Bild: Getty Images / bento

Queer

Weder Mann, noch Frau – aber bald schon ein Superstar

18.04.2017, 14:47 · Aktualisiert: 18.04.2017, 15:29

Er? Sie? Egal!

"Weder Mann noch Frau, bitte!" Taylor Mason ist der erste berühmte Serien-Charakter im Fernsehen, der sich dem binären Geschlechtssystem verweigert. Das Mathegenie mit dem kahlgeschorenen Kopf stellt sich seinem Chef in der Wallstreet-Serie "Billions" mit einer klaren Forderung vor: Kein "Er", "Sie" oder "Es" solle das Wunderkind beschreiben, sondern die geschlechtsneutrale Pluralform: "they, theirs and them."   

Mindestens ein Leben hat der mutige Auftritt bereits grundlegend verändert: Das Asia Kate Dillons, die*der Taylor spielt. Ein wenig, weil Asia mit "Billions" der große Durchbruch gelang. Vor allem aber, weil Asia durch Taylor gefunden hat, wonach er*sie seit Kindheitstagen auf der Suche war: eine sexuelle Identität.

Da ist diese Sprache, die etwas über mich beschreibt, das ich selbst nie wirklich beschreiben konnte.

Schon beim ersten Lesen des Scripts habe sich Asia in Taylor wiedergefunden, erzählt der*die Schauspieler*in im Interview: "Da bin ich!", habe er*sie gedacht. "Da ist diese Sprache, die etwas über mich beschreibt, das ich selbst nie wirklich beschreiben konnte."

Seitdem hat Asia ihren*seinen Online-Auftritt umformuliert. "She" wurde gestrichen und durch die englischen Pluralformen ersetzt. Auf Twitter bilden "{ they / them }" jetzt die ersten Worte ihrer*seiner Selbstbeschreibung. Ein grammatikalischer Aufstand gegen ein System, das oft nur Penis und Vulva kennt, Plus und Minus, Ja und Nein. (Asia auf Twitter

Asia Kate Dillon

Fans der Frauenknast-Serie „Orange Is The New Black“ kennen Asia Kate Dillon bereits: Sie*Er spielt in dem Cast, der für seine Vielfalt bekannt ist, die Rassistin Brandy. Im echten Leben verkörpert Asia das genaue Gegenteil. Als Chef*in der Produktionsfirma Mirror/Fire setzt sie*er sich zum Beispiel mit selbst konzipierten Theaterstücken für die Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Gefragt nach ihrem*seinem Lieblingsschauspieler antwortet Asia spontan „Leonardo di Caprio“ – auch wegen seines politischen Einsatzes fernab der Kamera. (Issue-Magazine)

Ins Deutsche ist diese Sprache nur schwer zu übersetzen, weil die dritte Person Plural mit dem weiblichen Singular "sie" identisch ist. Das Gendersternchen * oder der Gender-Gap _ sind die bisher einzigen geläufigen Zeichen, die Menschen repräsentieren, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren (TU Dortmund).  

Für viele ist die Entgrenzung des Geschlechts noch verwirrend. Die Unterteilung in männlich und weiblich ist in unserer Gesellschaft omnipräsent, eine Selbstverständlichkeit von Geburt an. Auch in "Billions" wird Taylor zwar für die Fertigkeiten als Analyst*in bewundert -  in Konflikten aber kommt es schnell zu Beschimpfungen wie „Freak“ oder "Missgeburt".  

Im wahren Leben hat Asia bessere Erfahrungen gemacht. Sie*er ist in einer progressiven Nachbarschaft in Ithaca, im Bundesstaat New York, aufgewachsen. In der Schule hätten manche Lehrer die Kinder nicht nach „Mädchen“ oder „Junge“ unterteilt – sondern einfach "kid", also "Kind", genannt. Lange, bevor sie*er konkrete Zweifel am Frausein entwickelt habe, habe sich diese Bezeichnung "immer gut angefühlt". (Evening Standard)

Manchmal zwingt das System Asia allerdings noch dazu, sich festzulegen. Gerade haben die Verantwortlichen des Senders die*den Schauspieler*in für die herausragende Leistung in „Billions“ für einen Emmy vorgeschlagen. Das Problem: Die Vergabe basiert auf dem binären Mann-Frau-System – Nominierte müssen sich zwangsweise als "Actor" oder "Actress" einordnen. Ein Fakt, der schon seit langem immer wieder kritisiert wird.

Warum soll das Geschlecht in der Kunst einen Unterschied machen?

Zum Klicken: Wie Leni Bolt gegen Geschlechterklischees kämpft:

Liel Bomberg
Katja Toenissen
Liel Bomberg
Ofer Dabush
Ofer Dabush
Ofer Dabush
Ofer Dabush
1/12
Überall wo Taylor hingeht, wird sie*er ein Vertreter für Wandel und Gespräch sein, einfach nur, weil sie*er da ist.
Asia über Taylor

Asia tauschte sich per Brief mit dem Emmy-Komitee aus und erfuhr, dass Nominierte nicht an ihr biologisches Geschlecht gebunden sind. Wegen der neutraleren Verwendung des Wortes entschied Asia sich schließlich für die Kategorie "Actor" (Variety). Auf diese Weise könnte er*sie unsere Gesellschaft im Herbst erneut ein Stück voranbringen:

Als erste Person mit nicht-binärer Geschlechtsidentität, die für eine nicht-binäre Rolle mit dem wichtigsten Fernsehpreis der USA ausgezeichnet wird.

Die MTV Movie and TV Awards verabschieden sich in diesem Jahr bereits komplett von den Geschlechterkategorien und vergeben Auszeichnungen rein nach Leistung (Time). Vielleicht werden andere bald folgen – nicht zuletzt wegen Beispielen wie Asia Kate Dillon. Was Asia selbst über seine*ihre Rolle Taylor sagt, trifft nämlich auch gut auf Asia zu: "Überall wo Taylor hingeht, wird sie*er ein Vertreter für Wandel und Gespräch sein, einfach nur, weil sie*er da ist." (ThinkProgress)


Today

Brexit-Ärger: Briten sollen am 8. Juni Parlament neu wählen

18.04.2017, 12:41 · Aktualisiert: 18.04.2017, 14:06

Was ist passiert?

Premierministerin Theresa May hat eine Neuwahl des britischen Parlaments angekündigt. Am 8. Juni soll das Unterhaus neu gewählt werden. Das teilte May an ihrem Londoner Amtssitz mit ("The Guardian").