Gymnasium. Das Gymnasium war sehr freigeistig. Ich habe hier erfahren, dass es okay ist, anders zu sein. Und das nicht nur im sexuellen Sinne. Es ist auch ok, wenn man keine Popstars mag und nicht die gleichen Gesprächsthemen hat, wie alle anderen.

Mit meiner besten Freundin zusammen habe ich gelernt, dass es nicht nur Heterosexualität gibt. Wir haben sehr viel darüber gesprochen.

Cora, 22, Studentin aus Baden:

(Bild: bento)

Mein wichtigster queerer Moment war mit 17, als ich im Sprachurlaub in Spanien eine Frau geküsst habe, weil ich sie wirklich mochte und mich zu ihr hingezogen gefühlt habe.

Zuvor hatte mich ein Freund gefragt, ob ich bisexuell sei. Das habe ich vehement verneint. Als es dann zu dem Kuss mit der Frau kam, da konnte ich meine Queerness zum ersten Mal annehmen. Danach habe ich mich geoutet. Alle haben toll reagiert. Die einzigen Probleme, die ich bisher hatte, hatte ich mit mir selbst. Und ich habe diese Momente immer noch. Ich muss mir dann immer wieder sagen, dass ich gut bin, so wie ich bin. Und dass ich so sein darf.

In der queeren Szene zu sein hilft mir unheimlich. Obwohl ich mit der Festivalkultur hier nichts anfangen kann. Ich bin ein Metal-Head und liebe es zu headbangen oder im Moshpit zu sein. Und trotzdem komme ich immer wieder in die queere Community, weil es mir guttut: Man lernt voneinander, man sieht, dass es anderen ähnlich geht.


Today

Diese rassistische Mail will AfD-Kandidatin Alice Weidel nicht geschrieben haben

10.09.2017, 12:04

"Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermächte"
  • "Systematische Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft", "kulturfremde Völker" überschwemmen Deutschland und die Regierung "Marionetten der Siegermächte": Was klingt wie die Rede eines Verschwörungstheoretikers soll aus einer Mail stammen, die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel geschrieben haben soll.
  • Die Mail aus dem Jahr 2013 liegt der "Welt am Sonntag" vor und soll aus dem ehemaligen Bekanntenkreis der AfD-Kandidatin kommen. Damals war Weidel noch nicht Mitglied der AfD, engagierte sich aber bei deren Vorläufer "Wahlalternative 2013". 
  • Der Text stamme nicht von ihr, behauptet sie. Die Anwälte schrieben, es sei falsch und rechtswidrig "öffentlich zu behaupten, unsere Mandantin habe diesen Text geschrieben, oder auch nur diesen Verdacht zu äußern."