Bild: Getty Images/Juan Naharro Gimenez

08.03.2018, 21:06 · Aktualisiert: 09.03.2018, 08:32

Fünf Fragen an Julia, 26. Sie hat den Protest organisiert.

Sie schreien aus voller Kraft und hören nicht auf: "¡Sin nosotras se para el mundo!" – "Ohne uns steht die Welt still!" In fast allen spanischen Städten ist am Donnerstag dieser Schlachtruf ertönt. Hunderttausende Frauen sind in Spanien zum Weltfrauentag auf die Straße gegangen.

Kindergärtnerinnen, Journalistinnen, Verkäuferinnen legten ihre Arbeit nieder. Sogar die Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen. Glaubt man ihnen, beteiligten sich insgesamt 5,3 Millionen Frauen am Ausstand.

Das Resultat: Hunderte Züge fielen aus, Straßen wurden blockiert, viele Schulen und Unis blieben geschlossen.

Auch in den Medien gab es kaum ein anderes Thema, Fernsehsender berichteten live. In den Studios saßen oft nur Männer. Die Frauen streikten ja. In keinem anderen Land der Welt zog der Kampf der Frauen für Gleichberechtigung so viel Aufmerksamkeit auf sich.

Reuters
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dpa
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Wir haben mit Julia Cámara gesprochen.

Die 26-Jährige ist eine der Organisatoren des Streiks, in Saragossa ging sie am Donnerstag den ganzen Tag auf die Straße, blockierte Läden und Straßen.

(Bild: Julia Cámara)

Julia, der Streik dauert noch bis in die Nacht. Wie ist die Lage?

"Die größte Demonstration liegt noch vor uns, aber schon jetzt ist der Streik ein unglaublicher Erfolg. Am Morgen sind wir mit unserer Gruppe losgelaufen und durch die Läden gezogen, um Arbeiterinnen zu motivieren, uns anzuschließen.

Als wir dann zu den Schülerinnen stießen, bildeten Hunderte ein Spalier. Wir sind durch die Menge gelaufen. Links und rechts schrieen die Frauen 'Arbeiterinnen und Schülerinnen – einig und vorwärts!' Das war ein sehr emotionaler Moment für mich."

Manifestación estudiantil en Zaragoza

Manifestación estudiantil en Zaragoza este 8M

Posted by AraInfo / Diario Libre d'Aragón on Thursday, March 8, 2018

Warum habt ihr gestreikt und nicht nur demonstriert?

"Ohne uns würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Viele Frauen kommen von der Arbeit nach Hause und arbeiten weiter. Auch im Haushalt streiken wir heute. Deswegen ist das hier nicht nur ein Arbeitskampf oder eine Demo.

Es ist ein feministischer Generalstreik, der erste in der Geschichte Spaniens!

Wir wollten sichtbar machen, was wir Frauen wirklich alles leisten: Wir haben prekäre Arbeitsplätze, wir verdienen weniger, Männer tun uns Gewalt an."

Eine Demo kann das nicht verändern, wir mussten zu anderen Mitteln greifen.

Habt ihr das geschafft?

"Wir haben sogar uns selbst überrascht. Ich war in den Vierteln am Rande der Stadt, habe mit etwas älteren Frauen gesprochen, die sonst nicht zu feministischen Demos gehen. Diese Frauen wissen natürlich, dass sie jeden Tag kochen. Sie haben das akzeptiert. Aber sie gehen auch jeden Tag auf den Markt und kaufen ein. Und so geht das mit ganz vielen Dingen. Das ist einigen Frauen heute zum ersten Mal klar geworden."

Auch in anderen Ländern haben Frauen demonstriert. Aber nur in Spanien streikten so viele Frauen.

"Ja, irgendwie lag in den vergangenen Monaten schon etwas in der Luft. Die feministischen Demos sind schon länger die mit den meisten Teilnehmern. Und heute habe ich unglaublich viele junge Frauen gesehen, viele 16-jährige Schülerinnen.

(Bild: dpa/AP/Alvaro Barrientos)

Sie haben die großen Demos gegen die Sparpolitik 2011 nicht mitgemacht, dafür sind sie noch zu jung. Aber sie haben sich politisiert – und zwar nicht wie meine Generation aufgrund von sozialen Fragen.

Das Empörungspotenzial in Spanien ist ja seit Jahren groß. Erst gab es 2011 Massendemos gegen die Sparpolitik; die haben nichts gebracht. Dann sind neue Parteien entstanden, die die Wut ins Parlament tragen sollten, vor allem Podemos. Auch die haben aber wenig bewegt.

Jetzt entzündet sich der Protest vor allem junger Frauen an Fragen der Gleichberechtigung.
Julia

Dazu kommt ein Bewusstseinswandel: Die Gewalt von Männern gegen Frauen ist immer noch ein Problem, aber sie wird jedes Jahr ein bisschen weniger toleriert. Es gibt reichlich Kampagnen, das Problem wird thematisiert. Das hat zu einem Klima geführt, in dem selbst Frauen, die normalerweise nicht auf solche Demos gehen, erkannt haben: 'Ja, das betrifft auch mich.' Nur so kann ich mir den enormen Erfolg heute erklären."

(Bild: Reuters/Jon Nazca)

Und jetzt, wie geht es weiter?

"Der heutige Tag ist ja nur eine Ausrede! Eine Ausrede, um den Konflikt zuzuspitzen, um zu zeigen, was jeden Tag passiert. Und eine Ausrede, um Banden zu bilden.

Als wir die Demo organisiert haben, kamen Menschen per Flugzeug von den Kanaren, um sich mit uns zu besprechen. Plötzlich waren Hunderte Frauen aus ganz Spanien in meiner Stadt und wollten besprechen, wie wir den Streik aufziehen.

Nächstes Jahr werden wir noch mehr sein.
Julia

Dieser Streik hat ganz vielen Frauen Kraft und Hoffnung gegeben, die vorher isoliert waren."

Und so haben Frauen in Deutschland demonstriert:


Gerechtigkeit

Hier sind die besten Plakate, mit denen Frauen für Gerechtigkeit kämpfen

08.03.2018, 19:10 · Aktualisiert: 08.03.2018, 19:38

Wir waren bei der Demo in Hamburg.

Sechs Grad und Nieselregen – aber auf dem Hamburger Gänsemarkt stehen rund 200 Demonstranten und wollen mehr. Zum Weltfrauentag haben sie sich versammelt, um ein Zeichen für Gleichberechtigung zu setzen. Ihre Demo stand unter dem Motto: