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Bild: Getty Images / Franco Origlia

Gerechtigkeit

Der Papst und die Frauen: Was hat sich dank Franziskus für Frauen in der Kirche geändert?

04.03.2016, 11:23 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Zu wenig.

Im Vatikan entscheiden alte Männer, seit Jahrhunderten schon. Mit der Papstwahl von Franziskus vor drei Jahren, am 13. März haben viele Katholikinnen auf deutliche Reformen gehofft. Wirklich Großes hat sich seitdem nicht verändert.

Wie steht Franziskus zu den Frauen?

Seine Jugendliebe: "Wenn ich dich nicht heirate, werde ich Priester"

Franziskus' erste große Liebe hieß Amalia Damonte. Damals trug der Papst noch den Namen Jorge Mario Bergoglio und lebte in Buenos Aires. Sie seien zehn bis zwölf Jahre alt gewesen, da habe er um ihre Hand angehalten. Das erzählte Damonte kurz nach der Papstwahl 2013 argentinischen Medien. Bergoglio habe ihr einen Brief mit einem selbstgemalten Haus gegeben: "Dieses kleine Haus werde ich kaufen, wenn wir heiraten".

Ihre Eltern seien schockiert gewesen, erinnerte sich Amalia, heute 79 Jahre alt. Sie hätten sie von dem Jungen ferngehalten und ihre Mutter habe den Brief zerrissen. Bergoglio habe gesagt: "Wenn ich dich nicht heirate, werde ich Priester."

Damonte heiratete später einen anderen Mann und traf Bergoglio auch als Papst Franziskus nicht wieder.

Seine Angestellten: 762 Frauen arbeiten im kleinsten Staat der Welt

Die Zahl der Frauen, die im Vatikan beschäftigt sind, ist in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. Das ergaben Nachforschungen des kircheneigenen Senders Radio Vatikan. 2014 arbeiteten 762 Frauen im kleinsten Staat der Welt. Damit stieg der Anteil an weiblichen päpstlichen Bediensteten in den vergangenen zehn Jahren um etwa sechs Prozent.

Viele von ihnen sind hochqualifiziert und arbeiten als Journalistinnen, Archivarinnen oder Historikerinnen. Seit vergangenem Jahr gibt es sogar ein Gremium, das nur aus Frauen besteht. 24 Frauen beraten den vatikanischen Kulturrat mit ihrem weiblichen Blick auf die Dinge. Mit dabei zum Beispiel eine Diplomatin, eine Google-Managerin, eine Gefängnisdirektorin, eine Chirurgin und die italienische Schauspielerin Nancy Brilli.

Doch in den Spitzenpositionen des Vatikan sind auch unter Franziskus Frauen noch immer rar. In den Kurienbehörden arbeiten zum Beispiel nur zwei Untersekretärinnen und 23 Untersekretäre.

Eine Bilderstrecke über das Leben von Jorge Mario Bergoglio und die bisherige Amtszeit von Papst Franziskus:

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Seine Priester: Kein Job für Frauen

Noch weiter in der Karriereleiter, also zum Sekretär oder Präfekt einer Kurienbehörde, können es Frauen derzeit nicht schaffen: Priester besetzen alle Leitungsfunktionen. Und das Priesteramt bleibt auch unter Franziskus für Frauen verschlossen. Zwar ermuntert er sie, Missionarinnen des Glaubens nach dem Vorbild Marias zu sein, aber eine Weihe als Priesterin oder Diakonin gesteht er ihnen nicht zu.

Der katholische Theologe und Kirchenkritiker Hubertus Mynarek analyisert: Hinter der in den Medien transportieren Güte des Papstes stecke eine erstaunliche Eiseskälte gegenüber den Frauen, die ihre volle Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kirche verlangten.

Papst Franziskus hält weiter an den Regeln der Kirche fest, die eine Priesterweihe für Frauen verbieten. Nach katholischer Lehre habe Jesus nur Männer als Apostel berufen, an diese Einschränkung sei die Kirche gebunden.

