Gerechtigkeit

Wieder schreiben Frauen über sexuelle Belästigung – und das ist gut so!

20.04.2016, 14:22

Seit gestern trendet #WhenIWas auf Twitter. Frauen schreiben auf, wie sie in ihrer Kindheit oder Jugend sexuell belästigt oder missbraucht wurden. Ehrlich und mit Mut. Das Hashtag gibt es schon lange; neu ist, dass Frauen darunter ihre Erlebnisse mit Sexismus und sexualisierter Gewalt teilen. Bislang galt #WhenIWas vor allem normalen Kindheitserinnerungen.

Viele der Schreiberinnen berichten über Erfahrungen, die sie schon mit neun, zwölf oder 14 Jahren gemacht haben. Sie twittern über verbale Angriffe, über körperliche Attacken – und darüber, dass ihnen schon früh eingetrichtert wurde, Mädchen und Frauen seien selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt würden.

Manche fassen das Hashtag auch weiter und berichten davon, dass sie schon früh mit Alltagssexismus konfrontiert wurden:

Schon wieder ein Hashtag? Schon wieder sexuelle Belästigung?

Dass Frauen in den sozialen Netzwerken von sexualisierter Gewalt und Sexismus berichten, ist nicht neu: Im Januar 2013 startete das bisher bekannteste Hashtag #aufschrei, es folgten unter anderem #ausnahmslos, #imzugpassiert und jetzt #WhenIWas. Das mag redundant wirken, doch jede einzelne dieser Aktionen ist gut und wichtig. Denn sie zeigen uns drei Dinge:

  1. Soziale Medien geben uns allen die Möglichkeit, Themen zu setzen und so über das zu sprechen, was uns wirklich betrifft. Heute entscheiden nicht mehr irgendwelche Staatsmänner oder Chefredakteure, worüber wir uns Gedanken machen, sondern wir selbst. Das heißt nicht, dass Politik und Medien solche Debatten nicht aufgreifen und noch größer machen können. Aber sie sind nicht mehr die alleinigen Entscheider über Themen und Meinungen.
  2. Jedes Hashtag setzt andere Akzente: Unter #aufschrei wehrten sich Frauen zum ersten Mal in den sozialen Medien und traten damit eine deutschlandweite Debatte über Sexismus los. Mit #ausnahmslos wendeten sich Feministinnen nach den Silvester-Übergriffen in Köln und anderen deutschen Städten gegen die Annahme, sexualisierte Gewalt sei nur ein Problem der "Anderen". Unter #imzugpassiert berichteten Frauen von Belästigungen im Zug, also einem konkreten Teil des öffentlichen Raums. Bei #WhenIWas geht es nun um Übergriffe in Kindheit und Jugend. All diese Hashtags zeigen also, wie erschreckend vielfältig und allgegenwärtig sexuelle Belästigung ist – und dass es mit einer Debatte nicht getan ist.
  3. Natürlich kann man fragen, wie erfolgversprechend und nachhaltig eine Debatte auf Twitter oder Facebook ist – und ob es nicht sinnvoller wäre, diese Diskussionen im echten Leben zu führen, sie in die Kneipen unserer Städte und schließlich in die Parlamente zu tragen. Zumindest aber zeigt jeder neue Hashtag, dass unsere Gesellschaft nach wie vor ein Problem mit Sexismus und sexueller Belästigung hat, und dass die Auseinandersetzung damit noch lange nicht zu Ende sein darf.

Wir können also nur hoffen, dass es auch in Zukunft solche Hashtags geben wird. Und dass Frauen und Männer weiterhin bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen.


Gerechtigkeit

Was passiert, wenn ein arabischer Satiriker Trump-Anhänger verstehen will

20.04.2016, 14:22 · Aktualisiert: 21.04.2016, 17:36

Würde Donald Trump nicht US-Präsident werden wollen – er hätte auch als Autokrat in einem arabischen Staat gute Karten. Meint der Satiriker Bassem Youssef. In einem Interview hat er jetzt den Wahlkampf Trumps mit typischen politischen Verschwörungstheorien aus seinem Heimatland Ägypten verglichen. Das Ergebnis: Ob Trump oder arabischer Diktator, beide Seiten spielen mit Fremdenangst und Hetze.

Der Satiriker Bassem Youssef musste aus Ägypten fliehen. Mittlerweile lebt er in den USA und beobachtet den Wahlkampf. Jetzt wurde er von der CNN-Chefkorrespondentin Christiane Amanpour interviewt: