Gerechtigkeit

Vielleicht sollten wir Trump zum Tag der Deutschen Einheit einladen

16.07.2017, 16:31 · Aktualisiert: 16.07.2017, 17:03

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geht mit gutem Beispiel voran.

Der französische Präsident Emmanuel Macron trägt derzeit ziemlich viel Hoffnung auf seinen Schultern, er soll so ziemlich alles retten: Frankreich, Europa, und jetzt über vielleicht die Welt – wenn auch über Umwege.

Denn Macron erklärt, er habe mit Trump "ausführlich darüber gesprochen, was ihm eine Rückkehr ins Pariser Klimaabkommen ermöglichen würde." (SPIEGEL ONLINE)

Ob Trump seine Haltung tatsächlich geändert hat, steht natürlich weiterhin in den Sternen. Aber trotzdem offenbart Macrons Aussage eine schmerzliche Tatsache:

Bisher ist es Europas Staatschefs selten gelungen, Trump auf ihre Seite zu bringen.

Einige wenige sympathisieren eh mit seinen Einstellungen, wie Ungarns Viktor Orbán (Independent), die meisten anderen zeigen sich seit seiner Wahl regelmäßig empört, genervt und erstaunt (SPIEGEL ONLINE).

Das ist nicht überraschend, wirken Trumps Entscheidungen oft unüberlegt und trotzig. Trotzdem: Trump ist gewählter Präsident. So lange das der Fall ist, sollte man eventuell versuchen, ihn zu überzeugen – gerade weil wir kaum verstehen, wie er seine Entscheidungen fällt, und wir nicht darauf setzen können, dass er sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen oder internationalen Richtlinien orientiert.

Viele Menschen lassen sich aber leichter überzeugen, wenn sie guter Stimmung sind – zum Beispiel, wenn sie als Gast zu einem Staatsakt geladen werden und die Kapelle "Get Lucky" spielt (Youtube) - und wenn sie das Gefühl haben, umworben zu werden, nicht angeschrien oder belehrt.

Genau das hat Macron getan. Und vielleicht einen Einfluss auf Trump und seine Haltung zum Klimaabkommen gehabt.

Natürlich gibt es auch bei dieser Strategie keine Erfolgsgarantie.

Und, klare Sache, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Trump sind ungefähr so weit von einander entfernt, wie auf der politischen Bühne möglich: In ihrer Art, zu regieren, zu sprechen, zu verhandeln. Es dürfte für die Kanzlerin deutlich schwieriger werden, Brücken zu schlagen. Nichts desto trotz:

Da Trump wenig über Europa, seine Institutionen und seine Geschichte zu wissen scheint (Frankfurter Rundschau), sind festliche Anlässe vielleicht die beste Möglichkeit, ihm etwas zu erklären - ganz so, wie es andere Nationen seit Jahrhunderten mit unseren Vertretern machen.

Was also spricht dagegen, ihm am Tag der Deutschen Einheit noch einmal zu zeigen, wo einst die Grenze zwischen Ost und West lag, und ganz nebenbei mit ihm darüber zu sprechen, warum Mauern schädlich sein können, für Menschen und Wirtschaft? Oder ihn an eben jenem Tag zum Tag der offenen Moschee mitzunehmen, der ebenfalls immer am dritten Oktober ist?

All das heißt nicht, dass Europa nicht gleichzeitig auch andere internationale Partnerschaften festigen sollte, oder dass man sich von Trump alles gefallen lässt.

Es heißt auch nicht, dass man Trumps Haltung annimmt. Oder dass man seine Frustration über ihn nie kommunizieren darf.

Aber ihn jetzt schon als verlorenen Fall abzustempeln und sich abzuwenden, ihn zu "isolieren", wie man in Polit-Sprache sagen würde, zerstört nicht nur viele Hoffnungen der USA, sondern leider auch Europas und der Welt. Und es kann sein, dass unser politischer Snobismus dazu eine gehörige Portion beiträgt.

Es nutzt nichts - wir können nicht weiter beleidigt sein, dass ein Teil Amerikas einen Präsidenten gewählt hat, den man in Europa oft kopfschüttelnd betrachtet. Wir müssen mit diesem Mann und seiner Art, Politik zu machen, leben. Und arbeiten.

Eine Sache mehr, die wir von Macron lernen können.

In dieser Powerpoint-Präsentation versucht ein Wissenschaftler, Trump den Klimawandel zu erklären:

Ken Schultz
Ken Schultz
Ken Schultz
Ken Schultz
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