Alle Priesterinnen, die bereits von katholischen Bischöfen eigenmächtig geweiht wurden, bleiben auch unter Franziskus exkommuniziert, sie sind also aus der Kirche ausgeschlossen.

Seine Erkenntnis: "Kirche ist oft zu macho"

Mit seinen Reden setzt Franziskus hingegen ein klares Zeichen für mehr Frauenrechte.

"Wir sind oft zu macho und lassen Frauen keinen Raum. Aber sie sehen die Dinge mit anderem Blick und können Fragen stellen, die wir Männer noch nicht einmal verstehen", sagte Franziskus vergangenes Jahr. Auch die Kirche sei weiblich und Maria wichtiger als alle Päpste.

Immerhin: In seinen Reden sind erste Reformansätze erkennbar.

A permanent Women’s Consultation Group met for the first time Tuesday 23 June in the offices of the Pontifical Council...

Posted by Pontifical Council for Culture on Dienstag, 23. Juni 2015

Seine Ausnahmen: Abtreiben erlaubt – aber nur kurz!

Auch beim Thema Abtreibung gibt es Bewegung: So ist Abtreibung laut Kirchenrecht eine Sünde, die der Vatikan mit Exkommunikation bestrafen kann. Doch derzeit macht Papst Franziskus eine Ausnahme: Vom 8. Dezember 2015 bis 20. November 2016 hat er das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. In dieser Zeit dürfen katholische Priester Frauen ihre Abtreibung vergeben. Mit dieser Lockerung solle in keiner Weise die Schwere der Sünde der Abtreibung relativiert oder verharmlost werden, so der Papst. Vielmehr wolle die Kirche möglichst vielen Betroffenen eine Aussöhnung nach einer solchen Tat anbieten.

(Bild: dpa / Angelo Carconi)

Abseits dieser barmherzigen Ausnahme steht Franziskus Meinung fest: "Häufig werden menschliche Wesen wie nicht mehr benötigte Gebrauchsgegenstände entsorgt." Franziskus sieht Schwangerschaftsabbrüche als Teil einer "Wegwerfkultur". In seiner Kritik an der Abtreibung unterscheidet sich der Argentinier nicht von seinen Vorgängern Benedikt XVI und Johannes Paul II.

Seine Zeichen: Frauenfüße statt Männerfüße

Und dann war da noch die Sache mit der Fußwaschung, mit der Franziskus konservative Gegner bereits vor drei Jahren verärgerte. Damals hatte er bei der traditionellen Fußwaschung an Gründonnerstag auch einem muslimischen Mädchen die Füße gewaschen.

Eine Ausnahme, die seit Januar zur Regel geworden ist. Der Papst erlaubt nun offiziell, dass alle Menschen am Ritual der Fußwaschung teilhaben dürfen, nicht nur Männer. Die Pfarrer sollen künftig die Teilnehmer unter "allen Mitgliedern des Gottesvolkes" auswählen, schreibt Franziskus in dem neuen Dekret.

Der Brauch, dass am Donnerstag vor Ostern ein Pfarrer oder ein Bischof zwölf ausgewählten Personen die Füße wäscht, soll an Jesus erinnern. Der hat am Abend vor seiner Kreuzigung seinen zwölf Jüngern die Füße gewaschen. Franziskus' Kritiker betonen, dass es eben zwölf Jünger und keine Jüngerinnen waren.

(Bild: Getty Images / Jeff J Mitchell)

Fazit: Reicht das?

Im Vatikan, wo immer noch viele alte konservative Kardinäle das Sagen haben, spielt Franziskus nicht den Alleinentscheider. Das würde viele verschrecken und nicht zum demokratischen Anspruch der Kirche passen. Die Veränderungen des Papstes kommen auf leisen Sohlen.

Mit kleinen Gesten rüttelt der Papst an Jahrhunderte alten Strukturen, ohne sie ganz über den Haufen zu werfen. Dahinter steckt ein großes Ziel: Er will die Kirche wieder mehr im Alltag der Menschen verankern.

Mit diesen Trippelschritten sind seine Veränderungen nachhaltiger.

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