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Gerechtigkeit

In Sachsen schlagen sich Rechte und Flüchtlinge. Wer ist Opfer, wer Täter?

18.01.2018, 18:53 · Aktualisiert: 19.01.2018, 08:23

Seit Tagen geistern Berichte aus der sächsischen Kleinstadt Wurzen durchs Netz. In dem Örtchen bei Leipzig sind Deutsche und Flüchtlinge aneinandergeraten, es gibt mehrere Verletzte. Doch wer Opfer und wer Täter ist, ist völlig ungeklärt. Die Fakten zu Wurzen im Überblick.

Was ist passiert?

Alles begann bereits am vergangenen Freitag. Eine Gruppe von rund 30 jungen Deutschen war mit einer kleineren Gruppe Ausländer aneinandergeraten. Der Streit verlief laut der Polizei in mehreren Etappen:

  1. In einem Park am Bahnhof von Wurzen hatten sich die Gruppen zunächst gestritten. Dann zogen sich die Asylbewerber in ihre nahe gelegene Unterkunft zurück, ein Wohnhaus für Flüchtlinge.
  2. Zwei Deutsche griffen daraufhin das Wohnhaus an, randalierten und beschädigten eine Scheibe.
  3. Als die Asylbewerber sich erneut zur Wehr setzen wollten, vergrößerte sich die Gruppe der Deutschen auf etwa 30 Personen.
  4. Daraufhin bewaffneten sich die Flüchtlinge mit Messern und Knüppeln, auch ein Elektroschocker soll zum Einsatz gekommen sein.

Die Bilanz der Konfrontation: Zwei Deutsche wurden durch Messerstiche am Oberschenkel schwer verletzt, drei Asylbewerber wurden leicht verletzt. Die Polizei musste den Streit mit einem Großaufgebot auflösen. (Leipziger Volkszeitung)

Wie bewertet die Polizei die Ereignisse?

Die Beamten schließen einen extremistischer und rassistischer Hintergrund derzeit nicht aus, Ermittlungen werden wegen besonders schwerem Landfriedensbruch geführt. Der Staatsschutz ist ebenfalls eingeschaltet. Vor Ort stellten die Beamten die Identitäten der Beteiligten fest. Festgenommen wurde aber zunächst niemand.

  • Noch ist unklar, was die Situation so eskalieren ließ.

Ebenfalls unklar ist, wer für welche Angriffe verantwortlich ist. Was bislang feststeht: Es ist nich das erste Mal, dass es Ärger gab. Im vergangenen Juni hatten sich Rechte nach einem Facebook-Aufruf versammelt und versucht, eine Flüchtlingsunterkunft zu stürmen. (Leipziger Volkszeitung)

Wie wird auf Social Media darüber diskutiert?

Der Vorfall ist undurchsichtig und prädestiniert dafür, dass sowohl die rechte als auch die linke Seite ihn für sich ausschlachten. "Endlich, die Zeit des Stillhaltens und Einsteckens ist vorbei. Sachsen wehr sich", schreibt ein Nutzer bei Twitter. Ein anderer berichtet, dass im Ort rassistische Flugblätter verteilt wurden. Darauf zu lesen: "Doch wie so oft wurden die Täter (Flüchtlinge) zu Opfern gemacht. Diesem treten wir entgegen."

Ein Account namens AfD KV ABI schreibt: "#Gewalt in #Wurzen durch 'Gruppen junger Menschen.' #Lückenpresse erfindet täglich neue Umschreibungen. #Wahrheit würde Bürger verunsichern?"

Jule Nagel, Stadträtin für die Linke in Leipzig und seit September 2014 Mitglied des Sächsischen Landtags, sieht das allerdings ganz anders: "Zusammenrottung gegen #Geflüchtete in #Wurzen kein Einzelfall: Wurzen hat ein Problem mit #Rassismus." (FAZ)

Wieso wurde ausgerechnet Wurzen zum Brennpunkt?

Die Stadt hat schon seit Längerem den Ruf, ein Zentrum für Rechtsextreme zu sein. Rechte Jugendliche geraten im Wurzen immer wieder mit Ausländern aneinander. Im Netz rufen sie auf, sich "zur Wehr" zu setzen und "Rache" zu üben an den Ausländern.

Laut dem lokalen "Netzwerk für demokratische Kultur" würden die Jugendlichen immer wieder Gewalt provozieren, sagen die Ehrenamtlichen in einer Mitteilung. Vor Ort hätten sie eine Art Bürgerwehr aufgestellt, um vor angeblichen Übergriffen durch Ausländer zu schützen. Die Rechten "spielen Aufpasser", sagt Ingo Stange vom Netzwerk dem "Focus" und würden so erst Taten provozieren:

Es war nur eine Frage der Zeit, bis es richtig krachen würde.

Today

Bahn stellt wegen Orkan "Friederike" in ganz Deutschland den Fernverkehr ein

18.01.2018, 18:40 · Aktualisiert: 19.01.2018, 12:56

Ein schwerer Sturm zieht über Deutschland hinweg. Der Orkan "Friederike" hat sich bereits am Mittwoch über Großbritannien ausgetobt, nun ist er auf dem europäischen Festland angekommen.

Bisher sind mindestens acht Personen in Deutschland ums Leben gekommen, viele wurden verletzt. Die Bahn hat nun den Verkehr im ganzen Land eingestellt. Einige Städte warnen ihre Bürger davor, das Haus zu verlassen.